© Christine Dobler Gross
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Naturfördernder Grünflächenunterhalt

  • Christine Dobler Gross
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Im Naturgarten wird der Artenreichtum von Tieren und Pflanzen nicht nur durch das Anpflanzen von einer möglichst grossen Vielfalt an einheimischen Pflanzen und Gehölzen und durch das Angebot an Kleinstrukturen gefördert. Genauso wichtig ist der naturverträgliche, tier- und pflanzenfreundliche Unterhalt.

Auch in öffentlichen Flächen, Parks, Wiesen, Anlagen braucht es mehr Anstrengungen als bisher, die schwindende Artenvielfalt zu stoppen und wieder zu erhöhen. Erfreulicherweise gibt es dafür Beispiele, die auf eine positive Entwicklung hoffen lassen. Mein Blick über meinen Gartenzaun gilt heute solchen Beispielen für einen veränderten Unterhalt solcher Flächen  in meinem Wohnquartier.

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Zu unserer Freude werden zunehmend öffentliche Flächen von Grün Stadt Zürich mit der Sense gemäht und nicht mehr mit den für Kleinlebewesen zerstörerischen Tellersensen oder Fadenmähern.

In der EPI-Klinik durften wir dieses Jahr im Obstgarten einen Sensenkurs anbieten.

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Das Mähen mit der Sense im Obstgarten ermöglicht individuelle Mosaikmahd zur Förderung verschiedener Pflanzen, Insekten und selten gewordener Vögel wie den Gartenrotschwanz. Zudem ist die Methode des Sensens grundsätzlich tier- und umweltschonend.

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Der Merkurgarten beim Kreuzplatz, ein Nachbarschaftsgarten, ist ein gemeinsam bewirtschaftetes Gartenbeet. Aber auch kulturelle Anlässe wie Ausstellungen, Feste, Konzerte, Theater und Lesungen begleiten die Gartenarbeit. Die Mitglieder mähten ihre Wiese dieses Jahr das erste Mal mit der Sense!

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Hier wurde von Grün Stadt Zürich ein langes Stück Wiesenbord entlang des Nebelbaches mit einer Plastikfolie abgedeckt, um die bestehende, artenarme Vegetation zu entfernen und danach durch Einsaat eine vielfältige Blumenwiese entstehen zu lassen.

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Auf dem Quartierhof Wynegg lässt der neue Pächter und Bewirtschafter der grossen Wiese beim Mähen Wiesenstreifen und Krautsäume entlang den Hecken stehen. Das sind wichtige Rückzugsgebiete für Kleintiere wie Heuschrecken, Käfer, Falter, Bienen usw., welche durch das Mähen ihrer Deckung, Futterpflanzen, Fortpflanzungsmöglichkeit beraubt werden. Nachbarn munkelten, bevor sie die Hintergründe wussten, dass der Neue unsauber gemäht habe…..

Unterhalb des Rebbergs im Quartier wurde dieses Jahr das mit dem Balkenmäher geschnittene Gras nicht abgeführt, sondern zu Tristen aufgebaut – eine Methode, wie sie früher regelmässig zur Anwendung kam, um das Heu und zukünftige Tierfutter im Freien zu lagern.

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Diese Tristen wurden von einer vergnügt arbeitenden Gruppe vollständig in Handarbeit erstellt und werden in naher Zukunft den Schafen verfüttert. Auf dieser Wiese leben die Heugumper weiter und zirpen, sie sind nicht im Siloballen verschwunden.

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Es besteht Hoffnung, dass alle diese naturnahen Methoden in unserer Umgebungspflege wieder vermehrt an Bedeutung gewinnen und nicht mit dem Argument, es koste mehr, gar nicht in Betracht gezogen werden. Der Erhalt und die Förderung der Biodiversität kann nicht delegiert werden, es braucht unser aller Engagement. Deren Verluste lassen sich nicht so einfach in Franken ummünzen.

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Es ist jetzt an der Zeit, dass diese Bilder von Menschen, die mit Ohren- und Mundschutz in Lärm, Gestank und ungesundem, aufgewirbeltem Dreck arbeiten müssen, zusätzlich auch noch als Ärgernis der Bewohner wahrgenommen, seltener werden und schliesslich ganz verschwinden. Die Positivbeispiele mögen mithelfen, einer anderen, differenzierten Wahrnehmung Platz zu machen. Lesenswert zu diesem Thema: http://www.nzz.ch/meinung/kommentare/grenzenloser-naturschutz-1.18351212

Zurück in unseren naturnahen Garten:
Im Moment braucht dieser keinen Unterhalt, aber er unterhält durch sein enormes Sumsen und Zirpen – im Sommer ist der Garten eine einzige grosse Insektenweide!

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7 Kommentare

  • Christina Scheck Donatsch M.D., M.A.

    ja, ja! Ich bin zufällig auf diesen Artikel und die Vereinigung gestossen und setze mich seit Jahren, auch auf meiner Homepage als Schriftstellerin, für die Biodiversität in der Natur ein und war immer dagegen, dass Wiesen mit grossen Maschinen gemäht werden, da der Lebensraum von Kleinstlebewesen auf diese Art zerstört wird. Chapeau, Christine Dobler-Gross! Vielleicht lehren Sie mich einmal mit der Sense mähen, damit ich meinen Garten nachhaltig pflegen kann?

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  • Lisa Streuli

    Solche HotSpots wie dieser schöne Garten, sind im Endeffekt eine Bereicherung für uns Menschen. Die Natur selber kümmert sich nicht um ihre Schönheit, sie ist es in sich.
    Die aktive Förderung naturnaher Flächen braucht je länger je mehr. Machen Sie doch auch mit und informieren Sie sich im Internet, wie sie eine lebendige Natur in ihre Nähe bringen.

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  • Preiswerk Martin

    Christine, dein Naturgarten ist eine Augenweide und ein überzeugendes Beispiel wie Biodiversität im Siedlungsraum verwirklicht werden kann. Allerdings setzt es für manche Gartenbesitzer ein grosses Umdenken voraus, um sich vom gewohnten Rasenteppich zu lösen und sich auf das „Wagnis“ eines Naturgartens einzulassen. Eine verstärkte Unterstützung und Beratung durch Fachpersonen wäre sehr hilfreich.

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    • Christine

      Wenn das Umdenken wenigstens soweit ginge, dass eine Ecke im Garten wild sein darf, falls die Leute am Rasen festhalten möchten.
      Man könnte auch Wiesenstreifen stehen lassen, eine Ruderalfläche erstellen, wo man das Gras eh konstant kurzhalten würde, die Kirschlorbeerhecke durch einheimische Sträucher ersetzen usw.….dann wäre schon viel erreicht. Aber eben: es setzt ein entsprechendes Bewusstsein voraus. Wie fördert man dieses?

  • Kaufmann Silvan

    Der Garten auf dem Bild ist wirklich wunderschön. Das einzig störende sind die bald blühenden Goldruten im Vordergrund…

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    • Christine Dobler Gross

      Es sind alles Astern im Vordergrund, sie sehen aber tatsächlich den Goldruten sehr ähnlich.

  • Isabelle Blum

    Ja, das sind alles Beispiele, die Hoffnung geben. Die Vielfalt im Garten und der näheren Umgebung zu fördern, sind die ersten Schritte, die JEDE und JEDER für die Biodiversität gehen kann. Informieren Sie sich! Es ist ganz einfach.

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