Styropor: Der Katze mag's gefallen, nicht aber der Natur. | © mitsy mcgoo [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Styropor: Der Katze mag's gefallen, nicht aber der Natur. | © mitsy mcgoo [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

10 Gründe auf Styropor zu verzichten

  • Mélanie Guillebeau
  • -

Styropor mag so manchen Vorteil mit sich bringen: Es schützt unsere Gebäude preiswert und funktional vor Wärmeverlust oder zerbrechliche Güter vor Schäden. Doch es gibt einige Gründe, die gegen die weitläufige Produktion von Styropor sprechen: allen voran die verheerenden Konsequenzen für unsere Umwelt.

Seinen Ursprung hat Styropor im Deutschland der frühen Dreissiger Jahre: Zum ersten Mal wurde aus Polystyrol-Kügelchen mithilfe von Hitze und Wasserdampf ein Kunststoffschaum gezaubert und in der Folge der gegenwärtig vierthäufigste Kunststoff ins Leben gerufen.

Mittlerweile wird Styropor – auch bekannt als EPS – vielseitig eingesetzt und findet als Wärmedämmung bei Gebäuden, zum Schutz elektronischer Geräte oder als Verpackung von Take-away-Essen Gebrauch. Doch gemäss der kalifornischen Organisation „Clean Water Action“ gibt es zahlreiche Gründe, warum die Verwendung des kostengünstigen Materials mit Vorbehalt geschehen sollte:

1. Nicht biologisch abbaubar. Ein Styroporbecher überdauert uns alle für Hunderte von Jahren. Der Becher wird über die Zeit hinweg zwar degradiert, kann aber nicht biologisch umgesetzt werden. Auf diese Weise zerfällt ein einzelner Becher in einigen Jahren in Tausende kleiner Partikel, an welchen sich Stoffe – auch solche unheilvoller Natur – besser festsetzen und anreichern können.

Einmal weggeworfen, bleibt ein Styroporbecher der Umwelt während Jahrhunderten erhalten. | © Rhys A. [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Einmal weggeworfen bleibt ein Styroporbecher der Umwelt während Jahrhunderten erhalten. | © Rhys A. [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

2. Recycling nur teilweise möglich. Nur „sauberes“ Styropor, zum Beispiel von Gebäudeisolationen, kann recycelt werden. Verschmutzte Getränkebecher und Take-away-Behälter sind vom Recycling ausgeschlossen – lediglich 0.2 Prozent des gesamten Styropor-Einweggeschirrs konnten in Kalifornien jeweils rezykliert werden. Auch die „Styropor-Chips“, die zum Schutz von zerbrechlichen Paketinhalten genutzt werden, können nicht verwertet werden.

Styropor kann grundsätzlich rezykliert werden, jedoch gibt es einige nennenswerte Ausnahmen wie Einwegessgeschirr oder "Styropor-Chips". | © Heartlover1717 [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Styropor kann grundsätzlich rezykliert werden, jedoch gibt es einige nennenswerte Ausnahmen wie Einwegessgeschirr oder „Styropor-Chips“. | © Heartlover1717 [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

3. Gesundheitlich bedenklicher Inhaltsstoff. Styrol, der Baustein der Polystyrol-Kügelchen, steht beim Menschen in Verdacht, karzinogen zu wirken und ist zudem ein erwiesenes Neurotoxin. Styrol wird bei Hitze oder beim Kontakt mit fettigen, säurehaltigen oder alkoholischen Lebensmitteln freigesetzt und in den Inhalt des Styroporgefässes – wie etwa Ihren Kaffee oder Ihre Suppe – abgegeben. Folglich kann Styrol von Ihrem Körper aufgenommen werden, was gemäss einer wissenschaftlichen Untersuchung durchaus der Fall ist: Styrol wurde in 100 Prozent der getesteten Proben von menschlichem Fettgewebe nachgewiesen.

Unter anderem durch Hitze werden gesundheitlich bedenkliche Stoffe aus dem Styropor gelöst und in Getränke oder Lebensmittel überführt. | © Heartlover1717 [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Unter anderem durch Hitze werden gesundheitlich bedenkliche Stoffe aus dem Styropor gelöst und in Getränke oder Lebensmittel überführt. | © Heartlover1717 [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

4. Anreicherung toxischer Stoffe entlang der Nahrungskette. Insbesondere im Meer, dem Sammelbecken aller Abfälle, zeigen sich die negativen Konsequenzen von weggeworfenem Styropor. Einerseits kann das Verspeisen von Styropor bei den Meeresbewohnern zum Hunger- oder Erstickungstod führen. Andererseits nehmen sie die toxischen Stoffe in ihr Gewebe auf. Als besonders gefährlich für Wasserorganismen wird dabei das Flammschutzmittel HBCD eingestuft, mit welchem Styropor im Bausektor behandelt wird. Inzwischen ist dessen Gebrauch verboten, aber der Stoff zirkuliert nach wie vor durch unsere Ökosysteme. Auch Styrol konnte bereits in Luft-, Wasser- und Bodenproben detektiert werden. Entlang der der Nahrungskette reichern sich diese potenziell gefährlichen Stoffe an, welche wir, die Endkonsumenten, zu guter Letzt in hoher Konzentration verzehren.

5. Gefährliche Produktionsumstände. In den Styropor-Fabriken kommen die Arbeiter mit weiteren gefährlichen Substanzen wie Aceton, Toluol und Xylol in Kontakt. Die Folge sind sich häufende Berichte von unerwünschten Nebenwirkungen wie langsamere Reaktionszeit, Hörprobleme, Konzentrationsprobleme und eine Abnahme in der Anzahl und Qualität von Spermien bei den Fabrikarbeitern.

Die Herstellung von Styropor erfordert weitere Chemikalien mit ungewollten gesundheitlichen Nebenwirkungen. | © Suzanne Phillips [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Die Herstellung von Styropor erfordert weitere Chemikalien mit ungewollten gesundheitlichen Nebenwirkungen. | © Suzanne Phillips [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

6. Teurer als man denkt. Hinsichtlich der Produktionskosten schneidet Styropor besser ab als allfällige ökologische Alternativen. Dafür dominieren bei den umweltverträglichen Alternativen die ökologischen und gesundheitlichen Vorteile. Schliesslich werden durch weggeworfenes Styropor unsere Ozeane sowie dessen Bewohner und zugleich die Ökosystem-Dienstleistungen, die wir von ihnen beziehen, in Mitleidenschaft gezogen: unter anderem die Regulierung des Klimas und die Nahrungsversorgung, die sich kaum mit Geld aufwiegen lassen.

7. Produktion aus Erdöl. Styropor wird aus Polystyrol-Kügelchen hergestellt, welche wiederum auf Basis von Erdöl produziert werden. Zwar besteht Styropor zu 98 Prozent aus Luft und nur zu zwei Prozent aus den Polystyrol-Kügelchen, doch selbst dieser geringe Anteil ist ausschlaggebend für die schlechte Umweltbilanz von Styropor. Denn für ein Kilogramm Styropor werden knapp drei Liter Erdöl benötigt.

Als Basis für die Herstellung von Styropor dient Erdöl. | © Carsten ten Brink [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Als Basis für die Herstellung von Styropor dient Erdöl. | © Carsten ten Brink [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

8. Brutstätte für Moskitos. Styropor besteht wie bereits erwähnt fast nur aus Luft. Die Konsequenz: Wenn Styropor in die Umwelt gelangt, saugt es Wasser innert kürzester Zeit wie ein Schwamm auf und wird dadurch zu einer optimalen Brutstätte für Moskitos.

Die lästigen Moskitos fühlen sich in den wassergetränkten Styroporabfällen pudelwohl. | © Prof. Frank Hadley Collins, Dir., Cntr. for Global Health and Infectious Diseases, Univ. of Notre Dame [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Die lästigen Moskitos fühlen sich in den wassergetränkten Styroporabfällen leider allzu wohl. | © Prof. Frank Hadley Collins, Dir., Cntr. for Global Health and Infectious Diseases, Univ. of Notre Dame [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

9. Alternativen sind vorhanden. Ein Start-up aus Texas hat mit AeroClay einen kompostierbaren Bio-Kunststoff entwickelt, der vergleichbare isolierende Fähigkeiten wie Styropor besitzt. Für dessen Herstellung kann jedoch auf Erdöl verzichtet werden. Stattdessen dient Lehm als Grundsubstanz für die Herstellung. Zudem kann biologisch abbaubares Einweggeschirr, zum Beispiel aus Zuckerrohr, Holz oder Kartoffelstärke und Zellulosefasern, gekauft werden.

Alternativ zu Styropor gibt es einen ökologischen Baustoff basierend auf Lehm, der zu Wärmedämmung benutzt werden kann. | © shorty76 [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Alternativ zu Styropor gibt es einen ökologischen Baustoff basierend auf Lehm, der zu Wärmedämmung benutzt werden kann. | © shorty76 [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

10. Verbot zeigt Wirkung. In San Francisco wurde Styropor-Essgeschirr bereits 2007 verboten, woraufhin der Styroporabfall um mehr als ein Drittel verringert werden konnte. Hoffentlich werden noch weitere Städte oder Länder diesem guten Beispiel folgen.

Weitere interessante Informationen finden Sie im Faktenblatt der Organisation „Clean Water Action“.

Beitrag kommentieren