Die Verwendung von nicht ökologisch zertifiziertem Soja als Futtermittel bleibt problematisch. | © Beatrice Murch [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Die Verwendung von nicht ökologisch zertifiziertem Soja als Futtermittel bleibt problematisch. | © Beatrice Murch [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

15 Lebensmittel-Verarbeiter auf dem Prüfstand

  • Mélanie Guillebeau
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Das Ergebnis eines Umwelt-Ratings der 15 umsatzstärksten Schweizer Lebensmittel-Verarbeiter zeigt, dass noch viel Raum nach oben offen ist. Nur vereinzelte Unternehmen können Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit – bis zu einem gewissen Masse – vereinbaren. In einigen Fällen sind sich die Unternehmen ihrer grössten Umweltbelastungen nicht bewusst und es fehlt dementsprechend an den nötigen Regulierungen und Anpassungen. 

Der WWF Schweiz hat 15 in der Schweiz und Liechtenstein beheimatete Lebensmittel-Verarbeiter von der Agentur Inrate, der grössten, unabhängigen Nachhaltigkeits-Ratingagentur schweizweit, auf ihr ökologisches Engagement bewerten lassen. Dabei standen drei Kriterien im Zentrum der Untersuchungen: Umweltverträgliche Produkte dessen Produktion, Entwicklung und Zulieferung ebenfalls nachhaltigen Kriterien entsprechen; Ausrichtung des Unternehmensmanagements nach umweltverträglichen Gesichtspunkten; Engagement gegenüber Kunden, Angestellten und Lieferanten mit dem Ziel umweltfördernde Konzepte in der Wirtschaft und Gesellschaft zu etablieren.

Die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Rating fasst Thomas Baumgartner, Manager Corporate Sustainability beim WWF Schweiz, so zusammen: „Die Unternehmen ergreifen nicht die aus Umweltsicht notwendigen Massnahmen, sondern jene, die rasche Erfolge versprechen. Einige ambitionierte Unternehmen zeigen in gewissen Bereichen auf, wie sich Umweltziele an den Grenzen der ökologischen Belastbarkeit orientieren und wie durch Zusammenarbeit mit Partnern in der Wertschöpfungskette gemeinsam Lösungen erarbeitet werden können. Diese Beispiele sind wegweisend für die künftige Entwicklung der Branche.“

Zur Kategorie «Ambitionierte» gehören Barry Callebaut, Bell, Bischofszell Nahrungsmittel, Elsa, Jowa, Micarna, und Nestlé. Zwei weitere Unternehmen befinden sich im «Oberen Mittelfeld» (Emmi, Lindt & Sprüngli), vier im «Unteren Mittelfeld» (Aryzta, Cremo, Ernst Sutter, Hero) und zwei in der Kategorie «Nachzügler & Intransparente» (Orior, Ospelt). Letztere nahmen am Rating nicht aktiv teil, weshalb sich die Bewertung auf die wenigen öffentlich verfügbaren Informationen abstützt. Es steht ebenfalls eine illustrierte Übersicht der Resultate von WWF zur Verfügung.

Handlungsbedarf bei Zulieferketten und Rohstoffbeschaffung

Die Zulieferkette eines Unternehmens besitzt oft umfassende Masse und dementsprechend viele potenzielle Möglichkeiten für das Ergreifen umweltunterstützender Massnahmen. Bei der Mehrheit der Unternehmen wird dieses Potenzial leider nicht ausgeschöpft und es fehlt an klaren, umweltrelevanten Anforderungen an Lieferanten. Mit sehr gutem Beispiel geht, für einmal, Néstle voran. 95 Prozent der Lieferanten werden beim Lebensmittelmulti – dessen Umsatz das Dreifache aller kumulierten Umsätze der restlichen 14 Unternehmen beträgt – auf die Einhaltungen der gestellten Umweltanforderungen überprüft.

Bei der Auswahl geeigneter Ressourcen für die Weiterverarbeitung gilt Néstle hingegen als Negativbeispiel. Rohstoffe werden mehrheitlich von Quellen bezogen, die nicht den nötigen Nachhaltigkeitsstandards entsprechen oder es fehlt an nötiger Transparenz.
Grosser Handlungsbedarf besteht auch bei den Anbaustandards von Soja, das im Ausland als Futtermittel verwendet wird: Keines der untersuchten Unternehmen setzt dabei ökologische Anbaustandards voraus.

Ressourcenschleuder Nahrungsmittelsektor

Ein Grossteil der durch uns genutzten Ressourcen (Energie, Rohstoffe) wird für den Nahrungsmittelsektor eingesetzt. Wie das BAFU aufzeigt, könnte, die dadurch entstandene Umweltbelastung beinahe halbiert werden. Besonders ins Gewicht fallen dabei tierische Produkte, welche drei Viertel der Gesamtumweltbelastung innerhalb der Ernährung verursachen. Dies zeigt auf, dass durch entsprechende Massnahmen im Nahrungsmittelsektor viele Ressourcen eingespart werden könnten. Umso besser zu hören, dass Firmen wie Barry Callebaut und Néstle ihre Umweltstandards anpassen. Barry Callebaut strebt eine klimaneutrale Wertschöpfungskette bis 2025 an. An der Pariser Klimakonvention wurde das Zwei-Grad-Ziel beschlossen, womit beabsichtigt wird, die globale Erwärmung auf weniger als zwei Grad zu begrenzen. Nestlé verfolgt Massnahmen, welche dem Erreichen dieses Ziels zugutekommen sollen.

Den kompletten Abschlussbericht des Umwelt-Ratings finden Sie auf der Webpage des WWF Schweiz.

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