akw Muehleberg

Falschinfos der BKW

  • Der Oekolog
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akw_muehleberg_wiki_BKWLetztes Jahr gelobte die BKW Zurückhaltung im Abstimmungskampf zur Position des Kantons Bern zu einem neuen AKW in Mühleberg. In den letzten Tagen – der heissen Phase der Abstimmung – scheint die BKW nicht nur ihre Versprechen vergessen zu haben, sondern lässt dies noch ganz geschickt in einer Informationsflut untergehen.
Dazu zuerst eine kleine Chronologie der Eingriffe der BKW in den Abstimmungskampf in der ersten Januar-Hälfte:
– 7.1.: Die BKW verteilen 400’000 „Informationszeitungen“ an alle Haushalte der Kantone BE & JU;
– 8./.9.1.: Die BKW macht illegaler Weise Abstimmungswerbung in verschiedenen Bahnhöfen (laut Bahnhofsreglement ist politische Werbung verboten);
– 10.1.: Die BKW macht publik, dass sie ihr Engagement bei den erneuerbaren Energien im Inland um 40% kürzen will.

Der „Informationszeitung“ wird kein einziger Zeitungsartikel gewidmet (der Bund und die BZ veröffentlichen immerhin einige Leserbriefe dazu), die illegalen Werbeaktionen werden in einem Artikel in der BZ gewürdigt, über den Rückzieher bei den erneuerbaren Energien erscheinen schweizweit etwa 30 Artikel in verschiedenen Printmedien.

Die BKW hat es also geschickt geschafft, dass die skandalöse Verteilung ihrer „Informationszeitung“ in der Polemik rund um ihren Rückzieher bei den erneuerbaren Energien untergegangen ist. Dabei wurden 100’000.- Franken (Angabe BKW), die wir über die Strom- und Steuerrechnung bezahlen müssen (die BKW gehört mehrheitlich dem Kanton BE), für eine skandalöse Desinformationskampagne ausgegeben.

Weshalb Desinformation? Auf den ersten Blick kommt die „Informationszeitung“ sehr sachlich und „informativ“ daher. Die verschiedenen Stromproduktionsarten werden wohlwollend vorgestellt, Produktionsschwankungen über den Tagesverlauf mit einem klassischen Strom-Produktions- und Verbrauchstag thematisiert, eine Grafik zeigt eindrücklich, wie der Stromverbrauch über die Jahre steigen und die Produktion sinken wird und weshalb uns eine Stromlücke droht. Weiter wird die bundesrätliche Energiestrategie thematisiert und erklärt, weshalb ein AKW-Ersatz unverzichtbar sei. In einem Kasten wird die vergangene Abstimmung der Stadt Bern zum Atomausstieg erwähnt. Abschliessend stellt die BKW noch all ihre innovativen Projekte vor – vom Windpark über Solar Impulse und Tropenhaus Frutigen bis zur Ausbau der Grimsel KWO plus. Weshalb also Desinformation?

Einerseits, weil gewisse „Informationen“ schlicht falsch sind. Zum Beispiel:
– Die Stadt Bern muss nicht „einen grossen Teil der Kernenergie durch ein Gaskraftwerk ersetzen“, sondern baut zur Zeit einen Anlageverbund aus Kehrichtverbrennungsanlage, Holzschnitzelverbrennung und GasKOMBIkraftwerk. Ineffiziente Ölheizungen werden also in Zukunft durch Fernwärme aus dem Anlageverbund ersetzt, der gleichzeitig Wärme und Strom produziert und unseren Abfall vernichtet.
– Den in der Zeitung gelobten „CO2-freien Strom“ gibt es nicht, denn AKWs – aber auch Wind- oder Wasserkraftwerke – kommen nicht ohne CO2-intensive Rohstoffe wie Beton und Stahl aus. Und Uranabbau und -aufbereitung sind auch CO2-Schleudern.
– „Fakt ist, dass die Produktionskosten der Kernenergie auch in Zukunft im Vergleich zu anderen Produktionsarten tief bleiben werden.“ – dabei wird die Netzparität für die Photovoltaik 2018 erwartet, das AKW wird jedoch kaum vor 2030 ans Netz gehen. Ab 2018 ist also der Strom vom Dach billiger als jener aus der Steckdose. Und da ist noch nicht eingerechnet, dass AKWs für einen beachtlichen Teil ihrer Kosten (Haftpflichtversicherung, Rückbau, Entsorgung und Überwachung der Abfälle, etc.) gar nicht aufkommen!

Andererseits sind die „Informationen“ in der Zeitung der BKW sehr selektiv ausgewählt:
– die (absolute) Leistung des neuen AKWs wird nirgendwo erwähnt – von etwa vier Mal Mühleberg I ist in einem Nebensatz die Rede. Hingegen wird 8x das neue AKW als „Ersatzkernkraftwerk“ bezeichnet (ganz nach dem Motto: Wenn ich ein Einfamilienhaus durch einen Wohnblock ersetzte, dann ist das ein Ersatzhaus);
– die Baukosten für das neue AKW werden nirgendwo erwähnt, auch nicht, woher diese Unsumme herkommt (Schätzungen zufolge über 10 Milliarden)
– was man sonst noch mit diesem Geld machen könnte, schon gar nicht;
– die BKW beruft sich bei den Energieprognosen und mögliche Energiequellen auf den Bundesrat – erwähnt aber nur jenes von vier (!) Szenarien, das ihnen gelegen kommt. Dass das BfE auch Szenarien ohne AKWs ausgearbeitet hat, wird verschwiegen;
– steigender Stromverbrauch wird als unausweichliches Naturgesetz dargestellt – obwohl es sehr wohl Möglichkeiten gibt, diesen durch politische Massnahmen zu steuern (Lenkungsabgabe, Effizienzförderung, Umweltvorschriften, Verbrauchssteuerung durch Smartgrids, etc.);
– Das Thema Betriebssicherheit und mögliche Störfälle wird nicht einmal erwähnt (erst Recht kein Wort von den Rissen im Kernmantel von Mühleberg I, kein Wort von Tschernobyl, Lucens (VD !), Mayak, etc.);
– Erwartungsgemäss wird nichts über Kostenwahrheit und die ungenügende Versicherungsdeckung geschrieben (die Haftpflichtversicherung von 900 Velos (Vignetten) decken den selben Schaden wie jene eines AKWs!).
Die Liste der Unterschlagungen könnte beliebig fortgesetzt werden.

Wenige gezielte Fehlinformationen, gepaart mit einer sehr selektiven Auswahl der Informationen führen so zu einer sehr einseitigen Propaganda, gut getarnt in einer „sachlichen“ „Informationszeitung“ – gedruckt und verteilt auf unsere Kosten. Und die Medien scheint es nicht zu kümmern…

(Dieser Beitrag wurde von unserer Gast-Ökologin aus dem Kanton Bern geschrieben)

Beitrag der Berner Zeitung zur Werbung in den Bahnhöfen inklusive Stellungnahme der BKW

Aga - Trigon Film

2 Kommentare

  • Straub Peter

    Auch die Regierung spielt nicht eine ganz offene Informationspolitik. Man kann dafür oder dagegen sein, doch der Grossrat hat mehrheitlich dafür gestimmt! Normalerweise ist die Exekutive veprlichteet die Meinung der Legislative zu kommunizieren.

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