© lefthandrotation [CC-BY-SA-3.0], via flickr
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Jagdreisen: Töten im Urlaub

  • Roman Vonwil
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Auf zur Jagd nach Kasachstan? Der „Hunting Club Taiga“ bietet Reisen an, auf denen man seiner Jagdleidenschaft ohne Einschränkungen nachgehen kann.

„Lieber Jagdfreunde, wir bieten für 2015 eine Jagd in einem Jagdrevier Kazakstans der 1a Klasse.“ So beginnt ein Mail, das vor einigen Tagen in meinem Postfach landete. Darin wird für einen Jagdurlaub des „Hunting Club Taiga“ geworben, auf dem Sibirische Rehböcke, Wildschweine und Maralhirsche erlegt werden können. Und nicht nur das! In anderen Jagdrevieren lassen sich gar Wölfe, Braunbären und Luchse jagen.

Auf der Webseite des „Hunting Clubs Taiga“, der laut eigenen Angaben lediglich als Reisevermittler aller angebotenen Reisen und Reiseprogramme dient, lassen sich die Jagdurlaube bequem buchen. Mit Abschussgarantien, und Trophäen für die Wand zuhause sind auch bereits im Pauschalangebot inbegriffen.

Während in der Schweiz die Jagd immer mit naturschützerischen, kulturellen und sogar ökonomischen Argumenten legitimiert und zur Notwendigkeit erklärt wird, tritt in diesem Urlaubsangebot ganz unverblümt eine völlig andere Motivation der Jagenden zutage: Die pure Lust am Töten, am Mord an einem anderen Wesen. Fern aller zweckrationalen Argumente geht es im Jagdurlaub nur noch um die Erfüllung des puren Jagdtriebs: In dem Moment, in dem das Tier vor die Flinte läuft, hat der Jäger die Macht, über Leben und Tot zu entscheiden. Der Akt des Tötens des gejagten Tieres an sich kommt als innerster und wesentlicher Sinn der Jagd zum Vorschein.

Die dargebotene Jagdromantik dient dabei als Ideologie, mit der auch Fragen wie die nach der Leidfähigkeit der Tiere, der wir zuhause in den Tierschutzgesetzen Rechnung tragen, vollständig ausgeblendet werden. Alles hat in der Weltanschauung des Jägers seinen vorbestimmten Platz, die Tiere sind ihm untertan und dienen einzig und alleine dazu, von ihm gejagt und erlegt zu werden. Die Natur ist dem Menschen vollständig unterworfen. Auf den Fotos, die auf der Internetseite zu finden sind, zeigen sich die Jäger in der typischen Siegerpose: Stolz über den getöteten Tieren kniend zeigen sie die Überlegenheit des Menschen, den endgültigen männlichen (!) Sieg über die Natur. Das Aufhängen des Tierkopfes als Jagdtrophäe nach der Rückkehr aus dem Urlaub ist dann das bleibende Symbol für diesen Sieg und gleichzeitig letzter Akt der totalen und fortdauernden Unterwerfung der besiegten Natur.

4 Kommentare

  • Leuenberger

    Leider kommt das ganze in Zukunft noch viel schlimmer. Ich weiss wovon ich rede, ging selber auf die Jagd (nur CH). Da ist so viel Geld zu verdienen,,,,

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    • von Arx Urs

      Weil die Gemeinden, Kantone und der Bund Einahmen aus Pachtzinsen, Abschussprämien etc. erhalten, gleichzeitig viel Ausgaben einsparen, z.B. Wildschadenverhütung, Nachsuche angefahrener Tiere, fragwürdige „Schädlingsbekämpfung“ etc.
      schützt und verteidigt die Politik die Jagd.
      Zudem werden auf jede Treibjagd Mitglieder des Gemeinderates eingeladen und dann nach gemeinsamen Wild asern und Wein/Schnaps saufen zum Schluss noch mit Wildbret beschenkt.
      Ist eigentlich Korruption, her bekannt als Vetternwirtschaft.
      Die wahren Gründe und die Triebfeder für das Jagen sind im Artikel ja schon treffend beschrieben, alles andere sind nur Ausreden und Alibis zur Rechtfertigung sinnlosen Tötens und Zerstörung der natürlichen Selbstregulation in der Natur.
      Siehe dieses Video von Prof. Dr. Josef Reichholf: https://www.youtube.com/watch?v=xeknVbfzT_w

  • Wampfler Hans

    Als ich diesen Beitrag gelesen hatte kamen mir die Tränen, ich fühlte mich Hundeelend.Ich denke auch diese menschlichen Kreaturen werden ihre Bestrafung bekommen,wenn nicht auf auf dieser Welt,so hoffe ich wenigstens beim jüngsten Gericht.

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  • Bernhard Trachsel

    Unsere Jäger mit ihrem Dachverband propagieren sich ständig als die wahren Naturschützer und einzigen Sachverständigen hinsichtlich Wildtiermanagement. Demgegenüber steht die Tatsache, dass viele von ihnen Jagdreisen buchen und Trophäen sammeln, oft auf niederträchtigste Weise. Jagdtouristen sind als Wildtiermanager nicht geeignet. Es ist deshalb sehr fragwürdig, dass wir solchen Leuten das Wildtiermanagement unseres Landes überlassen. Um dies zu ändern, müsste die Jagdgesetzgebung im Grundsatz geändert werden.

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