Klappertopf © Wikipedia
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Klappertopfwiesen: ärgerliche Praxis des Kantons Zürich

  • Stefan Bachmann
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Der Tages-Anzeiger meldet in der Ausgabe vom 4.6.2015, in den Wiesen des Kantons Zürich breite sich der Klappertopf (Rhinanthus sp.) stark aus, vorab auf den Biodiversitätsförderflächen. Weil diese Pflanze dem Gras Wasser entziehe und vom Vieh ungern gefressen werde, müsse man nun dagegen vorgehen. Der Kanton erteile deshalb unbürokratisch Sonderbewilligungen, damit diese Wiesen sofort gemäht werden können. „Laut der «Andelfinger Zeitung» erhielten 2013 im Kanton Zürich erst 18 Bauern eine solche Sonderbewilligung, letztes Jahr waren es 41. Dieses Jahr steuert die Zahl auf einen neuen Höchststand zu: Bis gestern sind beim Kanton bereits 71 Gesuche für eine Lizenz zum vorzeitigen Mähen eingegangen, wie Wolfgang Bollack (vom Bauamt Zürich) sagt. «Die Zahl der Gesuche hat deutlich zugenommen, aber noch nicht in dem Mass, wie es nötig wäre, um die Ausbreitung des Klappertopfs einzudämmen.»“

Die Praxis des Kantons erstaunt. Da werden schweizweit Milliarden an Steuergeldern ausgegeben, um etwas mehr Natur in das ausgeräumte Kulturland zurückzuholen. Kommt dann die Natur auf den wenigen Biodiversitätsförderflächen zurück, werden wieder Sonderbewilligungen ausgestellt, um sie zu entfernen. Natürlich ist es so, dass solche Wiesen an ökonomischem Wert verlieren, doch genau für diese Wertverminderung wird ja Geld gezahlt. Klappertopf ist der erste Schritt in Richtung Ausmagerung der Wiese, was die Voraussetzung ist für eine höhere Artenvielfalt, die sich danach einstellen wird. Die aktuelle Praxis des Kantons zeigt eindrücklich, woran es der aktuellen Agrarpolitik krankt: Erst werden Milliarden ausgegeben für mehr Biodiversität, dann werden noch mehr Milliaren ausgeschüttet und Sonderregelungen erstellt, um diese wieder zu vernichten.

4 Kommentare

  • Elli

    Mir ist hier aufgefallen, dass der Klappertopf erst wächst, seit die Wiese 4x im Jahr gemäht wird. Als sie nur 3x gemäht wurde, hab ich nie einen Klappertopf gesehen.

    @Gubser:
    – Wiesen sollten auch wegen Bodenbrütern nicht zu früh gemäht werden. Jedenfalls der erste Schnitt des Jahres sollte frühestens Anfang Juli erfolgen. Ansonsten verlieren wir langfristig sämtliche Bodenbrüter im Land.
    – Zerfräste Rehe hingegen stören die meisten Leute ja nicht, weil sich diese durch den Jagddruck sowieso zu stark vermehren und man dem, was man gerne isst, nicht zu viele Gefühle oder gar Lebensrecht einräumen mag.

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  • Gubser

    Gerade ein frühzeitiger Schnitt kann helfen, den Artenreichtum zu fördern. Ob Wiesen / Weiden mit einer so straken Dominaz von Klappertopf der gewünschte Zielzustand der Naturschützer ist, wage ich zu bezweifeln. Wichtig ist das längerfristige Ziel (die Erhaltung möglicht vieler artenreicher Ökowiesen) und nicht die kurzfristige Massnahme (1-2 Jahre frühzeitiger Schnitt zur Eindämmung). Wenn wir von «Natur» sprechen, dürfen wir ohnehin keine Wiesen dulden, da dieseauf die ständige Pflege durch die Landwirte angewiesen sind.

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  • Karel Novinar

    Weitere solche „administrativen Vereinfachungen“ sind auf nationaler Ebene in Vorbereitung. Wie so oft kuschen Bund und Kantone – auch Naturschutz-Fachstellen – vor der viel zu mächtigen Bauernlobby, die sich viel zu oft über den Willen des Volkes hinwegsetzt, obwohl sie eng mit der SVP verbandelt ist, die immer wieder den Willen des Volkes als höchste Gerichtsbarkeit in den Vordergrund schiebt. Welch ein Widerspruch!

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  • Wolfensberger

    Wie wenn er der Natur nicht schon schlecht genug geht.

    Jetzt werden subventionierte Ökoflächen mit Bewilligung des Kantons wieder Artenärmer gemacht.

    Was für eine bedenkliche Praxis !

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