gaensebluemchen

Occupy, Neustart, Permakultur & Co.

  • Der Oekolog
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Seit rund zehn Jahren manifestiert sich eine interessante Tendenz: Immer mehr Umweltgruppen und neue Denkrichtungen entstehen, immer mehr kleine Eigeninitiativen wachsen und erblühen. Es scheint ganz so, als traue man den etablierten Gruppen nicht mehr, als seien neue Denkanstösse gefragt, als wolle man das Heft  selber in die Hand nehmen.

Da gibt es einen schon ziemlich bekannten Verein „Neustart Schweiz“, der die Städte neu bauen will und die Eigenversorgung und Regionalisierung propagiert. Da gibt es schon über 40 neue Genossenschaften von Städtern, die den Gemüseanbau selber in die Hand nehmen. Es gibt Bauern, die über Permakultur diskutieren. Es gibt Gruppen, die das Währungssystem revolutionieren möchten. Andere widmen sich der ökologischen Architektur, der Fischzucht auf den Dächern der Stadt oder neuen Internetangeboten. Wieder andere richten lokale Tauschbörsen ein oder verteilen Umweltfilme. Der Themenvielfalt, aber auch der Überschneidung der einzelnen Denkrichtungen und Philosophien sind dabei keine Grenzen gesetzt.

Interessant  ist dies, weil diese Umweltbewegung von unten her (bottom to top) ein relativ neues Phänomen ist. Ähnliche Basisinitiativen gab es vor allem innerhalb der Linken zwar schon länger, aber früher drehten sich die Diskussionen um rein gesellschaftliche und politische Themen und weniger um solche, wie sie jetzt diskutiert werden.

Interessant ist aber auch, dass sich viele dieser neuen Gruppen vorab als Denkzirkel betätigen und neue Handlungs- und Gesellschaftsmodelle erarbeiten. Und spannend ist, dass sich die meisten mit ähnlichen Zielen befassen: Sie streben eine Regionalisierung an, eine Umkehr der Globalisierung auf allen Ebenen, ein Zurück zu einer lokaleren, ökologischeren, gerechteren, weniger ausbeuterischen Wirtschaft. So gesehen haben sie  vieles mit der ebenfalls neuen Occupy-Bewegung gemeinsam, nur dass die Gruppen und Grüppchen nicht vor den Banken zelten, sondern Radiesli anpflanzen und auf dem Papier neue Städte planen.

Die Occupy-Bewegung hat derzeit etwas an Strahlungskraft verloren, viele neue Initiativen aber strahlen Optimismus und Aufbruchstimmung aus. Fragt sich, wohin diese interessante Entwicklung führt. Schliessen sich die  Vereine irgendwann zu einem grossen zusammen? Gelingt es ihnen,  politisch und gesellschaftlich etwas zu bewegen? Fliessen ihre Ideen in die Arbeit der grossen NGOs ein? Stehen wir vielleicht sogar am Beginn eines Richtungswechsels, bei der die Regionalisierung die Hauptrolle spielt?

Es ist eine spannende Zeit. Weiterdenken und weiterpflanzen lohnt sich. Schön wäre, wenn sich die vielen Eigeninitiativen mit der Zeit aneinander annähern würden und sich dann aus dem Miteinander heraus eine starke Bewegung formieren könnte.

1 Kommentar

  • Isidor Wallimann

    Die Genossenschaft Netz Soziale Ökonomie Basel ist eine Organisation, die die verschiedenen Kräfte seit mehr als 10 Jahren integriert unter der Leitlinie LOKAL, SOZIAL, ÖKOLOGISCH NACHHALTIG. Zur Förderung dieser Integration gibt es die Alternativwährung BNB.

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