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Vom Fukushima- zum Chavalon-Effekt

  • Der Oekolog
  • 1

akw_abschaltenDie Schweiz hat ein neues Wort: den „Fukushima-Effekt“. Das Wort, das wohl Ende Jahr als „Unwort des Jahres“ in die Geschichte eingehen wird, benennt den Auftrieb, den nun die grünen Kräfte  in der Schweiz im Nachgang der AKW-Katastrophe in Japan  erfahren. Man hat es ja eingehend gelesen: Plötzlich will niemand mehr neue AKW bauen, die Grünliberalen gewinnen die Wahlen im Kanton Zürich, ein Grüner zieht in den Zürcher Regierungsrat ein – es scheint, als sei die Nation endlich aufgewacht. Und auch die Medien verkünden nun plötzlich landauf landab,  AKW seien gefährlich. Das AKW Mühleberg habe Risse und stehe unterhalb einer Staumauer. Kein AKW sei erdbebensicher. Das marode AKW Fessenheim stehe  verdammt nah an der Schweizer Grenze. Die Aufsichtsbehörde ENSI habe sich um die vielen Probleme und Risiken foutiert.

Interessant ist bloss, dass dies Organisationen wie Greenpeace oder die Schweizer Energie-Stiftung SES schon seit zehn Jahren regelmässig sagen. Trotzdem heisst es nun  bei den Politikern, man habe es halt nicht gewusst. Da stellt sich die Frage, ob man es vielleicht einfach nicht hören wollte (weil man zum Beispiel im Verwaltungsrat der Axpo sass)? Oder ob es im Gegenteil an den Organisationen wie Greenpeace liegt, die zuwenig Glaubwürdigkeit verströmen?

Obwohl: Die Stimmung beginnt ja bereits wieder zu drehen. Man solle nun nichts übereilen, jammern die liberalen und bürgerlichen Politiker, allen voran Doris Leuthard. Natürlich haben sie recht, dass nun erstmal alles analysiert werden soll – aber: Es ist bei dieser abwartenden Rhetorik zu befürchten, dass Leuthard und Co.  nun einfach Gras über die Sache wachsen lassen wollen, bis sie in zwei Jahren  ans Weiterplanen gehen können. Alte AKW abschalten kommt – trotz all der neuen  grünen Rhetorik – natürlich nicht in Frage, denn Leuthard und ihre Atomfreunde wissen: Wenn Mühleberg länger abgestellt werden muss, wird es vielleicht nie wieder angefahren. Sondern es muss mühsam rückgebaut werden, was zehn oder zwanzig Jahre dauert, Milliarden kostet und tonnenweise verstrahlten Abfall generiert – keine gute Werbung für den Bau neuer AKW.

Sicher ist trotzdem: In der Schweiz wird es keine neuen AKW geben. Und klar ist eigentlich auch, dass die Rezepte, wie wir sie ersetzen könnten, längst vorhanden sind. Nun brauchen wir allerdings Politiker, die sich zusammenraufen und endlich den Weg der Nachhaltigkeit einschlagen. Politiker, die konkrete Pläne entwerfen, was wann gemacht werden muss. Dann könnte der „Fukushima-Effekt“ nicht zum Unwort, sondern sogar  zum „Wort des Jahres“ werden.

Wahrscheinlicher aber ist, dass der „Fukushima-Effekt“ zum „Chavalon-Effekt“ mutiert. Statt neuer AKW würden dann in zwanzig Jahren fünf neue Gaskraftwerke im Land stehen, eines davon in Chavalon VS. Jedes von ihnen würde soviel CO2 in die Luft pusten wie die Stadt Bern. Das allerdings wäre der Todesstoss für die Kyoto-Ziele.

1 Kommentar

  • Karel Novinar

    guter Beitrag, wenn auch nicht besonders neutral und auch nicht besonders sachlich und auch nicht besonders gut informiert und vor allem nicht wirklich Lösungswege für die Zukunft aufzeigend. Dennoch: Liebe Politiker, macht endlich die Augen auf und löst das Problem mit den radioaktiven Abfällen oder noch besser steckt endlich alle Kraft in Alternativen zu AKWs. Mit Alternativen meine ich nicht nur erneuerbare Energien sondern vor allem auch Energieeffizienz.

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