Der Einkaufsstress an Weihnachten raubt uns den letzten Nerv. © Andi_Graf [CC-BY-SA-2.0], via pixabay.com
Der Einkaufsstress an Weihnachten raubt uns den letzten Nerv. © Andi_Graf [CC-BY-SA-2.0], via pixabay.com

Oh du stressige, einkaufsreiche Weihnachtszeit

  • Julia Hatzl
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Das zweite und dritte Adventwochenende bietet bizarre Bilder auf den Einkaufsstrassen weltweit: Leute rennen gehetzt von Geschäft zu Geschäft. Zeit zum Geniessen gibt es keine und die Gemüter sind erhitzt. Alles nur, weil auf den letzten Drücker noch irgendein Weihnachtsgeschenk gekauft werden muss. Ist das der Sinn der vorweihnachtlichen Zeit?

Derzeit herrscht Hochbetrieb in allen Geschäften. Jeder ist noch auf der Suche nach den letzten Weihnachtsgeschenken. Wer sich am Wochenende in Einkaufshäuser traut, muss starke Nerven beweisen. Doch wieso tun wir uns das eigentlich an?

Das grosse Problem an Weihnachten ist nicht das Geschenkekaufen per se, sondern der Zwang, den wir damit verbinden. Genau für den 24. Dezember muss noch für jeden ein Geschenk gefunden werden. Oft endet es damit, dass wir planlos in Geschäften herumirren und nach irgendetwas Ausschau halten, das passen könnte. Meisst findet man auch irgendetwas, das der Person gefallen könnte und es landet in unserem Einkaufskorb. Ein neuer Wecker, eine neue Uhr, Kerzen, Windlichter, Dekoelemente,… Die Liste solcher «Verlegenheitsgeschenke» ist unendlich lang.

Hat man alle Geschenke endlich beisammen und fertig verpackt, fällt einem eine riesen Last von den Schultern. Erleichterung macht sich breit. Wieder ist ein Jahr geschafft.

Doch was passiert mit unserem Geschenk, das uns so viel Nerven und Stress gekostet hat? Oft wird es kurz angesehen, in irgendeine Ecke gestellt und schlussendlich weggeworfen (oder das Unausgesprochene gemacht: Es wird weiterverschenkt). Der oder die Beschenkte freut sich zwar, kann aber nicht wirklich etwas damit anfangen. Denn: man hat ja schon etwas ähnliches, das noch funktioniert, der Platz fehlt oder man braucht es schlicht und einfach nicht. Wer kennt das Problem mit den unnützen Geschenken nicht?

Nur noch die Geschenke stehen im Mittelpunkt. © Gellinger [CC-BY-SA-2.0], via pixabay.com
Nur noch die Geschenke stehen im Mittelpunkt. © Gellinger [CC-BY-SA-2.0], via pixabay.com

Wir machen uns den ganzen Stress selbst und vergessen, dass es eigentlich viel einfacher gehen würde: Könnte die Zeit, die wir so verbittert in die Geschenksuche investieren, nicht besser genutzt werden, indem wir sie mit unseren Liebsten verbringen? Würde sich das Grosi oder die Mama nicht mehr freuen, wenn man einen Tag zusammen Kekse bäckt, anstatt einen Pflichtbesuch mit irgendeinem unnützen Geschenk abzustatten?

Die Wahl des richtigen Geschenks

Das Schenken an sich ist etwas Wunderbares. Die Freude und das Glitzern in den Augen der Beschenkten zu sehen, ist unbezahlbar. Genau dies sollten wir mit unserem Geschenk erzielen wollen, anstatt einfach etwas schenken zu wollen. Doch wie finden wir das richtige Geschenk, das solch eine Reaktion hervorruft?

Zuhören

Es ist nicht immer zu hören oder oft schwer zu deuten. Manche Menschen sind einfacher zu lesen als andere. Aber wenn wir unsere Ohren öffnen, dann geben unsere Liebsten oft preis, was sie sich wirklich wünschen. Es kann sein, dass sie mitten unter dem Jahr einen Kommentar, eine Idee oder nur einen Gedanken preisgeben, der uns hilft, ein Geschenk für sie zu finden. Die Bandbreite reicht von Zeit miteinander zu verbringen über Unternehmungen bis zu materiellen Geschenken. Wir müssen nur richtig hinhören.

Nachfragen erlaubt

Beim Schenken wollen wir immer originell sein. Wir wollen mit dem Geschenk überraschen. Aber nicht immer fällt einem ein gutes Geschenk ein. Dies führt oft zu Verlegenheitsgeschenken, die niemand braucht. Warum ist es dann immer noch verpönt nachzufragen, was sich jemand wünscht? Zum einen trauen wir uns nicht, solche Fragen zu stellen wie: «Was wünschst du dir zu Weihnachten?» oder «Wie kann ich dir eine Freude machen?». Zum anderen trauen wir uns nicht ehrlich zu sein und auf diese Fragen mit der Wahrheit zu antworten.

Als Kinder schrieben wir doch noch unsere Wunschzettel. Wieso machen wir das heute, als Erwachsene, nicht mehr?

Wenn wir ehrlich sind, zuhören und aus unserem alten Trott herausfallen schonen wir nicht nur unsere Nerven, sondern auch unser Portemonnaie und unsere Umwelt. Auch bekommen wir öfter die Chance, das Funkeln in den Augen beim Geschenkeauspacken zu sehen, wie es oft leider nur noch Kinder machen.

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