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Delfine im Connyland, Affen im Zoo

  • Der Oekolog
  • 7

Delfine haben ein Problem: Egal ob sie leiden, dauergestresst oder glücklich sind – immer sehen die intelligenten Meeressäuger aus, als ob sie freundlich lachten. Das ist es auch, was den Besuchern des Freizeitparks Connyland an den Delfinen so gefällt: Immer scheinen die Tiere fröhlich und aufgestellt. Und wenn die Tiere freiwillig in die Luft springen und Kunststücke vollführen, muss es ihnen ja gut gehen. Nun sind aber im Connyland innerhalb von drei Jahren 7 Delfine gestorben, drei davon in den ersten Lebenswochen. Und der bis anhin kerngesunde „Shadow“ verendete just nach einer Technoparty, die nur 50 Meter neben dem Delfinarium stattfand. Die vielen Todesfälle könnten normale Sterblichkeit sein, wie das Connyland behauptet. Sie könnten aber auch schiere Tierquälerei hindeuten, wie die BDP-Politikerin Brigitta Gadient und Organisationen wie Ocean Care glauben.

Wir sind keine Delfin-Spezialisten. Trotzdem wagen wir zu behaupten, dass eine wirklich artgerechte Haltung von Delfinen in kleinen Betonbecken nicht möglich ist. Ob die eingesperrten Tiere täglich leiden, wissen wir nicht. Aber sicher ist, dass wir ihnen bei ihren „fröhlichen“ Sprüngen nicht zusehen wollen, weil uns dabei das Herz weh tut. Deshalb werden wir so lange nicht ins Connyland fahren, bis die Gassers auf die Haltung der Säuger verzichten. Und wenn es uns alle anderen gleich tun würden, wäre das Problem des einzigen Delfinariums der Schweiz wohl bald gelöst.

Nun müssen wir aber noch ein wenig weiterdenken. Denn das Connyland hat auch Seelöwen im Angebot, mit denen man sogar mitschwimmen kann. Warum mokiert sich niemand darüber, dass diese Meeressäuger ebenfalls in kleinen Betonbecken gehalten werden? Und was ist mit den Seelöwen im Kinderzoo Rapperswil? Was mit den Seehunden im extrem kleinen Becken im Zoo Zürich? Was mit den Pinguinen im Sealife Konstanz? Warum fordert niemand den Zoo Zürich auf, sofort die Haltung der Orang-Utans und Gorillas (sehr kleine Gehege) und der Nashörner und Flusspferde (dito) einzustellen? Daher unsere Frage: Fallen einige der Tierschützer bei den Delfinen vielleicht auf den gleichen Umstand hinein wie die Connyland-Besucher, indem sie  den dauerlächelnden  Tieren mehr Intelligenz und damit mehr Rechte zugestehen als den anderen, in ihren Augen weniger sympathischen Tieren? Müssten sie sich nicht mit dem gleichen Engagement für alle  Tiere einsetzen, egal ob sie lachen oder nicht? Egal ob sie als intelligent gelten oder nicht?

Mit dieser Frage wollen wir die Tierhaltung im Connyland keinesfalls schönreden. Delfine in kleinen Betonbecken – das geht  nicht. Nur haben wir längst auch aufgehört, die Seelöwen im Kinderzoo und die Affen und Nashörner im alten Teil des Zürcher Zoos zu besuchen. Weil uns die intelligenten Tiere in ihren alten, kleinen Gehegen ebenso leid tun wie die Delfine in Lipperswil.

Nachtrag: Am Sonntag, den 13.11.2011 ist nochmals ein Delfin gestorben. Hinweise deuten inzwischen darauf, dass Shadow und dieses achte Tier vergiftet worden sein könnten.

7 Kommentare

  • Jürg Brechbühl

    Besuch mit einer Vierjährigen im Tierpark Dählhölzli in Bern. Eine grässliche Ausstellung zeigt, wie Haifische vor der japanischen Küste, blutend und ohne Rückenflosse zurück in das Meer geworfen werdne. Die Rückenflosse wurde als Delikatesse abgeschnitten, „geerntet“ sozusagen.

    Ich mag der kleinen die üblen Fotos nicht zumuten. Sie sind zum Glück auf Augenhöhe erwachsener und ich lüpfe sie nicht in die Höhe.

    Dafür ist das Kässeli auf Augenhöhe des Kindes. Ich gebe ihm einen Zweifränkler und sage ihr. Schau, die Sammeln Geld für die Haie. Du kannst hier das Geld hineintun.

    Schaut mich das Kind mit grossen Augen an: „How do the sharks get the money?“ (Sie ist Peruanerin und US Bürgerin. Ich rede meist Englisch, selten Spanisch mit ihr).

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  • Karel Novinar

    @ Stefan: Der Unterschied zwischen artgerecht und artgemäss ist wissenschaftlich definiert; die Wissenschaft heisst Tiergartenbiologie. Eine Tierhaltung kann durchaus artgerecht sein. Artgemäss muss sie nach Gesetz auf jeden Fal sein. Die Bedingungen in der freien Wildbahn kann eine Tierhaltung jedoch nie erreichen. Im besten Fall nähert sich eine Tierhaltung der freien Wildbahn an. Die Diskrepanz zwischen Freiheit und Gehege bleibt immer. Auch ich bin der Meinung, dass man sich nicht nur für die lächelnden Delfine, sondern auch für Seelöwen und andere Tiere einsetzen soll, damit sie in menschlicher Gefangenschaft ein möglichst würdevolles Leben haben. Das gilt auch für Nutz- und Haustiere. Sich aber für alle Tierarten gleichermassen einzusetzen, erachte ich als nicht machbar. Wer will sich schon für eine Stechmücke, Zecke oder Küchenschabe einsetzen? Deshalb ist es meines Erachtens wichtig, sogenannte Sympathieträger und Schirmarten besonders zu fördern, durch deren Förderung auch andere Tiere und ihre dazu gehörenden Lebensräume geschützt und gefördert werden. Sonst verzetteln wir unsere Kräfte, verschwenden Ressourcen und geben das sehr beschränkte Geld für widersprüchliche Massnahmen aus. Wenn also das Connyland nicht auf Delfine verzichten will, dann sollen sie diese so gut wie möglich halten und mit ihnen Geld für Meeresschutzgebiete sammeln und gegen die Überfischung der Weltmeere kämpfen. Erhaltungszucht, Information, Sensibilisierung, Geld sammeln, gute Naturschutzprojekte unterstützen, das sind die wichtigen Aufgaben eines modernen Zoos (vgl. Welt-Zoo-Naturschutzstrategie).

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  • Stefan

    @ Bert: Dass die Schimpansen abgegeben wurden, weiss ich. Das hat aber die Situation der Orang-Utans und Gorillas, soviel ich weiss, um keinen Millimeter verbessert.

    @ Karel Novinar: Es ist wohl eine Frage der Sichtweise, war artgerecht ist und was nicht. Die einen finden, Zoohaltung könne gar nie artgerecht sein, Ihnen hingegen genügen anscheinend kleine Gefängniszellen, wenn sie möbliert sind. Ich finde auch nicht, dass Zoos generell eine schlechte Sache sind und habe das so auch nicht geschrieben. Aber was mich stört, ist, dass man Delfinen viel mehr zugesteht als anderen Arten, obwohl auch viele andere Arten spezielle Ansprüche an ihren Lebensraum haben. Schauen Sie nur die Seelöwen im Connyland an. Ich will ja nur wissen: Warum setzt sich niemand für diese ein?

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  • Alexandra Tiefenbacher

    Was meiner Meinung nach im obigen Blogbeitrag vollkommen vergessen gegangen ist, ist der Beitrag der Zoos zur Arterhaltung und Sensibilisierung der Bevölkerung. Schon mehrere Tierarten konnten nur dank den Erhaltungszuchtprogramme in den Zoos wieder ausgewildert werden. Unter anderem sorgen die Zoos gerade bei einigen Nashornarten dafür, dass sie nicht ganz von unserer Welt verschwinden.

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  • Karel Novinar

    Kleine Käfige müssen nicht unbedingt eine artgerechte Tierhaltung verhindern. Auf die Möblierung kommts an. Stell dir vor, du wärst alleine und ohne jeglichen Möbel oder anderen Dinge in eine leere Turnhalle eingesperrt. Eine trostlose Angelegenheit. Und nun stell dir vor, du bist in eine kleine Zelle eingesperrt und hast alles, was du willst: ein Bett, einen Fernseher, feines Essen, eine Frau oder wasauchimmer. Ein recht angenehmes Dasein. Natürlich ist es noch besser, wenn du alles hast und auch noch draussen frei herumlaufen kannst. Wenn du aber in dieser engen Zelle zur Welt gekommen bist und nichts anderes kennst, willst du auch nicht unbedingt mehr. Und genau so sollte es in Zoos auch sein. Ein Betonbecken für Delfine, dafür mit viel Beschäftigung ist sicher nicht das Optimum, aber auch nicht unbedingt ganz schlecht. In diesem Sinne gefällt mir am obigen Blog der dritte Abschnitt am wenigsten schlecht. Der Hinweis von Bert Körner ist mehr als berechtigt.

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  • Bert Körner

    Etwas fairere Angaben und /oder Recherche wäre schon gut. Zürich z.B. hat kürzlich die Schimpansen abgegeben, um Platz für größere Gehege für die anderen Menschenaffen zu schaffen. Die Flusspferde sind Zwergflusspferde, für die der Platz mehr als ausreicht. Aber, klar, wenn man den Zoo nicht mehr besucht kann man das ja auch nicht wissen! Der Schweizer Tierschutz STS hat in seinen Berichten auch viele Tierhaltungen kritisiert, dies aber wenigstens fundiert und nach ausführlichen Recherchen.

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  • Antonietta

    Artgerecht für Delfine ist nur die Freiheit in den Weiten der Meere !

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