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Wieso kennt die Stadt die Neophyten nicht?

  • Benjamin Kämpfen
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Blühende Neophyten am Strassenrand sind landauf, landab ein gewöhnliches Bild. Da und dort werden diese schädlichen Pflanzenarten von den Unterhaltsdiensten auch noch aktiv gefördert.

„Schön, da haben sie beim Mähen ein paar Blumen stehen gelassen!“

So denkt man beim ersten Blick auf das Strassenrandgrün in einer Stadt im Mittelland. Auf den zweiten Blick wird aber klar, dass hier ausgerechnet rund um das Einjährige Berufkraut (Erigeron annuus) gemäht wurde. Etwas weiter hinten wurden zur Ergänzung des Bouquets auch noch einige Götterbaum-Jungpflanzen (Ailanthus altissima) vor dem Mähtod verschont. Beide Arten stehen auf der Schwarzen Liste der invasiven Neophyten in der Schweiz, weil sie zunehmend wirtschaftliche und ökologische Schäden verursachen.

Es geht ja gar nicht darum, ob hier ein Berufkraut mehr oder weniger versamen kann. Aber die Geschichte illustriert, wie wenig Wissen über die Natur bei den zuständigen Stellen vorhanden ist. Während man dem gewöhnlichen Bürger eine gewisse Unbedarftheit (und Unwissen) im Umgang mit Neophyten verzeiht, könnte man schon erwarten, dass die „Grünprofis“ auch in Sachen Neophyten auf dem neusten Stand sind. Mir scheint das stehen gelassene Berufkraut symptomatisch für das fehlende Fachwissen mancher Unterhaltsequipe. Und das ist doch bedenklich: Vom Garagisten erwartet man, dass er etwas von Autos versteht, vom Bäcker, dass er weiss, wie Brot zu backen ist, aber für die Pflege der Grünflächen reicht es anscheinend, wenn jemand einfach die Maschine bedienen kann…

4 Kommentare

  • Martin

    Danke für den gelungenen Beitrag. Es gibt einen grossen Informationsbedarf bezüglich der Neophytenproblematik. Es fehlt vielen Betrieben an einem ökologischen Bewusstsein. Viele Unternehmen sind in der Entwicklung stehen geblieben und habe kein Interesse sich weiterzubilden. Im privaten Sektor pflanzen viele Unternehmen fleissig invasive Neophyten in Gärten an (Kirschlorbeer). Es verwundert so auch nicht, dass in den meisten Grünräumen die gleichen monotonen Einheitsbepflanzungen angelegt werden.

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  • Nadine

    Was mich noch mehr erschreckt als das die Städte invasive Arten stehen lassen ist die von mir gemachte Beobachtung, dass während Grünpflegearbeiten invasive Arten wie der Knöterich einfach gemäht werden und dann noch nicht mal fachgerecht entsorgt werden. In Bern konnte ich beobachten, wie Teile des Knöterichs in die Aare vielen und sich somit auch noch weiter ausbreiten können. Wenn „Bekämpfungsmassnahmen“ so durchgeführt werden, dann braucht man eigentlich gar nicht mehr versuchen invasive Arten einzudämmen.

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  • Benjamin Kämpfen

    Ja, Christine, da hast du natürlich völlig recht! Und leider kennen sich auch viele „Grünprofis“ nur mit Rasenpflege, Rasenerstellung, Betonplatten legen, Buchskugeln schneiden und Laub blasen aus…
    Für eine naturnahe Pflege braucht es aber ein viel differenzierteres Wissen – das ist leider selten vorhanden. Also ist da sicher ein Mangel an Aus- und Weiterbildung. Und trotzdem: Die wichtigsten Neophyten sollte eigentlich jeder kennen, der irgendwas mit Pflanzen und Grünflächen zu tun hat!

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  • Christine

    Ich habe mich auch schon gefragt, ob die „Grünprofis“ eigentlich keine Weiterbildung machen müssen, wie es in andern Berufen auch üblich ist. Nicht nur was Neophythen anbelangt, auch der fachgerechte Umgang mit den motorisierten Geräten lässt oft zu wünschen übrig.
    Bei Unterhaltsdiensten sind auch oft Nichtprofis am Arbeiten, weil sie billiger sind. Was ist uns allen eigentlich die Natur wert, muss man sich bisweilen schon fragen. Entsprechend dem Wert sind die Ausbildung und die Löhne, oder irre ich mich da?

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