Ein Maiensäss. © jakob reith [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Ein Maiensäss. © jakob reith [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Leserbrief: Schützt der Landschaftsschutz die Landschaft?

  • Redaktion Naturschutz
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Die Schlösser und Burgen der Schweiz sind die Zeitzeugen aus früherer Zeit, sind unsere Vergangenheit, ist unser kulturelles Erbe, und Teil unserer Wurzeln. Der Öffentlichkeit und deren Gelder ist es zu verdanken, dass dieses kulturelle Erbe erhalten bleib und nicht zerfallen und verschwunden ist.

Bei den Maiensässen und Ställen, die Zeitzeugen des früheren bäuerlichen Lebens und der dreistufen Landwirtschaft wiederholt sich nun die Geschichte. Genauso wie bei den Burgen so auch bei den Ställen. Niemand braucht Sie und niemand investiert und sie zerfallen. Das Landschaftsbild das dabei entsteht ist keine gute Visitenkarte für die Tourismuskantone. Eine Verlierer Situation für Tradition, Geschichte, Kultur und Landschaft.

Man könnte nun wie bei den Burgen öffentliche Gelder oder Gelder aus der Stiftung für Landschaftsschutz oder dem Heimatschutz für den Unterhalt und Erhalt bereitstellen und einfordern. Bei 20000 Bauten (Graubünden) für ein neues Dach wären das 1 Milliarde Franken.

Die Standesinitiativen des Kanton Wallis und Graubünden (Reto Crameri) schlagen etwas Anderes vor. Eine Win Win Lösung.

Man gibt den Stallbesitzern ein kleines Zückerchen: Eine minimale neue Nutzung welche ja nur während den Sommermonaten möglich ist, und lenkt das Ganze mit gestalterischen und integrativen Auflagen zum Erhalt des Landschaftsbildes und traditioneller Bauweise. So wird der Zerfall gestoppt und die Zeitzeugen, unser kulturelles Erbe bleibt erhalten. Es entstehen keine Bau- und Infrastrukturkosten für die Öffentlichkeit, und es werden auch keine neuen Bauten erstellt, sondern nur die bestehenden erhalten.

Viele haben Angst, dass eine Zersiedlung in den Maiensässraum. Denen empfehlen wir das Kinderbuch „Bergheuet“ von Rolf Buchli sel. Wo sehr schön die alte Tradition beschrieben wird, wie die Bauernfamilien mit Kind und Kegel und Tieren im Sommer aufs Maiensäss gezogen sind und dort gelebt haben. Wäre es nicht toll wenn unsere Gäste Ferien in der Einfachheit der Natur auf dem Maiensäss erleben könnten, und mit Ihren Bildergeschichten (Facebook) unsere wunderschöne Natur und Ihre Erlebnisse in die Welt hinaustragen, und wir Bergler ein Einkommen generieren und davon leben können. Ein schönes Beispiel für den Wandel im Berggebiet beschreibt auch das Kinderbuch „Die Geschichte vom Wasserfall“. Ein Christian Pitschen-Melchior sel. erschliesst aus seiner existenziellen Not, mit Muskelkraft und seinem Innovationsgeist den Wasserfall der Rofflaschlucht und noch heute generieren seine Nachfahren ein Einkommen und können davon leben. Hätte es damals schon die grünen Landschaftsschützer mit Ihren Lobbyisten und all die Neider gegeben, wäre die Familie verarmt und niemand könnte die Rofflaschlucht sehen und die Erfolgsgeschichte von damals erzählen.

Leserbrief von Herr Peter Tarnutzer, Präsident des Vereins für Raumentwicklung Kultur und Landschaft (info@kulturzerfall.ch)

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2 Kommentare

  • Hofstetter

    Fie Frsge ist, was ist ein Stall ? Es gibt solche, fie werden innen im Hochdesign ausgebaut für Luxusvermietung. Soll man die Betuchten unterstützen. Nein !

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  • Arno Gross

    Dass Peter Tarnutzer “die grünen Landschaftsschützer mit ihren Lobbyisten und all die Neider“ in einen Topf wirft, lässt den Verdacht aufkommen, dass es sich bei den „Zückerchen“ für die Stallbesitzer in Wirklichkeit um Honigtöpfe für die Bauwirtschaft handelt.
    Weil man in den Kantonen Wallis und Graubünden wegen den grünen Landschaftsschützern . . usw., welche diese „schädliche“ Zweitwohnungsinitiative durchgebracht haben, nicht mehr jeden schönen Flecken mit Ferienwohnungen zubetonieren kann, kämen da 20’000 Ställe mit entsprechend auszubauenden Zufahrtsstrassen natürlich gerade recht . . .
    Jetzt hoffe ich allerdings, dass meine Interpretation der genannten Standesinitiative völlig falsch ist, und ich warte gerne auf entsprechende Belege.
    Es gibt übrigens bereits Ansätze, das im Text beschriebene Kulturgut als Zeitzeugen zu erhalten. Man informiere sich dazu beim Projekt Safier Ställe. Dabei geht es um mehr, als nur um den Erhalt von Ställen.

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