© Norio NAKAYAMA  [CC-BY-SA-3.0], via Flickr
© Norio NAKAYAMA [CC-BY-SA-3.0], via Flickr

Expo Milano verfehlt ihr Ziel deutlich

  • Judith Schärer
  • 5

Mit dem Motto „Feeding the Planet, Energy for Life“ wollte die diesjährige Weltausstellung als Themenschwerpunkt das Recht für alle auf gesunde und ausreichende Ernährung behandeln. Dieser Aspekt wird allerdings durch die zu vielen pompösen Elemente zum Nebenthema.

Bereits im Vorfeld konnte man die gigantischen Ausmasse erahnen, welche die Weltausstellung annehmen würde. Rund 6000 Arbeiter erstellten das ein Quadratkilometer grosse Gelände (drei Mal so gross wie der Zoo Zürich) während über einem Jahr.  Insgesamt 145 Länder sind auf dem Ausstellungsgelände vertreten, die angepeilte Besucherzahl wurde auf 20 Millionen Personen festgelegt.

Möglichkeiten nicht ausgenutzt

Ein grosses Potential also, welches sich in Mailand bietet. Die Vision war denn auch, grundlegende Probleme wie Welthunger, den fehlenden Zugang zu sauberem Trinkwasser oder die ausgebeuteten Meere zu thematisieren und eine Plattform für Diskussionen rund um die immer grösser werdende Schere zwischen Ökonomie und Ökologie zu bieten. Leider wird schnell klar, dass dies einer Wunschvorstellung entspricht. Die Ironie zeigt sich beispielsweise am amerikanischen Pavillon: Die Idee eines vertikalen Gartens wurde kreativ umgesetzt und an der Fassade des Gebäudes spriessen Kräuter und verschiedene Gemüsesorten. Das hier gezogene Gemüse wird allerdings scheinbar weder geerntet noch gegessen, sondern durch den Staff nachts entfernt und entsorgt.

© Davric  [CC-BY-SA-4.0], via Wikimedia Commons
Pavillon der USA auf dem Expo-Gelände | © Davric [CC-BY-SA-4.0], via Wikimedia Commons

Allgemein verfehlt die gesamte Veranstaltung ganz klar das Ziel, sich tiefer mit den grundlegenden Problemen unserer heutigen Nahrungsmittelsituation auseinanderzusetzen. Einzelne Ansätze gibt es zwar, wie beispielsweise den Schweizer Pavillon, welcher versucht, durch seine vier Türme, gefüllt mit Apfelringen, Kaffee, Salz und Wasser, welche langsam durch die Besucher ausgeräumt werden, die Problematik zu veranschaulichen. Die Botschaft: Nahrung gibt es nicht im Überfluss. Allerdings scheint einem auch dies ein eher unbeholfener Versuch, das Thema Nachhaltigkeit zu thematisieren, wenn man bedenkt, dass der Pavillon von Konzernen wie Nestlé oder Syngenta gesponsert wurde…

Show der Grosskonzerne

Allgemein wird klar: Diese Veranstaltung wird durch die Grosskonzerne regiert. McDonalds, Illy und Coca Cola reihen sich neben die pompösen Bauten der einzelnen Länder ein. Dadurch kommen die wahren Protagonisten des Lebensmitteldramas nicht zu Wort. Etwa 500 Millionen kleinbäuerliche Betriebe gibt es auf der Welt: Sie produzieren 70 Prozent sämtlicher Nahrungsmittel. Ihre Stimme wäre essentiell an einem Ort wie diesem, kommt aber definitiv zu kurz.

Anstatt eine seriöse, informative Plattform darzustellen, erscheint das Gelände eher wie eine Art Disney-Land. Ein Konkurrenzkampf der Länder, welcher mittels Multimedia-Shows, bunten Fassaden und glänzenden, überdimensionalen Konstruktionen ausgefochten wird. Natürlich nicht, ohne dass jedes Land sein Engagement für die Nachhaltigkeit anpreist –  in Gebäuden, welche vor Stahl, Alu und Beton nur so strotzen.  Mitten im Getümmel der «Albero della Vita», der Lebensbaum, welcher das „Symbol der Hoffnung“ ist. Eine Hoffnung aus Stahl und Holz, Kostenpunkt: 8 Millionen Euro.

Der „tree of life“ neben dem Italienischen Pavillon | © Andrj15 [CC-BY-SA-4.0], via Wikipedia
Kein Wunder also, gab es im Vorfeld und am Eröffnungstag im Mai zahlreiche Demonstrationen, Aufstände und politische Streitereien. Auch die Korruptionsskandale rund um den Bau der Anlage und des italienischen Pavillons trugen nicht gerade zu einem positiven Bild bei.

Länder und ihre Klischees

Zuerst wollte die Schweiz mit Schokolade und Käse auftreten. Weil die Kühlkosten dafür jedoch zu teuer gewesen wären, hat die Schweiz stattdessen getrocknete Apfelringe, Salz und Kaffee nach Mailand transportiert. Offiziellerweise geschah dies allerdings aus der Überlegung, nicht die alteingesessenen Klischees verfestigen zu wollen. Diese sind sonst schon reichlich vorhanden an der Ausstellung; viele Länder fixieren sich auf das, was man bereits von ihnen kennt und gewohnt ist. Vorzeigebeispiel ist Gastgeber Italien, bei dem es hauptsächlich um die Schönheit des Landes und um (Ess-)Traditionen geht.

Schlussendlich bleibt die Expo Milano wohl einfach eine Messe im klassischen Sinne und somit eine Leistungsschau: Eine Marketing-Veranstaltung, deren Ziel es ist, den Ausstellern die Möglichkeit zu bieten, ihr Produkt zur Schau zu stellen, zu erläutern und zu verkaufen. Schade um die verpassten Möglichkeiten zur Sensibilisierung, Information und Mobilisierung der Besucher im Bereich der nachhaltigen Ernährung.

Wer sich selber ein Bild machen möchte, kann dies noch bis Ende Oktober tun. Alle Informationen und Möglichkeiten zum Ticketkauf finden Sie hier >>

Sie waren schon an der Expo und haben sich eine Meinung gebildet? Wir sind gespannt auf Ihre Einschätzung, hinterlassen Sie einen Kommentar.

5 Kommentare

  • Michel Klopfstein

    Wir waren im September 2 Tage an der Expo.
    Der Schweizer Pavillon war eine Katastrophe.
    Wir bestellten Fondue und warteten 20 Minuten bis einer kam und sagte es gebe kein Fondue obwohl in der Speisekarte vorhanden.
    Zürich geschnetzeltes mit Rösti, das Fleisch war mehr Ragout die Rösti eine Pape. Der Rest der Expo war eher durchschnittlich.

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  • Julia Eder

    Riesenflop ! Wir haben keinen einzigen Pavillon besucht, 2 – 3Stunden Wartezeit kanns nicht bringen, kanns nicht sein. Für uns eine Tourimusmesse, mit teurem Eintritt, riesigen Menschenmassen dazu kommen die überteuerten Hotelpreise in Mailand! Was solls , selber schuld!

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  • Esther Albrecht

    Nebst dem treffenden Kommentar von U. Minkner würde ich diese Expo nicht mehr besuchen.
    Wir haben ein Ticket für 2 Tage gekauft. Am 1. Tag sind wir 2 Stunden für den Eintritt angestanden. Ein Eintritt in ein Länderpavillon ausgeschlossen, ausser man bringt die Geduld auf, ca. 6 Stunden anzustehen!!
    Am 2. Tag waren wir früher unterwegs und sind um 09.30h zum Einlass angestanden; super wir sind bereits nach 45 Minuten auf dem Expogelände. Wir haben sofort den CH-Pavillon aufgesucht. 2,5 Stunden Wartezeit, um dann in den berühmten Türmen 15 Minuten zu verweilen. Das Marketing für diese Expo ausgezeichnet; die Realität enttäuschend.

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  • Ulrike Minkner

    Gut zu wissen:

    Für die Expo wurden 200ha Land verbetoniert und asphaltiert, für den Messeplatz, Parkplätze und Zufahrtsstrassen. Es kam zu Landenteignungen (Quelle: ARI, Associazione Rurale Italiana – La Via Campesina)

    1,3 Milliarden investiert allein der Staat Italien. (Quelle NZZ)

    In den Türmen des Schweizer Pavillions befinden sich Salz, Kaffee, Wasser und Apfelringli, à discrétion. (Nestlé, dem grossen Sponsor (3 Mio Euro). Nestlé stellt die eigene Firmengeschichte ins Rampenlicht)

    Syngenta hat eine Patenschaft übernommen und ist Hauptsponsor des Auftritts der Stadt Basel in Mailand.

    Coca-Cola ist Grosssponsor. Coca-Cola hat einen Riesenpavillion im „Corporate-Bereich“. (Quelle Sonntagszeitung)

    Die Stand-Preise sind für kleine (ital.) ProduzentInnen nicht zahlbar. S.Pellegrino (Getränkehersteller) zahlt für die 100 Quadratmeter 1,15 Millionen Euro Standplatzmiete. (quelle Sonntagszeitung)

    Eintrittspreise sind längst nicht für alle Menschen erschwinglich. (34 Sfr / Erwachsene Person)

    Die italienischen Kleinbauern und Kleinbäuerinnen haben aus diesen und weiteren Gründen nicht an der Expo teilgenommen.

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  • roswitha hächler

    Ich hab die Expo besucht, neben den erwähnten Flops hab ich ach einige sehr informative und eindrückliche Pavillons erlebt, z.B. Detuschland und Frankreich.
    Gut fand ich auch, dass überall gratis Wasser an Brunnen bezogen werden konnte. So wurde sicher eine grosse Menge Petflaschen eingespart.

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