© Stephen Codrington [CC-BY-SA-2.5], via Wikimedia Commons
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Darf man FSC – Tropenholz kaufen?

  • Der Oekolog
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Am 19.8. erschien im Schweizer Fernsehen ein interessanter Beitrag zum FSC-Label. Die Rundschau stellte die Frage, ob Tropenholz mit dem FSC-Siegel wirklich aus garantiert nachhaltigem Waldbau stammt. Zweifel sind schon seit längerem angebracht, wie zum Beispiel die vielen Enthüllungen unter www.fsc-watch.org zeigen. Die Probleme des Siegels: die Anforderungen sind nicht in jedem Land die gleichen, das Label agiert nicht losgelöst von der Holzindustrie und in einigen korrupten  Ländern (zB Kongo) sind die  Kontrollmechanismen nicht gegeben. Zudem sind die Anforderungen an den Waldbau relativ gering (in der Schweiz müssen in FSC-Wäldern nur 10 Prozent der Wälder unangetastet bleiben), und das Schlimmste: es können sogar Plantagen, die auf früheren Regenwaldstandorten angelegt wurden, zertifiziert werden.

Darf man also nun FSC-Tropenholz kaufen oder nicht? Einige Umweltschutzorganisationen meinen Ja. Andere meinen Nein. Ich meine: nein, noch nicht. Erst wenn beim FSC-Label alle Kinderkrankheiten behoben sind und es keine Negativmeldungen mehr gibt, kann man sauberen Gewissens FSC-Tropenholz kaufen.

Und hier der Beitrag der Rundschau zum FSC-Holz aus dem Kongo:

1 Kommentar

  • Klaus Schenck

    Der FSC existiert nunmehr seit 15 Jahren und von Kinderkrankheiten kann man/frau deshalb nicht mehr sprechen.

    Dass es kein verlässliches „Zertifizierungssystem“ gibt, hat andere Gründe: Der FSC wird – wie die meisten freiwilligen, marktgesteuerten Zertifizierungsinitiativen – von Wirtschaftsinteressen dominiert.

    So wurden die Standards immer weiter aufgeweicht, Betrugsfälle und unangemessene Zertifikate sind an der Tagesordnung. Das hat u.a. auch damit zu tun, dass die Firmen und Waldbesitzer selbst die Zertifizierer auswählen und bezahlen. Letztere drücken immer öfter beide Augen zu, um im Geschäft zu bleiben. Währenddessen wurde die wertvolle Arbeitskraft der Umweltorganisationen durch den FSC und endlose Diskussionsrunden absorbiert.

    Der FSC ist nicht das einzige „Grüne Siegel“: Allein für den Wald- und Holzbereich gibt es mehrere Dutzend solcher Siegel, und ganz allgemein weltweit mehrere Tausend Siegel für jeden Bereich angeblich „nachhaltiger“ Produktion, von nachhaltigem Palmöl (Roundtable on Sustainable Palm Oil – RSPO) über nachhaltigen industriellen Fischfang in den Weltmeeren (Marine Stewardship Council – MSC) bis hin zu nachhaltigen Bergbauinitiativen des WWF.

    Können all diese Produkte überhaupt „nachhaltig“ für einen immer weiter steigenden Konsum produziert werden?
    Die Erde und die vorhandenen Ressourcen sind nun mal begrenzt und nicht beliebig steigerbar.

    Ist Zertifizierung überhaupt das geeignete Mittel, um den „nachhaltigen“ Anbau oder Abbau zu gewährleisten?
    Die riesigen FSC-zertifizierten industriellen Eukalyptus- und Kiefernplantagen z.B. in Brasilien, Südafrika und Swasiland können gar nicht „nachhaltig“ sein.

    Der FSC-zertifizierte „selektive“ Holzeinschlag europäischer Holzfirmen im zentralafrikanischen Primärregenwald ist genauso wenig „nachhaltig“. Die Pygmäen verlieren damit ihre Lebensgrundlagen, genauso wie Waldelefanten und Tieflandgorillas, die als Buschfleisch in der Suppenschüssel enden oder in die letzten unberührten Regenwaldinseln vertreiben werden. Bis diese auch gerodet werden.

    Der von den „selektiven“ Rodungen, Holzstraßen und quer Feld ein herum fahrenden riesigen Forstschleppern plattgewalzte Urwald bleibt schwer geschädigt zurück. Bis zu 50% der Biomasse stirbt danach ab und setzt Kohlendioxid frei, das den Treibhauseffekt anheizt. Danach dauert es Jahrzehnte oder eher Jahrhunderte, bevor der Wald sich wieder erholt. Was soll daran nachhaltig sein?

    Der Regenwald ist kein billiges Holzlager, sondern erfüllt für uns Menschen, die Umwelt und das Klima viel wichtigere Funktionen.

    Am Ende sind FSC und die übrigen Siegel nur der Vorwand, um noch für einige Jahre weiter im Regenwald holzen zu können, bis bald alles gerodet ist.

    Die wenigen Schutzgebiete, die dann vielleicht noch stehen, können nicht die Funktionen der ehemals riesigen Regenwaldgebiete übernehmen. Deshalb Hände weg von FSC-zertifiziertem Tropen- und Plantagenholz! Ausreichend Holz wächst in unseren einheimischen Wäldern und Forsten, die allerdings auch naturnah bewirtschaftet sein sollten.

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