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Ökologischer Nutzen durch Plastiksäckli-Verbot?

  • Judith Schärer
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In Zukunft sollen die Gratis-Plastiksäcke bei Schweizer Grossverteilern verboten oder kostenpflichtig sein. Inwiefern wäre ein Verbot der raschelnden Tragehilfe auch ökologisch sinnvoll?

25 Minuten: So lange wird eine Einweg-Plastiktasche im Schnitt verwendet. Dies meist ein einziges Mal und zwar 1 Billion Mal pro Jahr – auf diese Anzahl wird der jährliche globale Verbrauch an Plastiktüten geschätzt. Im Jahre 2012 hat die Schweiz deshalb beschlossen, dass in Zukunft die Gratis-Plastiksäckchen in den Grossverteilern nicht mehr verwendet werden sollen. Ausgenommen davon wären Plastiksäcke, die direkten Kontakt zu Lebensmitteln wie Früchten, Gemüse oder Fleisch haben. Diese wären weiterhin überall gratis erhältlich.

Die Umsetzung der Initiative gestaltet sich langwierig und es wird immer noch diskutiert, in welcher Form die entsprechenden Massnahmen umzusetzen seien. Das BAFU rechnet damit, dass das Plastiksackverbot Anfang 2016 in Kraft treten wird. Sein Vorschlag: Nicht nur eine Kostenpflicht sonder ein Verbot für Gratis-Plastiksäcke an der Kasse. Es ist jedoch fraglich, ob bei einem vollständigen Verbot nicht einfach auf eine Alternative umgeschwenkt wird, welche sogar noch belastender für die Umwelt wäre als der Plastik. Gerade zum Beispiel die hochgelobten biologisch abbaubaren Plastiksäcke weisen eine deutlich schlechtere Ökobilanz auf als die ursprünglichen Plastiktaschen. Dies, da ihre Produktion eine erhebliche Menge an Erdöl erfordert, sie aber kaum fachgerecht kompostiert werden, sondern wie anderer Abfall in der Kehrichtverbrennung landen. Allerdings hat sich in der Migros Waadt gezeigt, dass nur schon bei der Einführung einer Gebühr für die Säcke (5 Rappen pro Stück) Bio-Abfallsäckchen deren Verbrauch um 94% zurückging. Insgesamt würde also wohl die Nachfrage und somit die Menge an zu produzierenden Tüten zurückgehen, egal aus welchem Material. Dieser ökologische Mehrwert ist unbestritten.

Bei einem definitiven Verbot wäre auch die Problematik der Naturverschmutzung entschärft. Ob am Seeufer, auf dem Trottoir oder am Strassenrand: Oftmals landen die nicht mehr benötigten Säckchen irgendwo in der Landschaft, wo sie rund 100-500 Jahre brauchen, bis sie abgebaut sind. In unserer reinlichen und gut aufgeräumten Schweiz stellt dies glücklicherweise nur bedingt ein Problem dar. Anders in Ländern, welche beispielsweise ans Meer grenzen und deren tierischen Bewohner sich oftmals an den für Nahrung gehaltenen Plastiksäcken gütlich tun. Durch Plastikmüll sterben jährlich 1 Million Seevögel, 100 000 Meeressäuger und unzählige Meeresschildkröten und Fische. Dabei sind Plastiktaschen die Müllquelle Nummer eins.

Grundsätzlich gilt also: Am wenigsten belastet jene Tragehilfe die Umwelt, welche gar nicht erst produziert wird. Es lohnt sich aus ökologischer Sicht also, in eine wiederverwendbare Tasche zu investieren, welche zu jedem Einkauf mitgenommen werden kann. So muss man nicht bei jeder Besorgung einen neuen Sack aus dem Laden mitnehmen, aus welchem Material und zu welchem Preis auch immer. Zudem lohnt es sich, so einzukaufen, dass gar keine Plastiksäcke nötig sind. Muss wirklich jede Frucht- und Gemüsesorte noch einzeln in ein Plasticksäckli verpackt werden? Der Preisaufkleber aus der Waage im Supermarkt kann auch direkt auf dem Gemüse angebracht oder separat an der Kasse gezeigt werden. Die gekauften Äpfel können auch ohne Plastikschutz im mitgebrachten Rucksack verstaut werden. Noch effektiver ist der Besuch von Einkaufmöglichkeiten, die bewusst auf Verpackungen und Säcke verzichten. Beispielsweise der Wochenmarkt oder der Direktvertrieb eines Bauernhofes. Immer verbreiteter findet man auch so genannte „Bulk Shops“. Diese verkaufen ihre Ware unverpackt aus großen Behältern und bieten somit eine ökologische und ressourcenschonende Alternative zur Einwegverpackung. In der Schweiz sind solche Läden noch eher rar gesät, es gibt sie jedoch vereinzelt. So zum Beispiel der „Chornlade“ in Zürich.

Allgemein braucht es ein Umdenken unserer Gesellschaft: Die Ausmasse der Wegwerf-Gesellschaft nehmen bedenkliche Züge an und strapazieren unseren Planeten unnötig. Dabei wäre es so einfach, dem entgegenzuwirken. Wie wäre es mit einem ersten kleinen Schritt: Zum Beispiel dem Kauf einer schönen Einkaufstasche aus Fairtrade-Baumwolle?

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