Wird hier bald Erdgas gefördert? © Sankt Galler Stadtwerke
Wird hier bald Erdgas gefördert? © Sankt Galler Stadtwerke

Kehrtwende – von der ökologischen Geothermie zum Erdgas

  • Benjamin Kämpfen
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Nach dem das Geothermieprojekt in St. Gallen abgebrochen wurde, wird jetzt die Nutzung von Erdgas diskutiert. Damit macht das Projekt eine ökologische Kehrtwende – finanziert mit Steuergeldern.

«Geothermie – eine unerschöpfliche, ökologische Energie.»

So wird auf der Website der St. Gallen und der St. Galler Stadtwerke für die Erdwärme geworben. Wahrscheinlich nicht mehr lange. Denn letzte Woche gab die Stadt bekannt, die Pläne für ein grosses Geothermie-Kraftwerk aufzugeben. Damit ist die einst mit hohen Hoffnungen verbundene ökologische Erdwärme zumindest in St. Gallen vorerst vom Tisch.

Dabei hat alles so gut angefangen. 2010 verkündete die St. Gallen stolz in einer Mitteilung: «Das Projekt Geothermie und Fernwärme St. Gallen eröffnet der Stadt St. Gallen die grosse Chance, eine lokale, nachhaltige Energiequelle zu nutzen. Damit würde die Stadt St. Gallen nicht nur einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz leisten, sondern auch die regionale Wirtschaft fördern.» Mit diesen guten Argumenten bewilligten das Parlament und die Stimmbürger einen Rahmenkredit von 159 Millionen Franken.

Mit dem Scheitern der grossindustriellen Erdwärmeproduktion rückt jetzt eine neue Variante ins Zentrum: Der Stadtrat wird noch diesen Sommer entscheiden, ob Langzeittests zur Förderung des vorhandenen Erdgas‘ durchgeführt werden sollen. Damit gibt es möglicherweise eine totale Kehrtwende von der Zukunftstechnologie Erdwärme zurück zum fossilen Energieträger Erdgas. Noch ist nicht klar, ob Erdgas überhaupt wirtschaftlich gefördert werden könnte – die nötigen Investitionen würden rund sieben Millionen Franken betragen.

Bis jetzt haben die Investitionen und Abklärungen zur Geothermie die öffentliche Hand bereits knapp 45 Millionen Franken gekostet. Ein sichtbares Ergebnis wird höchstens in Form einer Erdgasförderungsanlage zurück bleiben. Ursprünglich wollten die Stadt St. Gallen, der Bund und das Stimmvolk eine umweltfreundliche Energiequelle fördern. Erreichen werden sie jetzt womöglich das Gegenteil: Eine Erdgasquelle, die fleissig CO2 ausstösst und zum Klimawandel beiträgt.

Was finden Sie? Ist es richtig, dass jetzt anstelle von umweltfreundlicher Erdwärme plötzlich Erdgas gefördert werden soll? Kommentieren Sie weiter unten!

 

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