Hallo, neugieriger Baumeister! Eine gelungene Aufnahme des Bibers am Rütibach. © S. Moyo & S. Lehmann
Hallo, neugieriger Baumeister! Eine gelungene Aufnahme des Bibers am Rütibach. © S. Moyo & S. Lehmann

Grosses Biber-Interview mit Videos

  • Selina Fehr
  • 3

Voll ins Biber-Fieber geraten sind zwei unserer Leserinnen! Mit einer Wildkamera filmten sie den Biber und andere wilden Gesellen. Im Interview erzählen sie von ihren Begegnungen mit dem fleissigen Holzfäller.

Sandra Müller und Simone Lehmann, ihr habt uns faszinierende Nachtaufnahmen zugeschickt, die ihr seit November 2017 aufgenommen habt. Wie seid ihr auf die Idee gekommen, eine Wildtierkamera aufzustellen?
Da wir auch sonst oft in der Natur Wildtiere beobachten und fotografieren fanden wir die Idee der Wildkamera spannend. Es ist eine grosse Herausforderung, gute Bilder von Wildtieren zu machen. Wir fanden oft Spuren von ihnen und wollten wissen, was passiert, wenn wir nicht vor Ort sind. Die Wildkamera ist dafür gut geeignet, da sie einen Bewegungssensor hat und sofort aufnimmt, wenn sich etwas in einem bestimmten Radius bewegt.

Besonders vom Biber sind euch viele Aufnahmen gelungen. Seit wann ist er bei euch eingezogen?
Gemäss Recherche ist er seit 2016 in Rüti bei Büren. Sandra zog im November dorthin und wir haben bei einem Spaziergang die Bissspuren an den Bäumen und den Damm entdeckt. Das hat uns erstaunt, denn nur einige hundert Meter entfernt befindet sich das Dorfzentrum und es führt ein Gehweg direkt am Bach entlang. Die Nähe der Aare könnte ein Grund für die Niederlassung am Rütibach sein.

Wie hat sich die Umgebung verändert, seitdem der Biber hier haust?
Das Bachbett hat sich durch den Damm zu einem kleinen See verbreitet und einige Bäume am Bach entlang wurden vom Biber gefällt. Wir denken, es könnte zu Problemen kommen, wenn durch den Biber das Landschaftsbild verändert wird. Evtl. müssten einzelne Bäume durch Zäune geschont werden. Bis jetzt sind aber zum Glück noch keine Konflikte aufgetreten.

Sind euch noch andere Tiere, abgesehen vom Biber, in die Kamerafalle getappt?
Am Rütibach: Diverse Vögel, Katzen, Hunde, Marder, Ratten und Füchse. Im Wald oberhalb von Rüti haben wir zudem Rehe fotografieren und filmen können.

Bei Büren an der Aare / Dotzigen: Hier konnten wir den Biber vor ein paar Tagen mehrmals in der Nacht aufzeichnen, wie er ein Stück Holz mit dem Bibergeil markiert hat

Fotogalerie: Zum Vergrössern anklicken

Welche besonderen Beobachtungen konntet ihr dank der Kamera festhalten?
Die Wildkamera erlaubt uns insgesamt aussergewöhnliche Einblicke in die Welt der Wildtiere. Am Tag sind vor allem Menschen mit ihren Hunden unterwegs –sobald es eindunkelt, gehört der Bach und das Ufer Biber, Fuchs, Marder und Co. Natürlich ist Sandras Hündin Joyce mehrmals auf den Bildern anzutreffen; sie macht bei unseren Beobachtungen voll und ganz mit.

Viel Spass hatten wir an einer Aufnahme des Bibers. Er ist zu sehen, wie er an der Kamera schnuppert und man hört ihn schnaufen. Das Geräusch hat uns amüsiert.

Viel Freude hat uns ausserdem eine Aufnahme am Tag beschert. Darauf ist zu sehen, wie ein Eisvogel über der Wasseroberfläche vorbeifliegt. Dieser Eisvogel ist uns schon mehrmals begegnet und da wir uns der Seltenheit dieser Begegnung bewusst sind, beschert er uns jeweils eine grosse Freude.

Ihr freut euch, dass ihr den kleinen Nager in eurer Nachbarschaft habt. Wie sieht das mit den anderen Nachbarn und der Gemeinde aus?
Gemäss Nachfrage bei der Gemeinde ist ist diese positiv zum Biber eingestellt. Auch die Bewohner scheinen den Biber zu akzeptieren, da es noch keine Beschwerden gab. Beim Aufstellen und Entfernen der Wildkamera wurden wir schon oft angesprochen und die Leute fragten interessiert nach, ob wir bereits Bilder vom Biber machen konnten.

Seit der Überschwemmung vor ein paar Wochen wurde der Damm vom Biber vollkommen zerstört. Wir haben ihn seitdem dort nicht mehr gesichtet. Wir vermuten, dass er geflüchtet ist. Falls er jemals zurückkehrt, werden wir ihn natürlich beobachten und naturschutz.ch auf dem Laufenden halten.

Habt ihr Ratschläge oder Ideen, die ein Nebeneinander von Mensch und Biber verbessern könnten?
Der Biber wird oft unterschätzt und ist vielen fremd. Dies auch, da er nur selten beobachtet werden kann. Bei den meisten Leuten entsteht Faszination und ein grosser Respekt vor diesem Tier, sobald sie es besser kennenlernen. Der Biber hat viele tolle Eigenschaften: Er ist sehr hartnäckig, ein wahrer Baumeister, er ist seinem Partner ein Leben lang treu, er kann sich gut vor anderen Wildtieren schützen indem er den Eingang zu seinem Bau unterirdisch baut und er dezimiert keine anderen Tierarten, da er sich vegetarisch ernährt.

Was sind eure Wünsche für den Biber?
Wir hoffen, dass der Biber sich in der Schweiz weiterhin verbreiten kann. Vor rund 200 Jahren war er hierzulande ausgerottet und auch heute hat er es nicht immer leicht, akzeptiert zu werden. Wir wünschen uns, dass sich mehr Menschen für den Biber einsetzen und seine Bedürfnisse vertreten. Auch Projekte, welche den Biber Kindern näher bringen, finden wir sehr wertvoll.
Wir könnten uns auch vorstellen, selbst Projekte anzubieten für Kinder aus unserer Region. Wir würden zusammen die Spuren des Bibers verfolgen, den Damm finden, die Wildkamera anbringen und später das Bildmaterial zusammen auswerten.

Vielen Dank für dieses spannende Interview! Wir wünschen euch weiterhin viel Freude beim Beobachten der Wildtiere in eurer Nachbarschaft.

3 Kommentare

  • Ueli Hug

    Interessante Aufnahmen und sehr gute Idee, etwas für Kinder anzubieten!

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  • Pia Ammann

    Vielen herzlichen Dank, Sandra und Simone, für die Arbeit, die ihr euch gemacht habt, um uns die Biber beim Holzen zu zeigen! Auch beim alten Rhein kann man sie beobachten. Ich glaub, das ist eines der fleissigsten Tiere. :-)

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    • Sandra

      Erstmal Merciii 😊
      Pia, ich sag immer- der Biber ist sehr sehr Zielstrebig und weiss absolut was er will und was er nicht will😅🙄


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