Blog-Beitrag August 2015
© Beatrix Mühlethaler

Rainfarn: Ein reich gedeckter Tisch für Insekten

  • Beatrix Mühlethaler
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Rainfarn sollte in keinem Garten fehlen. Sein starker und eigenwilliger Geruch mag Menschen irritieren. Aber für Insekten scheint sein Duft unwiderstehlich. Schwebfliegen, Bienen, Wespen und allerlei weitere geflügelte Tiere fliegen auf ihn.

 

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Schwebfliege | © Beatrix Mühlethaler

Wenn im Juli oder August der Rainfarn zu blühen anfängt, geht im Garten die Sonne auf: Aus den blassgelben Knospen werden leuchtende gelbe Tellerchen. Blütenfahnen sucht man bei diesem Korbblütler vergebens. Das ist offenbar seiner Attraktivität bei der Tierwelt nicht abträglich. Denn kaum stehen die ersten Körbchen in Blust, tanzen über ihnen Schwärme von Insekten. Einige sind winzig, wie diverse Schwebfliegen, die ich nicht näher bestimmen konnte.

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Schwebfliege | © Beatrix Mühlethaler

Aber auch grössere Fliegen, Bienen und Hummeln saugen vom Nektar oder sammeln auf den gelben Blütentellern eifrig Pollen. Hin und wieder lässt sich ein Schmetterling zu einem Mal nieder.

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Mistbiene, eine grosse Schwebfliege, die ihre Eier in Schlamm oder Jauche ablegt | © Beatrix Mühlethaler

Viele der Besucher sind Generalisten: Sie sammeln die Nahrung für sich selbst und ihren Nachwuchs nicht allein auf Korbblütlern, sondern auf verschiedenen Pflanzengattungen. Aber es gibt auch Spezialisten, die nur Korbblütler besuchen und besonders auf den Rainfarn stehen. Dazu gehört die Rainfarn-Seidenbiene (Colletes similis), deren Flugzeit von Juni bis September dauert. In dieser Zeit gräbt die Seidenbiene Gänge in vegetationsfreien Boden, wo sie die gesammelte Nahrung für ihren Nachwuchs einbringt.

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Colletes similis, eine auf Korbblütler spezialisierte Seidenbiene | © Beatrix Mühlethaler

Eine weitere Bienenart, die Nektar und Pollen ausschliesslich auf Korbblütlern sammelt, ist die Löcherbiene (Osmia truncorum). Individuen dieser Art krabbeln sehr oft auf Rainfarn herum, eifrig sammelnd, bis sie über und über gelb bestäubt wirken. Die Löcherbiene nistet in Pflanzenstängeln und Käferfrassgängen und nutzt auch Nisthilfen.

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Löcherbiene Osmia truncorum | © Beatrix Mühlethaler

Die häufigsten Besucher meines Rainfarns sind dunkel und winzig. Unter dem Vergrösserungsglas wirken sie aber nicht mehr nur schwarz, sondern tragen einen schönen Glanz. Es handelt sich um Wildbienen der Gattung Hylaeus. Diese erhielten auf Deutsch den Namen Maskenbienen, weil sie im Gesicht eine gelbe oder weisse Zeichnung tragen, die beim Männchen wie eine Maske wirkt. Als Nistort nutzen sie Hohlräume diverser Art, auch an Nisthilfen.

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Maskenbienen-Weibchen | © Beatrix Mühlethaler

Den Rainfarn bevölkern ferner wunderschön glänzende Fliegen. Es dürfte sich um Lucilia caesar handeln. Gemäss Pareys Buch der Insekten ist diese die häufigste von etlichen sehr ähnlichen Goldfliegen. Sie verliert etwas von ihrem Glanz, wenn man erfährt, dass sie zur Gruppe der Schmeissfliegen gehört, deren Larven sich in Aas entwickeln. Die Fliege ist somit nicht nur auf Blüten anzutreffen, sondern auch auf Aas und Dung. Auf den Blüten tunkt sie Nektar auf.

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Goldfliege der Gattung Lucilia | © Beatrix Mühlethaler

Nicht mit Glanz, aber mit Eleganz trumpft eine kleine Wespe auf, die zu den weniger häufigen Besuchern des besonderen Gewächses gehört.

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Grazile Wespe | © Beatrix Mühlethaler

Faszinierend sind auch die Musterungen und Farben von Wanzen, die vom Rainfarn Saft saugen. Ihre Schönheit bringt aber meist nur ein Vergrösserungsglas zutage.

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Wanze | © Beatrix Mühlethaler
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Wanze | © Beatrix Mühlethaler

Ein Vergrösserungsglas ist unverzichtbar, um die Formen und Farben all dieser kleinen Wesen zu erfassen. Oder um mitzubekommen, wie plötzlich ein Kriechtier auf den Plan tritt: Es ist eine Florfliegenlarve, die eifrig im Blütenmeer stöbert. Nicht ersichtlich ist, ob sie hier winzige Läuse findet oder ebenfalls vom Blütensaft nippt.

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Larve der Florfliege | © Beatrix Mühlethaler

Wenn die Rainfarn-Körbchen allmählich ihr strahlendes Gelb verlieren und dumpf wirken, ist der Zauber vorbei; die Gäste suchen sich eine andere Tafel. Dann aber beginne ich, den Rainfarn zu nutzen: Ich schneide einen Teil der Stängel und streife die gefiederten Blätter ab. Mit diesen bereite ich einen Tee, den ich an die Wurzeln der Endivien giesse. Diese sind seit einigen Jahren immer von Wurzelläusen befallen. Unternehme ich nichts, welken die Salate dahin. Giesse ich sie mit dem Extrakt, kommen sie über die Runden, manchmal besser, manchmal weniger gut. Ich habe auch damit begonnen, bereits beim Setzen Rainfarn-Kraut um die Setzlinge zu legen. Vielleicht wandern dann schon weniger Läuse zu. Auch deshalb möchte ich Rainfarn im Garten nicht missen.

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Das Kraut des Rainfarn vertreibt Wurzelläuse | © Beatrix Mühlethaler

1 Kommentar

  • Christine Dobler Gross

    Super , deine Gästesammlung auf dem Rainfarn! Seit ich ihn im Garten habe, nistet auch die eher seltene Seidenbiene Colleges similis im Wandkiesbeet. Die grazile Wespe ist übrigens eine Knotenwespe, welche kleine Wildbienchen jagt und sie für ihre Brut ins Bodennest bringt. Schön ist sie trotzdem :-)

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