geben, nehmen, Hände

Geben ist seliger als Nehmen – wirklich?

  • Judith Schärer
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Wenn Weihnachten näher rückt, fühlen sich viele Menschen besonders dazu berufen, eine Geldspende an eine gemeinnützige Organisation, beispielsweise im Umweltschutz, zu tätigen. Dies, um ihre Naturverbundenheit zu demonstrieren, ihr schlechtes Gewissen zu beruhigen oder ihre Prinzipien zu vertreten. Wann bewirkt eine Geldspende aber wirklich etwas und was spielt die Haltung beim Spenden für eine Rolle?

In diesen Tagen vor Weihnachten erreichen sie uns besonders oft: Die Anfragen, unser Geld für einen guten Zweck zu investieren und eine Organisation oder einen Verein zu unterstützen. Eine Ziege für Afrika, einen neu gepflanzten Baum oder eine Arbeitsstelle – den zu finanzierenden Projekten sind keine Grenzen gesetzt. Und die Werbung scheint zu funktionieren: Nie spenden Herr und Frau Schweizer so viel wie im November und Dezember. Gewisse Hilfswerke generieren in den zwei letzten Monaten des Jahres rund 40 Prozent ihres gesamten Spendeneinkommens. Wie viel Sinn macht es, sich diesem Hype anzuschliessen?

Nehmen vs. Geben

Wenn man sich beispielsweise für einen umweltfreundlichen Lebensstil einsetzen möchte, wäre es allenfalls schlauer die Summe in eine bessere, private Umweltbilanz zu investieren. Anstatt das Geld zu spenden, könnte man vermehrt und bewusst Fairtrade- oder Bio-Produkte kaufen, welche die Umwelt weniger belasten. Oder man nutzt diese zusätzlichen Franken, um qualitativ bessere Produkte zu erwerben, welche auch länger halten und somit einen nachhaltigeren Konsum darstellen.

Was ist also höher zu gewichten: Mein eigener Lebensstil und mein Konsumverhalten, die einen grossen Einfluss auf die Umwelt haben, oder dass ich versuche, durch eine Spende rund um mich herum Gutes zu tun? Wenn meine Spende in einer seriösen Organisation angelegt wird, hat sie allenfalls die Wirkungskraft zwei, drei oder noch mehr Personen zu einem Sinneswandel und einem umweltfreundlicheren Lebensstil zu bewegen. Dann wäre die Wirkung derselben Geldmenge um mehrere 100 Prozent höher, als wenn ich nur meinen eigenen Lebensstil mit Hilfe des Geldes ändere.

Schlussendlich ist also eine Kombination von meinem Konsum- und meinem Spendenverhalten gefragt: Sowohl das eine als auch das andere kann einen erheblichen Einfluss generieren. Nehmen ist also manchmal mindestens genauso selig wie Geben.

Gewissensberuhigung erlaubt?

Wenn allerdings meine Spende nur ein Ausdruck meines schlechten Gewissens ist und ich selber nichts unternehme, um das unterstützte Anliegen auch aktiv im Alltag zu vertreten, ist die Spende natürlich nur mässig effektiv. Zudem wird es mir viel schlechter gelingen, andere zu einer Veränderung zu überzeugen, wenn ich nicht selbst mit gutem Beispiel vorangehe und es auch nicht umsetze. Wenn man also die Eigenverantwortung gegenüber der Gesellschaft und der Umwelt mit einem Betrag auf einem Einzahlungsschein als erledigt ansieht, ist dies schlicht und einfach ignorant.

Offen-aktive Kommunikation ist gefordert

Trotz der weit verbreiteten Praktik, zu Weihnachten etwas zu spenden, ist dies bei den Spendern immer noch oft ein Tabu. Selbst wenn einmal erwähnt wird, dass etwas gespendet wurde, schweigt man korrekterweise über den Betrag. Wäre es nicht sinnvoller, sich in eine offen-aktive Richtung zu bewegen, wenn es um Spenden geht? Wenn die Menschen ihr Spendeverhalten offener kommunizieren würden, hätte dies bestimmt eine positive Rückwirkung auf Personen, welche noch nicht spenden und so vielleicht vom Gedanken angesteckt würden.

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