20 Jahre Moorschutz: Qualität der Moore nimmt ab

  • Redaktion Naturschutz
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Zum 20. Jahrestag der Rothenthurm-Initiative publizierte das Bundesamt für Umwelt BAFU die Ergebnisse einer seit 1997 durchgeführten Erfolgskontrolle im Moorschutz. Die Resultate: Heute sind 91 Prozent der Hochmoore und 87 Prozent der Flachmoore kantonalrechtlich geschützt, und der Schutz von Moorlandschaften ist inzwischen bei 85 Prozent der Objekte umgesetzt oder weit vorangeschritten. Dank dieses Schutzes hat die Fläche der Hoch- und Flachmoore von nationaler Bedeutung in der fünfjährigen Beobachtungsperiode lediglich um 1 Prozent abgenommen. Die Qualität der geschützten Moore hat sich jedoch im untersuchten Zeitraum wesentlich verschlechtert. Konkret heisst das: Über ein Viertel der Moore ist in den 5 Jahren trockener geworden, in einem Viertel der Moore hat die Nährstoffversorgung zugenommen und fast ein Drittel der Objekte ist von der Verbuschung und Einwaldung betroffen, weil die Biotope nicht mehr genutzt werden oder austrocknen.

Für Pro Natura ist dieses Resultat bestürzend. Urs Tester: «Es ist nun amtlich: Die Umsetzung des Schweizer Moorschutzes ist weitgehend gescheitert. Die Studie ist eine Misserfolgsbezeugung.» Und für den Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz ist klar: „Die Tatsache, dass trotz klarem Auftrag über ein Viertel der Moore deutlich zu wenig Wasser hat, zeigt, dass der Moorschutz verstärkt werden muss.“ Der SVS bemängelt zudem, dass die BAFU-Studie bei den Brutvögeln der Moore aufgrund des Vorgehens ein zu positives Bild zeigt. „Die meisten Brutvogelarten haben vorher stark abgenommen oder erscheinen gar nicht in der Statistik, weil sie nicht mehr erfolgreich brüten können. Die Bekassine und der Grosse Brachvogel, die beide auf grosse, ungestörte Moorflächen angewiesen sind, stehen ohne zusätzliche Massnahmen in der Schweiz vor dem Aussterben.“

Um der Austrocknung und der Verbuschung zu begegnen, will das BAFU nun einen Schwerpunkt auf die Regeneration der Moore legen. Indem alte Drainagegräben und -röhren dicht gemacht werden, soll der ursprüngliche Wasserhaushalt wieder hergestellt werden. Der Regenerationsprozess kann mehrere Jahrzehnte in Anspruch nehmen. Um das Problem des Nährstoffeintrags in Moore – besonders in Flachmoore – zu lösen, ist laut dem BAFU die Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft zentral. Der Nährstoffeintrag in Moore kann nur durch ausreichend breite Pufferzonen wirksam verhindert werden. (sb)

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