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Schattenseiten des Masoala-Nationalparks

  • Der Oekolog
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masoala1Heute bin ich über einen NZZ-Artikel gestolpert mit dem Titel „Schattenseiten des Masoala-Nationalparks in Madagaskar  – Warum der Park den Lebensraum der lokalen Bevölkerung bedroht“. Darin stellt eine Ethnologin dar, wie die lokale Bevölkerung unter dem Nationalpark leidet, weil sie den Wald nicht mehr für ihre Felder roden kann. „Der zum Schutz der Biodiversität vor zwölf Jahren gegründete und vom Zoo Zürich unterstützte Masoala-Nationalpark bedroht die Lebensgrundlage vieler lokaler Bauern“, schreibt die Autorin. Einige Bauern seien zudem faktisch enteignet worden, indem sie ihr eigenes Land nicht mehr betreten und bewirtschaften dürften. Zudem behindere der Park die Menschen „massiv in der Verwirklichung ihrer Lebensethik“: Aus diversen im Artikel ausgeführten Gründen sei es für  die lokale Bevölkerung sehr wichtig, viele Kinder zu haben, und die bräuchten eben alle ihr eigenes Stück Land zum Leben.

Der Artikel wirft einige spannende Grundsatzfragen auf, wie zum Beispiel: Wie stark soll / darf sich die erste Welt in die Belange der ärmeren Länder einmischen und ihnen „vorschreiben“, wie sie Natur zu schützen haben? Oder: Was gilt mehr: die Bedürfnisse der lokalen armen Bevölkerung oder der Schutz der letzten Regenwälder?

Die Kommentare der Leserschaft liessen jedenfalls nicht lange auf sich warten. Ein Leser schreibt zum Beispiel: „Nachdem wir in den Industriestaaten über Jahrhunderte hinweg die Natur rücksichtslos dem wirtschaftlichen Nutzen geopfert haben, sollen nun die ärmsten der Armen in den sog. Entwicklungsländern den so verursachten erdumfassenden ökologischen Schaden wieder gut machen.“ Das sei wahrhaft egoistisch gedacht. Ein anderer Leser findet: „Man sollte einfach die Menschen umsiedeln, oder ihnen anraten, weniger Kinder zu haben. Unsere falsche Nächstenliebe führt uns schlussendlich an den Kollaps der ganzen Umwelt.“

Eines ist jedenfalls sicher: dass sich solche Konflikte in Zukunft stark mehren werden. Bereits heute stehen viele Nationalpärke stark unter Druck der lokalen Bevölkerung, so etwa in Indonesien, im Kongo oder im Amazonasgebiet. Das zeigt, dass die letzten Naturgebiete nur dauerhaft geschützt werden können, wenn gleichzeitig auch die Probleme der lokalen Bevölkerung angegangen werden. In Gebieten, wo sich reiche Staaten und NGOS engagieren, würde das sinngemäss heissen: Naturschutz und Entwicklungshilfe dürfen sich nicht konkurrenzieren, sondern sollen sich sinnvoll ergänzen. (Ich weiss, das tönt einfach, ist es aber natürlich nicht.) Aber trotzdem: Ethnologen und Biologen dieser Welt, tut euch zusammen!

http://www.nzz.ch/nachrichten/international/schattenseiten_des_masoala-nationalparks_in_madagaskar_1.2813317.html

2 Kommentare

  • Matze

    gute idee…ethnologen und biologen sollten zusammenarbeiten…aber wird nicht leicht…das problem zu lösen…

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  • Walter Matter

    Diese Problematik war schon lange absehbar. Sie wird sich meines Erachtens in nächster Zeit auch kaum ändern. Trotz des Engagements der ersten Welt, ist nach wie vor eine zu grosse Ungleichheit zwischen Wachstumswirtschaft und Nachhaltigkeit. Eine interessante Frage: Naturschutz/Entwicklungshilfe.. es ist schwierig, hier von der Schweiz aus, dies zu beurteilen. In vielen Entwicklungsländern sind Kleinbauern unter den Fittichen der Grossindustriellen… auch ich habe keine befriedigende Lösung parat…eine wichtige, heikle Angelegenheit.

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