© Gaël Monnerat [CC-BY-SA-3.0], via flickr
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Wie sinnvoll ist der weltweite Handel mit Biolebensmittel?

  • Kathrin Ruprecht
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Die Schweiz und die USA haben sich auf die gegenseitige Anerkennung ihrer Standards für Bio-Produkte geeinigt. Das Arrangement soll den Handel mit Bioprodukten erleichtern. Damit wird die alte Frage, „wie ökologisch sinnvoll sind weit transportiert Bio-Lebensmittel noch?“, wieder aktuell.

Da die Schweizer Nachfrage nach Bio-Produkten die Schweizer Produktionsmöglichkeiten übersteige, sei eine Einfuhr zusätzlicher Bio-Lebensmittel nötig, begründet Johann N. Schneider-Ammann diesen Schritt. Zudem soll damit den Vorsprung der EU wieder eingeholt werden, welche bereits über ein ähnliches Abkommen verfügt.

Aber ist ein Austausch biologisch produzierter Lebensmittel überhaupt noch ökologisch sinnvoll? Und damit mit den Bio-Grundsätzen kompatibel? Der Transport der Waren trägt massgeblich zur CO2-Emission bei und somit zur Klimaerwärmung.

Die Frage ob im Juni der Konsum von Bio-Äpfel sinnvoll ist, ist da das Paradebeispiel. Da im Sommer die Äpfel knapp werden werden Bio-Äpfel aus Südafrika, China oder Argentinien eingeschifft. Dieser Transport um die halbe Welt kommt einem aber nicht sehr ökologisch vor.

Um es genauer zu wissen, ist der Obstforscher Michael Blanke der Reise eines Bioapfels von Neuseeland bis ins Ruhrgebiet nachgegangen (Bericht aus zeit.de). Im Vergleich dazu berechnet er den Energieverbrauch von konventionell produzierter Äpfel aus der Region Bon, die im Herbst geerntet werden und dann bis im Sommer im Kühlhaus gelagert werden. Das Ergebnis zeigt, dass der neuseeländische Apfel immerhin einen Drittel mehr Energie verbraucht bis er im Regal ist. Der Energieverbrauch auf den einzelnen Apfel herunter gerechnet scheint aber nicht sehr hoch zu sein. Denn eine 3km lange Autofahrt benötigt gleich viel Energie wie der Mehrverbrauch des neuseeländischen Apfels. Wenn ich nun aber rechne, dass ich wohl kaum nur einen Apfel kaufen werden, kann ich aber doch schon einiges weiter fahren…

So oder so, der Konsum von nicht saisonalen Frischprodukten ist nicht ökologisch. Auch wenn diese Produkte biologisch produziert wurden. Zwar kann man mit dem  Kauf von Bio-Ware aus dem Ausland deren Biolandwirtschaft unterstützen, aber im Falle der USA wären wohl genug Leute näher dran, und könnten diese mit weniger Energieverbrauch für den Transport unterstützen.

1 Kommentar

  • Ulrike Minkner

    Danke für den Beitrag. Ich bin der gleichen Ansicht. Hinzu kommt, das sich mit den Handelabkommen die Konkurrenz unter den Bio-Bauern massiv verschärft. Beim Welthandel können nur die grössten Produzenten mithalten, die Preise orientieren sich am Weltmarktpreis und die kleineren Betriebe haben das Nachsehen. Auch für die KonsumentInnen werden die Standards (soziale und ökologische) und deren Deklaration immer untransparenter. Da das Biosegment immer weiter steigt und der Handel immer weiter ausgebaut wird, bleibt zu überlegen, ob der Biogedanke nicht auf der Strecke bleibt. Wenn Bioprodukte (z.B. Bio-Annanas, – Kakao, Soja, etc.) für den Welthandel produziert werden, verdrängen sie häufig gerade in Ländern des Südens die einheimische Nahrungsmittelproduktion. Der Griff nach regionalen, saisonalen Lebensmitteln ist sicher nachhaltiger, für alle.

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