Das BAFU hat eine Studie mit den WaldbesitzerInnen gemacht, um mehr über ihr Verhältnis zu ihrem Wald zu erfahren. © valiunic, via pixabay.
Das BAFU hat eine Studie mit den WaldbesitzerInnen gemacht, um mehr über ihr Verhältnis zu ihrem Wald zu erfahren. © valiunic, via pixabay.

Für die Biodiversität – solange damit keine Arbeit anfällt

  • Stefanie Wermelinger
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Die rund 13’000 km² Schweizer Wald gehören fast 250’000 EigentümerInnen. Eine Analyse des Bundesamts für Umwelt zeigt, wer diese WaldbesitzerInnen sind, wie ihr Verhältnis zu ihrem Wald ist und welche Ziele sie verfolgen. Es fällt auf, dass nur ein kleiner Anteil der Privatbesitzer sich tatkräftig für den Naturschutz einsetzen.

Der Schweizer Wald erbringt vielfältige Leistungen für die Allgemeinheit, etwa als Raum für Erholungssuchende, Siedlungsschutz vor Naturgefahren und als natürlicher Filter für rund die Hälfte des Trinkwassers in der Schweiz. Zudem bietet er zahlreichen Pflanzen- und Tierarten Lebensraum und liefert den nachwachsenden Rohstoff Holz. Das Ziel des Bundesamts für Umwelt (BAFU) ist es, eine wirksame und effiziente Waldpolitik umzusetzen. Deshalb hat er eine Studie den Ansichten der WaldeigentümerInnen gewidmet, um zukünftige eine erfolgreiche Zusammenarbeit zu garantieren.

Ideeller Wert übersteigt ökonomischem Wert

Rund ein Drittel des Schweizer Waldes befindet sich in der Hand von 245’000 privaten Personen. 85 Prozent dieses Privatwaldes werden aktiv bewirtschaftet. Das wichtigste Ziel der EigentümerInnen des Privatwaldes ist mit Abstand ein gesunder und stabiler Wald. Sie wollen ihn als Ressource für nachkommende Generationen erhalten und sich gerne im Wald aufhalten. Auch der Wald als Filter für Trinkwasser und der Erhalt und die Förderung von Biodiversität ist den Privatpersonen wichtig. Für die wenigsten hat ihr Waldgrundstück einen ökonomischen Wert. Mehr als die Hälfte der Besitzer geben an, dass der Wald für Sie keine Einkommensquelle darstellt oder sogar ein Verlustgeschäft für sie bedeutet.

Biodiversität ist gut – solange man nichts machen muss

Mehr als zwei Drittel aller Privatpersonen haben in ihrem Waldstück Massnahmen für den Erhalt und auch die Förderung der Biodiversität umgesetzt – allerdings nur, wenn diese Massnahmen keine zusätzliche Arbeit brachte. Beispielsweise haben viele Alt- oder Totholz liegen gelassen. Biodiversitätsprojekte, welche einen Arbeitsaufwand verlangten, wurden von deutlich weniger PrivateigentümmerInnen ausgeführt.

Ein ähnliches Bild zeigte sich auch bei der Frage nach der Wichtigkeit verschiedener Ziele bei der Bewirtschaftung des Waldes. Die Besitzer wurden in fünf verschiedene Eigentumstypen eingeteilt und nur gerade 11 Prozent, der kleinste Anteil, gaben an, dass Ihnen der Naturschutz und die Biodiversität am wichtigsten ist. Hinzu kommt, dass von diesen 11 Prozent einige ihren Wald nur eingeschränkt benutzten und sich nicht alle bemühen, die Biodiversität durch Arbeitseinsätze zu steigern.

Die 245'000 Privatbesitzer wurden in fünf Eigentumsgruppen eingeteilt. Nur gerade 11 Prozent finden Naturschutz und Biodiversität am Wichtigsten. © Stefanie Wermelinger.
Die 245’000 Privatbesitzer wurden in fünf Eigentumsgruppen eingeteilt. Nur gerade 11 Prozent finden Naturschutz und Biodiversität am Wichtigsten.

Die grösste Eigentumsgruppe ist mit denjenigen, die sich noch nie Gedanken gemacht haben, wie sie ihren Wald nutzen wollen. Die zweitgrösste Gruppe, knapp ein Viertel, wollen mit ihrem Wald vor allem Holz produzieren. 17 Prozent der Privatbesitzer finden alle fünf Ziele bei der Bewirtschaftung des Waldes sehr wichtig. Die letzte Gruppe sind noch die Gemeindewohl-Interessierten: Diese finden ebenfalls alle Ziele wichtig, ausser die Produktion von Holz.

Öffentliche Wälder ähnlich bewirtschaftet wie die Privaten Wälder

Rund zwei Drittel der Schweizer Wälder gehören 3’500 öffentlich-rechtlichen Eigentümern: Gemeinden, Bürgergemeinden, Korporationen, Kantonen und dem Bund. 92 Prozent dieser öffentlichen Eigentümer bewirtschaften ihren Wald. Mehr als die Hälfte tut dies in Eigenregie. Auch bei ihnen ist das wichtigste Ziel, einen gesunden und stabilen Wald zu erhalten. Ebenfalls von hoher Bedeutung ist das Sicherstellen der Filterfunktion für Trinkwasser, der Erhalt von Lebensraum für Tiere und Pflanzen sowie die Holzproduktion.

Viele Waldbesitzer sind noch zu überzeugen

Mehr als ein Drittel aller Privatbesitzer und auch einige der öffentlichen Waldbesitzer haben kaum Interesse an einer Nutzung ihres Waldstückes. Diese Waldeigentümer sind diejenigen, welche vom Bund und Kantonen in Zukunft besser erreicht und motiviert werden müssen. Die Studie zeigt, dass eine Mehrheit aller Waldeigentümmer grundsätzlich nachhaltige Ziele für ihren Wald verfolgen, die Priorität für Naturschutz und Biodiversität aber ziemlich tief liegt. Ideelle Werte haben für die Waldbesitzer einen höheren Stellenwert als materielle Werte. Die Kommunikation des Bundes und der Kantone mit den Waldbesitzern soll in Zukunft also vermehrt auf emotionale Inhalte setzten.

Die Studie: Von Mitte Dezember 2016 bis Ende Januar 2017 wurde eine schriftliche Umfrage durchgeführt, an der 980 private und 482 öffentliche WaldeigentümerInnen teilnahmen. Da die vorhandenen Daten entsprechend der Grundgesamtheit über die Regionen verteilt sind, ist die Umfrage bezüglich der Verteilung auf forstliche Produktions- sowie Sprachregionen repräsentativ. Die vollständige Studie über die Eigentümerinnen und Eigentümer des Schweizer Waldes finden Sie hier.

4 Kommentare

  • Ernst Leuenberger

    Ich bin nach wie vor der Meinung, dass wir unseren Wald nutzen dürfen ! Was man aber unbedingt abstellen muss, Exoten – Hölzer zu importieren.

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  • Martin H.

    Solange noch mit Helikoptern weitab von Schutzwäldern geforstet wird und ohne Ende unnötige Waldstrassen erstellt werden, ist die Funktion des Waldes nicht verstanden. Biodiversität entstand nicht in den letzten 100 Jahren, sondern früher, als man einfach gar nichts machte. FÜR EINEN URWALD SCHWEIZ!

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  • C. Bucher

    Gibt es passende Praxistipps? Was kann ein Waldbesitzer tun, um der Biodiversität Gutes zu tun?

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