© Thomi Studhalter / WWF
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3900 Junglachse in die Freiheit entlassen

  • Mélanie Guillebeau
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Der Lachs soll zurück in die Schweizer Gewässer finden: Mit dieser Absicht haben gestern Schülerinnen und Schüler 3900 Junglachse in einem Nebenfluss des Rheins ausgesetzt. Neben dem Besatz bleibt der wichtigste Punkt der Lachsförderung weiterhin die Sanierung von Wasserkraftwerken bezüglich derer Fischgängigkeit.

In der Schweiz werden jedes Jahr 30’000 Junglachse in potenziell geeigneten Laichgewässern ausgesetzt. Eines dieser vielversprechenden Gewässer ist der Magdenerbach, ein Seitenarm des Rheins. Dort haben Schulklassen gestern unter Anleitung von Fachleuten, dem lokalen Fischereiverein sowie dem WWF 3’900 Junglachse in die Freiheit entlassen. Der Magdenerbach wird nun während zweier Jahre ihre Heimat bleiben, bevor sie sich auf den 3’000 Kilometer langen Weg zum Atlantik machen.

Die Junglachse werden in die Freiheit, in diesem Fall den Magdenerbach, entlassen. | © Thomi Studhalter / WWF
Die Junglachse werden in die Freiheit, in diesem Fall den Magdenerbach, entlassen. | © Thomi Studhalter / WWF

Der Lachs soll zurück in die Schweiz kommen

Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts wanderten mehr als eine Million Lachse den Rhein aufwärts zu geeigneten Laichgebieten. Doch mit zunehmender Verbauung und Begradigung unserer Fliessgewässer, nahm der Lachsbestand kontinuierlich ab. Seit 1950 gilt der Langdistanz-Wanderer gar als ausgestorben in der Schweiz. Die Internationale Kommission zum Schutz des Rheins (IKSR) hat mit dem Projekt „Lachs 2020“ das Ziel gefasst, den Lachs zurück in den Rhein zu bringen und im Zuge dessen weitere Wanderfische wie die Barbe oder Nase zu unterstützen.

„Man sieht, dass der Drang der Lachse in die ursprünglichen Gewässer zurückzukehren, enorm stark ist. Die Vernetzung für den Lachs dient auch vielen anderen Wanderfischen“, Christian Hossli, Projektleiter beim WWF Schweiz.

In erster Linie müssen dazu die optimalen Rahmenbedingungen geschaffen werden: einerseits durch das Bereitstellen passender Lebensräume, unter anderem mithilfe von Revitalisierungen; andererseits durch die Wiederherstellung der vertikalen Vernetzung durch die Entfernung oder Überbrückung von Wanderhindernissen. Erst dann werden Besatzmassnahmen nachhaltige Erfolge verzeichnen.

Auf- und Abstieg gewährleisten

Mit rund sechs Jahren treten die geschlechtsreifen Lachse ihre Rückreise vom Atlantik zu den Laichgründen, in denen sie geboren oder ausgesetzt worden sind, an. Dabei sind sie bei unüberbrückbaren Hindernissen – wie Wasserkraftwerke es sind – auf Aufstiegshilfen angewiesen. Im Rahmen der geplanten und teilweise bereits durchgeführten Wasserkraftwerk-Sanierungen werden diese Hilfen in Form von Fischtreppen bereitgestellt.

Ihren ersten Lebensabschnitt verbringen die Junglachse in ihren Laichgewässern, wie dem Rhein. Nach ungefähr zwei Jahren begeben sie sich auf die weite und hindernisreiche Reise zum Atlantik. Dort verbleiben sie bis zu ihrer Geschlechtsreife - die ungefähr mit vier bis sechs Jahren eintritt. Dann bestreiten sie den Rückweg zu ihren Laichgewässern. | © USFWS Endangered Species [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Ihren ersten Lebensabschnitt verbringen die Junglachse in ihren Laichgewässern, wie dem Rhein. Nach ungefähr zwei Jahren begeben sie sich auf die weite und hindernisreiche Reise zum Atlantik. Dort verbleiben sie bis zu ihrer Geschlechtsreife – die ungefähr mit vier bis sechs Jahren eintritt. Dann bestreiten sie den Rückweg zu ihren Laichgewässern. | © USFWS Endangered Species [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Hingegen für den Abstieg – den die ausgesetzten Junglachse nach ein bis zwei Jahren bestreiten müssen, um zum Atlantik zu gelangen – sind die Techniken noch nicht ausgereift. Die Nutzung von Fischaufstiegshilfen für den Abstieg ist meist nur beschränkt möglich. Als alternativer Durchgang dienen den Lachsen daher die Turbinen der Kraftwerke – in der Folge verletzen sich viele Fische oder sterben im schlimmsten Fall. Forscher der Eawag und der VAW (Versuchsanstalt für Wasserbau, Hydrologie und Glaziologie) sind daher bemüht, neue Techniken und Mechanismen zu entwickeln, die den Fischen den Abstieg erleichtern.

Erste kleine Erfolge

Mit dem gemeinsamen Effort, der im Namen des Projektes „Lachs 2020“ erbracht wurde, konnten in den letzten Jahren erste kleine Erfolge erzielt werden. Im Jahr 2015 wurden rund 220 Lachse auf ihrem Weg in die Schweiz beobachtet. Letztes Jahr wurden leider nur 145 Exemplare gezählt, dies kann aber durch die damals tiefen Wasserstände erklärt werden. In einem weiteren Schritt soll die Sanierung mehrerer Kraftwerke entlang des Rheins in Frankreich und der Schweiz weitere Gebiete für die hindernisfreie Lachswanderung erschliessen.

Weitere Informationen können Sie der originalen Medienmitteilung des WWF entnehmen. 

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