© See Monterey [CC-BY-SA-3.0], via flickr
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Der Zynismus des Basler Ozeaniums

  • Roman Vonwil
  • 5

In Basel soll ein Ozeanium gebaut werden. Das Projekt des Basler Zollis beschäftigt die Rheinstadt bereits einige Jahre. In der Nähe der bereits bestehenden Zooanlagen soll eine Anlage mit grossen Aquarien, Restaurants und Shops entstehen. Laut den Initianten soll das Ozeanium einen Beitrag an die Umweltbildung leisten und die Bevölkerung für die Probleme der Meeresökosysteme sensibilisieren.

Was zuerst als eine gute Idee erscheint, wird bei genauerem Hinschauen als blosser Zynismus entlarvt. Denn nur die wenigsten der Korallenfischarten, die weltweit gehandelt werden, können gezüchtet werden. Die meisten – und darunter auch viele der zukünftigen Ozeaniumbewohner – stammen aus Wildfang. Die Fische werden dabei direkt in den Korallenriffen gefangen. In den Ländern, die die Fische exportieren, sind zwar schädliche Fangmethoden verboten, die Kontrolle und die Durchsetzung dieser Verbote sind jedoch meistens ungenügend. Zu gross ist der finanzielle Anreiz aus dem globalen Fischhandel.

Der Fang für die Aquarienhaltung stellt eine zusätzliche und kritische Belastung für die fragilen Korallenriffe dar, die bereits durch den Massentourismus und die Folgen des Klimawandels an den Rand des Kollapses getrieben wurden. Zusätzlich zu den direkten Schäden, die durch die Fangmethoden an den Riffen entstehen, sterben Schätzungen des United Nations Environment Programme UNEP zufolge beim Fang bis zu 80 Prozent der Fische. Für jeden Fisch, der im Ozeanium schwimmen wird, sollen vier weitere Artgenossen sterben? Mit dem Schutz seltener Arten hat das herzlich wenig zu tun. Das Ozeanium trägt damit zur Zerstörung der Ökosysteme bei, für die es sensibilisieren soll.

Wieso kann man das erklärte Ziel des Ozeaniums, Umweltbildung zu betreiben und die Binnenland-Bewohner_innen über die Problematik der bedrohten Korallenriffe aufzuklären, eigentlich nur mit überdimensioniertern Aquarien erreichen? Wäre dies denn nicht auch möglich mit dem Bau einer virtuellen Unterwasserwelt, wie es die Fondation Franz Weber vorschlägt? Der Basler Zolli sollte sich eingehender mit den Folgen seiner ambitionierten und unnötigen Projekte befassen und die richtigen Konsequenzen daraus ziehen. Ein bewusster und öffentlich begründeter Verzicht auf die Aquarienhaltung würde viel besser auf die Probleme der Korallenriffe und die globale Mitverantwortung aufmerksam machen, als ein Ozeanium dies je könnte. Leider geht es anscheinend wieder einmal mehr um die Errichtung einer einmaligen Attraktion, die möglichst viele Besucher_innen anlockt. Und die zur Schau gestellten Weltverbesserungsabsichten des Zollis sind dabei nichts weiter als Teil der Marketingstrategie.

 

5 Kommentare

  • Peter Voser

    Meeresaquarien könnten auch vorangehen, indem sie nur Tiere zeigen, die aus seriösen Zuchten stammen. Sonst lieber verzichten.

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  • Grob Andrea

    Auch ich bin dieser Meinung und finde mann sollte es sein lassen diesen Unsinn zu verwircklichen.

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  • M.Andreas Bamert

    Schliesse mich ganz der Ansicht an, dass das Basler Zolli nach besseren Wegen suchen sollte, die Bevölkerung für die Probleme der Meeresökosysteme zu sensibilisieren.

    Der Bau einer virtuellen Unterwasserwelt, wie es die Fondation Franz Weber vorschlägt, ist sicher etwas was der Zolli näher prüfen sollte.

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  • Hans Peter Roth

    Ganz meine Meinung!
    Vielen Dank für diesen treffenden Kommentar.

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    • Bütschli Bernhard

      So ein Ozeanium ist sicher schön, aber wenn man denkt wie weit z.B. ein Hai in einem Tage schwimmt soll er das im Ozeanuim dann im Kreis herum. Wer die Unterwasserwelt sehen will, soll tauchen lernen. Dann sieht er auch, wie Jahr für Jahr, mehr Korallenriffe zerstört werden. Dies auch durch schlecht geführte Tauchergruppen die keine Kenntnis und durch schlechte,geldgierige Tauchlehrer begleitet werden. Wer nicht tauchen kann, soll die guten und interessanten Dokus von der Unterwasserwelt anschauen. Was noch wichtiger wäre, dass man z.B. die Ölwechsel der Supertanker im Meer abstellt oder dafür sorgt, dass nicht jeder Müll im Meer entsorgt wird. Aber leider gibt es viele Länder (nicht nur kleine) wo ein Verbot nichts fruchtet und ihnen alles egal ist solange das Geld fliesst. Auch der Fischfang ist so ein Thema (Walfang Norwegen/
      Japan). Gut bin ich schon älter und muss nicht mehr lange zuschauen wie wir aus Geldgier unsere Welt zugrunde richten Es beginnt schon beim Regenwald und so weiter. Leider sind wir unvernünftig. Nicht alle sins so, aber die Vernünftigen sind zu wenig und zuwenig einflussreich. Ein ehemaliger Sporttaucher.


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