© Gunnar Ries [CC-BY-SA-3.0], via flickr
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20 Jahre Wolf: Der Bestand dümpelt vor sich hin

  • Kathrin Ruprecht
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Wolfspopulationen wachsen natürlicherweise um einen Drittel pro Jahr. In der Schweiz ist das Wachstum des Bestandes hingegen viel geringer. Ohne die zahlreichen Abschüsse hätte der Wolf die Schweiz seit seiner Rückkehr vor 20 Jahren flächendeckend besiedelt und einen Bestand von rund 200 Tieren aufbauen können. Allerdings gibt es heute nur rund 25 Wölfe und bloss auf einem einzigen Prozent der Landesfläche pflanzen sie sich fort.

Die Wolfspopulation in den Alpen wächst nur zwischen 10 und 15 % jährlich, deutlich langsamer als biologisch zu erwarten wäre, berichtet die Gruppe Wolf Schweiz. Grund dafür ist nicht etwa das beschränkte Lebensraumangebot, sondern die lockere Abschusspolitik. Sowohl Frankreich, als auch die Schweiz, geben regelmässig Wölfe zum Abschuss frei. In diesen beiden Ländern und ebenso in Italien ist die Wilderei verbreitet. Der Wolfsbestand ist damit faktisch reguliert, das Wachstum stark verlangsamt. Angesichts dieser Tatsache ist das Drängen der Schweizer Politik nach einer Regulierung des Wolfsbestandes unverständlich.

© Gruppe Wolf Schweiz
© Gruppe Wolf Schweiz

“Ein verlangsamtes Populationswachstum hat für das Zusammenleben mit dem Wolf zwar Vorteile“, meint David Gerke, Präsident der Gruppe Wolf Schweiz. “Es gibt Zeit, um sorgfältig geplante und breit abgestützte Lösungen für die auftretenden Konflikte zu finden. Viel mehr verlangsamen lässt sich das Wachstum des Bestandes aber nicht, ohne diesen zu gefährden.“

Populationswachstum und Berechnungsmodelle

Der Wolf ist eine anpassungsfähige Tierart mit einer hohen Reproduktionsrate. Entsprechend wächst sein Bestand jährlich um rund einen Drittel, solange noch ausreichend freie Lebensräume zur Verfügung stehen. Dass ein solches Populationswachstum auch in der mitteleuropäischen Kulturlandschaft möglich ist, zeigt das Beispiel von Deutschland. Dort wanderten wie in der Schweiz vor rund 20 Jahren wieder Wölfe ein. In Deutschland wächst die Wolfspopulation seither tatsächlich um fast 30 % jährlich und umfasst heute über 30 Rudel.
Die Modellierung der theoretischen Entwicklung der Wolfspopulation der Schweiz kann mit verschiedenen Rechnungsmodellen geschehen. Für das Modell würde daher ein jährlicher Zuwachs von 30% verwendet, also etwas tiefer als theoretisch möglich. Denn auch ohne legale Abschüsse müsste in einer Kulturlandschaft aufgrund des Verkehrs wohl eine erhöhte Sterblichkeit wohl in Kauf genommen werden. Variiert werden kann auch der Anfangszeitpunkt der Wachstumsberechnung (erster Wolf, erstes Weibchen oder erstes Paar). Die Resultate unterscheiden sich aber nur marginal. Die Schweiz bietet Lebensraum für rund 200 Wölfe, weswegen der Bestand sich bei dieser Höhe einpendeln würde.
Die Unterbrüche im Wachstum des Schweizer Wolfsbestandes korrelieren zeitlich mit den getätigten Abschüssen. Bevor sich 2012 am Calanda das erste Wolfsrudel bildete, wurde im Wallis bereits zweimal durch bewilligte Abschüsse die Rudelbildung verhindert. Wolfspaare mit je einem erwachsenen Männchen und Weibchen bildeten sich bereits 2006 im Chablais und 2010 in Crans- Montana. In beiden Fällen wurden die männlichen Wölfe durch die Wildhut erlegt.

1 Kommentar

  • Wolfsfreund

    Zitat:“Entsprechend wächst sein Bestand jährlich um rund einen Drittel, solange noch ausreichend freie Lebensräume zur Verfügung stehen.“ Das heisst doch das wen sich der Wolf nicht mehr weiter verbreiter und die Wolfspopulation sich nicht weiter vermehrt das es genug Wölfe un der Schweiz hat. Nach meiner MMeinung ist jeder Wolf in der Schweiz einer zu viel.

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