© 350.org [CC-BY-SA-3.0], via flickr
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Orte, die Sie jetzt besuchen sollten…

  • Roman Vonwil
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Noch schnell zu den Gletschern Patagoniens reisen, bevor sie verschwinden? Oder einen Ausflug in den Dschungel auf Sumatra, bevor er ganz abgeholzt ist? 20 Minuten online macht zehn Vorschläge für „Orte, die Sie jetzt besuchen sollten“.

Gemeinsam haben die im Artikel auf 20 Minuten online vorgeschlagenen Reiseziele eines: Sie sind durch menschliche Aktivitäten bedroht und werden langsam aber sicher zerstört. Die Regenwälder werden abgeholzt und die Gletscher schwinden dahin. Der Klimawandel bedroht Venedig und den Kilimandscharo gleichermassen und dient nun als Verkaufsargument.

Ganz nach der Verwertungslogik wird von 20 Minuten in Zusammenarbeit mit dem Reiseinformationsportal trivago.de dazu aufgerufen, diese wunderschönen natürlichen Orte jetzt noch zu besuchen – denn sie werden verschwinden. Wer also schnell ins Flugzeug einsteigt und um die halbe Welt fliegt, kann noch kurz auf den Malediven stehen, bevor sie untergehen. Dabei spielt es ja auch keine Rolle, dass man mit dem Flug von Zürich in die Malediven und zurück knapp 3’000 Tonnen CO2 produziert, die den Klimawandel und damit den Untergang der wunderschönen Inselgruppe im Indischen Ozean weiter vorwärts treiben. Zynisch ist das auf jeden Fall, aber wir sollen ja auch nur konsumieren und nicht überlegen!

Tragisch und verherrend ist die Zerstörung dieser Ökosysteme in erster Linie für die lokale Bevölkerung, die für ihr Leben auf eine intakte lokale Umwelt angewiesen ist. In der Logik des Artikels ist dies nicht so: Wichtiger als der Erhalt dieser Ökosysteme für die vor Ort lebende Bevölkerung und kommende Generationen ist allemal, dass wir als westliche Konsumenten_innen noch ein paar letzte Fotos von den imposanten Gletschern und den farbigen Riffen knipsen können, die wir dann eines Tages unseren Grosskindern als Erinnerung an eine heile Welt zeigen können. Und natürlich auch, dass Firmen wie trivago.de noch von der Verwertung dieser Ökosysteme profitieren können – wenigstens kurzfristig.

PS: Laut dem Artikel ist unkontrollierter Tourismus ein Grund für die Zerstörung des Belize Barrier Reef, das voraussichtlich in den nächsten 20 bis 30 Jahren um 70% schrumpfen wird. Also nichts wie hin!

 

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