Verstreute Hummelnestteile im Garten zogen viele Insekten an.  © Christine Dobler Gross.
Verstreute Hummelnestteile im Garten zogen viele Insekten an. © Christine Dobler Gross.

Neuentdeckungen und Vermisstmeldungen

  • Christine Dobler Gross
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Was für ein Gartenjahr … Etliche neue Insekten tauchten auf, welche ich nie zuvor in unserm Garten angetroffen hatte! Hier einen Rückblick auf die Höhepunkte meiner Beobachtungen und gleichzeitig auch eine Vermisstmeldung der Tiere, die mit ihrer Abwesenheit auf sich aufmerksam machten.

Im August sass eines Morgens diese Heuschrecke auf dem verblühten Peterli. Am kommenden Tag sass sie immer noch da, unverändert. Nun begann ich zu recherchieren. Es war die Vierpunktige Sichelschrecke – eine wärmeliebende, mediterrane Art, die sich neuerdings nördlich der Alpen auszubreiten scheint. In Zürich wurde sie bis anhin noch nicht «registriert».

Vierpunktige Sichelschrecke © Christine Dobler Gross.
Vierpunktige Sichelschrecke. © Christine Dobler Gross.

Letztes Jahr hatte ich das Glück, die Langflügelige Schwertschrecke, ebenfalls eine Neuentdeckung, bei der Eiablage in einen Halm zu beobachten, ich stelle sie im Wanzenblog vom September 2017 vor. Diesen Halm mit den Eiern hütete ich seither wie meinen Augapfel, auf dass ich ihn nicht ausversehen abschnitt oder sonstwie beschädigte.

Langflügelige Schwertschrecke bei der Eiablage © Christine Dobler Gross.
Langflügelige Schwertschrecke bei der Eiablage. © Christine Dobler Gross.

Zu meiner grossen Freude begegnete ich Ende Mai dieses Jahres der Larve dieser für unsern Garten ungewöhnlichen Heuschrecke ganz in der Nähe des besagten Halmes, unverwechselbar mit ihrem schwarzen Streifen auf dem Rücken. Wenn das kein handfestes Argument ist, Bereiche über Winter auf jeder Grünfläche stehen zu lassen?!

Larve der Langflügeligen Schwertschrecke. © Christine Dobler Gross.
Larve der Langflügeligen Schwertschrecke. © Christine Dobler Gross.

Aber auch an der kleinen senkrechten Lösswand in der Holzkiste, beliebter Nistplatz der Pelzbienen, tat sich aufregendes diesen Mai: plötzlich wuchs da aus der Lehmwand eine Röhre, welche schon bald von einer Wespe besucht wurde – sie war soeben am Bauen dieses Gebildes- wozu dieser Nestzugang wohl dienen mag?

Schornsteinwespe Odynerus spinipes. © Christine Dobler Gross.
Schornsteinwespe Odynerus spinipes. © Christine Dobler Gross.

Der Mai hatte es in sich: zum ersten Mal tauchte ein Trauermantel im Garten auf – er umflatterte beinahe während einer ganzen Stunde die Krone der Birke , um dann auf dem Fenstersims auszuruhen. Ob der Falter Eier auf der Birke abgelegt hat? Der Trauermantel kommt eigentlich vor allem in Laubwäldern, bis auf 2000 m.ü.M. vor.

Trauermantel. © Christine Dobler Gross.
Trauermantel. © Christine Dobler Gross.

Am 23. Juni entdeckte ich seltsame gelbe Gebilde im Gartenbeet.

Seltsame Gebilde. © Christine Dobler Gross.
Seltsame Gebilde. © Christine Dobler Gross.

Die Herkunft war schnell ausgemacht: zwischen den Stauden, unter dem Moos und an mehreren anderen Stellen im Garten war das Moos aufgerissen und es lagen Nestteile, Honigtöpfe der Hummeln, am Boden.

Aufgerissene Moosstellen. © Christine Dobler Gross.
Aufgerissene Moosstellen. © Christine Dobler Gross.

Schnell wurde klar: hier hatte ein unbekannter Räuber sich an Hummelnestern verköstigt und wurde dann wahrscheinlich dabei gestört. Ein Dachs, ein Marder, ein Fuchs oder sonst ein Tier? Einige Hummeln krochen noch auf den Neststücken herum.

Einige Hummeln krochen noch auf den Nestteilen herum. © Christine Dobler Gross.
Einige Hummeln krochen noch auf den Nestteilen herum. © Christine Dobler Gross.

Dieses Ereignis brachte zu Tage, dass im Garten Hummelnester im/unter dem Moss zwischen den Staudenpflanzen angelegt werden, was mir bisher verborgen geblieben war! Ein Naturgarten ist immer für Überraschungen gut.

Eine Hummel saugt Nektar. © Christine Dobler Gross.
Eine Hummel saugt Nektar. © Christine Dobler Gross.

Verschiedene Tiere waren sofort zur Stelle und profitierten von diesem Ereignis, so zum Beispiel Wespen, Ameisen, Motten…

Eine Ameise hat sich einen Hummelkopf ergattert. © Christine Dobler Gross.
Eine Ameise hat sich einen Hummelkopf ergattert. © Christine Dobler Gross.
Eine Wespe leckt am süssen Nektar. © Christine Dobler Gross.
Eine Wespe leckt am süssen Nektar. © Christine Dobler Gross.
Eventuell eine Wachsmotte? © Christine Dobler Gross.
Eventuell eine Wachsmotte? © Christine Dobler Gross.

Eine Freundin, welche an einem Tag unserer Abwesenheit den Garten besuchte, packte beherzt einen Gitterkorb, um die Reste eines grösseren Neststückes zu schützen. Die Hummeln fuhren tatsächlich damit fort, ihre Nestreste weiter auszubauen, so hatte ich eine tolle Beobachtungsmöglichkeit.

Ein beherzter Schutzversuch. © Christine Dobler Gross.
Ein beherzter Schutzversuch. © Christine Dobler Gross.

Leider gibt es auch einige Vermisstmeldungen: Die blaue Holzbiene liess sich zwar im Frühsommer noch an Muscatellersalbei und an den Platterbsen, die ich beide in grosser Zahl für sie angepflanzt hatte, blicken, aber sie wählte dieses Jahr keines der Tothölzer zum Nisten aus, im Gegensatz zu letztem Jahr.

Die blaue Holzbiene. Wo sie wohl dieses Jahr genistet hat? © Christine Dobler Gross.
Die blaue Holzbiene. Wo sie wohl dieses Jahr genistet hat? © Christine Dobler Gross.

Wo sind die Admirale geblieben, welche jährlich in grosser Zahl an den reifen Trauben und am blühenden Efeu nippen? Admiralraupen fressen ausschliesslich an Brennesseln… sie dürfen in unserm Garten wachsen.

Keine Admirale dieses Jahr in unserm Garten. © Christine Dobler Gross.
Keine Admirale dieses Jahr in unserm Garten. © Christine Dobler Gross.

2018 blieb bis anhin auch der Igel aus. Viele kalte Betten im ganzen Garten… das ist seit vielen Jahren das erste Mal. Ob die seit 2017 dichten Grenzen zum Nachbarsgarten wegen den Hunden da eine Rolle spielen? Mir fällt allgemein auf, dass Igel, wohl meist unbeabsichtigt, ausgesperrt werden durch dichte Zäune ohne Lücken. Ich werde eine Lösung suchen müssen. Dass Igel generell in unserm Quartier und anderswo zurückgehen, ist noch nicht abschliessend geklärt.

Der Igel fand bis anhin immer eine Möglichkeit, in den Garten zu gelangen. © Christine Dobler Gross.
Der Igel fand bis anhin immer eine Möglichkeit, in den Garten zu gelangen. © Christine Dobler Gross.

Ebenfalls sehr auffällig, und dies nicht nur im eigenen Garten, ist das Fehlen der Gartenkreuzspinne, die sonst ab Juli an verschiedenen Stellen, vor allem beim insektenreichen Kompost, ihr schönes Radnetz baute.

Gartenkreuzspinne im Spätsommer 2017. © Christine Dobler Gross.
Gartenkreuzspinne im Spätsommer 2017. © Christine Dobler Gross.

Ich erahne, befürchte bei solchen Beobachtungen, dass sich die fehlenden Insekten, welche auch bei uns in der Schweiz in den letzten Jahren um 70 Prozent zurückgegangen sind, da und dort bemerkbar machen…

5 Kommentare

  • Christine Dobler Gross

    Und noch für speziell Interessierte: es waren Nester der Veränderlichen Hummel Bombus humilis. Eine ursprünglich verbreitete Art, aber sie erträgt in ihren oberirdisch gebauten Nestern in der Krautschicht oder im Moos keine übermässige Pflege ihrer Lebensräume mit Trimmern, Fadenmähern, Rasenrobotern und ist deshalb am Zurückgehen.

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  • Marianne

    Lese den Blog auf der Insel Hiiumaa in Estland. Hier gibt es noch viel wilde Natur, jedoch entdeckte ich bis jetzt keinen Naturgarten. Viel gut getrimmter Rasen, dicht behangene Apfelbäume und ein Polytunnel mit Tomaten etc. finden sich hinter jedem Zaun. Ob die Gärten hier auch Zufluchtsorte sind, wie deine Zürcheroase? Gutes Dranbleiben.

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  • Peter Voser

    Danke, einfach en Ufsteller am Morge. Suche nun auch bei uns.

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  • Daniela Vavrecka

    Danke für den Gartenbericht! Zu den Heuschrecken möchte ich noch anmerken, dass ich hier in der Nordwestschweiz seit einigen Jahren ebenfalls die Vierpunktige Sichelschrecke beobachte, aber leider fehlen gleichzeitig die Kurzfühlerschrecken, die früher im Mitteland sehr häuffig waren.

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  • Andreas Diethelm

    Was für erstaunliche Einblicke du uns immer wieder in die Natur hinter dem Haus gewährst! Auch in die Leerstellen, leider. Die oft unscheinbaren Abwesenden vermisst nur, wer sie kennen gelernt hat, das verdanken wir auch den anschaulichen Berichten von deinen Beobachtungen. Die Ameise mit dem Hummelkopf erinnert mich an Auslagen von Schlachttierköpfen in Gegenden, wo sich die Spur zur Herkunft des Fleischangebots noch nicht in der Mühle verliert.

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