@ Mark Ehlers [CC-BY-SA-2.0], via Wikimedia Commons
@ Mark Ehlers [CC-BY-SA-2.0], via Wikimedia Commons

Fischotter auf dem Vormarsch               

  • Julia Hatzl
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Neue Nachweise von jungen Fischottern bei Bern und die erste Beobachtung eines Einzeltieres im Engadin sind Hinweise darauf, dass sich der Fischotter in der Schweiz wieder etablieren und stabile Populationen bilden könnte.

An der Aare zwischen Thun und Bern erfassten Fotofallen in den letzten Monaten regelmässig zwei Fischotterweibchen mit Jungtieren. Es handelt sich dabei um den vierten bestätigten Nachwuchs von wild lebenden Ottern in der Region Bern. Zudem wurde am Inn bei Samedan erstmals seit über 70 Jahren ein Fischotter mit einer Fotofalle nachgewiesen. Mit der Bildung einer nationalen Fischottergruppe wollen Bund und Kantone den Herausforderungen, die eine Rückkehr des Wildtieres mit sich bringt, begegnen. Dies gaben das Bundesamt für Umwelt (BAFU) sowie die Kantone Bern und Graubünden bekannt.

Bereits vier Nachweise von Jungtieren in der Schweiz. @ Cloudtail the Snow Leopard [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Bereits vier Nachweise von Jungtieren in der Schweiz. @ Cloudtail the Snow Leopard [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Geschichte des Wassermarders

Vielen Fischern war der Fischotter ein Dorn im Auge. Er wurde als Konkurrent im Fischfang gesehen und konsequent verfolgt und gejagt. Sogar gesetzlich wurde bis in die 1940 Jahre die «Ausrottung von Fischottern (…) und anderen der Fischerei besonders schädlichen Tieren (…) möglichst zu begünstigen» begrüsst. Erst 1952, als der Bestand nur noch sehr klein war, wurde die Art unter Schutz gestellt. Die kleinen Populationen sowie steigender Lebensraumverlust durch Gewässerverbauung und Wasserverschmutzung waren wahrscheinlich die weiteren Faktoren, wieso der Fischotter 1989 komplett verschwand. Speziell die Belastung der Gewässer durch das einst verwendete Kühl- und Schmiermittel Polychlorierten Biphenyle (PCB) wird als eines der gravierendsten Probleme erachtet. Durch die Anreicherung der Konzentration in der Nahrungskette weisen Fischotter eine hohe Konzentration an PCB in belasteten Gebieten auf, das ähnliche Auswirkungen wie die Anti-Baby-Pille hat. Somit konnten sich die letzten verbleibenden Vertreter nicht mehr fortpflanzen. Heute ist die Verwendung von PCB in der Schweiz verboten, die Gewässer sind sauberer, Renaturierungsmassnahmen werden konsequent umgesetzt und die Flüsse fliessen freier. Perfekte Voraussetzungen also für die Rückkehr des Fischotters.

Als Fischfresser sind sie in der Fischerei oft ungern gesehen. @ PROCloudtail the Snow Leopard [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Als Fischfresser sind sie in der Fischerei oft ungern gesehen. @ PROCloudtail the Snow Leopard [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Die Rückkehr

In den bisherigen Nachweisen war nicht immer klar, ob es sich um eingewanderte oder entwichene Tiere handelte. Heute kann aber aufgrund von sich ausbreitenden Populationen in unseren Nachbarländern Österreich und Frankreich davon ausgegangen werden, dass Fischotter auf natürliche Weise in die Schweiz einwandern und sich bei uns fortpflanzen. In Österreich gibt es bereits grosse Populationen in weiten Teilen der Steiermark, Kärnten und Salzburg. Trotz der Verbindung der Schweiz mit Österreich durch den Inn wurde der Fischotter in der Schweiz erstmals an der Aare, Rhein, Rhone und im Ticino auf. Erst jetzt, im Herbst 2017, konnte ein Tier im Engadin am Inn nachgewiesen werden.

Ausblick auf die Zukunft in der Schweiz

Erwachsene Fischotter leben als Einzelgänger in bis zu 40 km grossen Streifgebieten entlang von Gewässern. Auf der Suche nach neuen Territorien können sie aber noch weitere Distanzen zurücklegen. Fischotter ernähren sich einerseits von Fischen, andererseits aber auch von anderen Beutetieren wie Amphibien, Krebsen, Vögeln, Reptilien und kleinen Säugetieren. Dennoch kann es zu Interessens­konflikten kommen. Österreich ist ein Beispiel, in dem der Fischotter in der Steiermark und Kärnten bereits wieder als Problemart angesehen wird. Die Bejagung der Otter wurde bereits besprochen, weil die Tiere den Fischbestand zu stark dezimieren und Schäden in Fischzuchtanlagen und den Fischereiverbänden verursachen würden (naturschutz.ch berichtete).

Zusätzlich könnte ein hoher Bestand an Fischottern gefährdete Fischarten und Krebse unter Druck setzen. Die zunehmenden Nachweise lassen auf eine selbstständige Rückkehr des Fischotters hoffen. Um die Voraussetzungen für ein Nebeneinander von Fischotter und Mensch in der Schweiz zu schaffen, mögliche Konflikte früh zu erkennen und präventiv einzugreifen, bilden Bund und Kantone in den kommenden Monaten eine Koordinationsgruppe zum Fischotter.

Mehr Informationen über die Situation der Fischotter in der Schweiz finden Sie unter: http://www.prolutra.ch.

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