poulet

Brief an die Kantine

  • Der Oekolog
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Manchmal hat der Ökolog das Bedürfnis, Fragen zu stellen. Etwa dann, wenn er in seiner Lieblingskantine irgendwann bemerkt, dass das Pouletfleisch immer aus Brasilien stammt und Fisch meist aus Vietnam. Das ergibt dann zum Beispiel den folgenden Mailwechsel:

Sehr geehrte Damen und Herren

Die Menus im Restaurant Eurest im Technopark sind immer sehr ansprechend und fein gekocht. Was mich hingegen stört, ist die Herkunft des Fleisches und des Fischs. So bieten Sie regelmässig Pouletfleisch aus Brasilien an. Die Tiere stammen aus tierquälerischen Massenaufzuchtbetrieben und wachsen unter Einsatz von Antibiotika und Soja aus ehemaligen Urwaldgebieten etc. auf. Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, wie Sie als Betreiber einer sehr guten Kantine dies gutheissen können. Ebenso störend empfinde ich z.B.den Einsatz von Pangasius-Filets aus Vietnam oder Trutenfleisch aus Israel. Ich würde mich freuen, wenn Sie vermehrt Fleisch und Fisch aus verantwortungsbewusster Zucht einkaufen könnten.

Ich danke Ihnen herzlich für Ihre Antwort, welche ich gerne in meinem Blog veröffentlichen würde.

Erst einmal geschah nach diesem Mail gar nichts. Zehn Tage lang. Also schickte der Ökolog das Mail nochmals. Und dann, weitere zehn Tage später, kam die Antwort, welche unerwartet freundlich ausfiel:

Guten Tag

Herzlichen Dank für Ihr freundliches E-Mail und die darin enthaltenen wichtigen Informationen für uns, auf welche wir an dieser Stelle gerne eingehen.

Betreffend unserer Fischprodukte und Ihrer Herkunft können wir Sie beruhigen. All unsere Fischprodukte beziehen wir von unserem Lieferanten Bianchi. Dieser hat sich verpflichtet, mit seinem eigenen Label ausschliesslich MSC zertifizierte Fische, als auch Bio Suisse oder Naturaland und WWF empfohlene Fische aus bestimmten Regionen zu beziehen. (…)

Bezüglich des Fleisches: 100 % unseres Kalb- und Schweinefleisches sind aus Schweizer Herkunft. In dem wir mit lokalen Lieferanten arbeiten, können wir garantieren, dass alles Kalb- und Schweinefleisch, das bei Compass Group auf den Tisch kommt, von Tieren stammt, die in der Schweiz geboren und aufgezogen wurden.

Über 90 % des Rindfleisches, welches bei uns verwendet wird, kommt ebenfalls aus der Schweiz. (…)

Mit unserem Regionalitätsanspruch zeichnen wir ab sofort auch die regionalen Metzger, regionale Produkte und Rezepte aus. Dies finden Sie in Ihrem Restaurant mit dem Logo „RegioPur“.

Bei der Wahl des Poulet sind wir stets bemüht, regionale Produkte so viel wie möglich zu berücksichtigen. Unser Poulet stammt teilweise aus Brasilien, und wir setzen, insofern verfügbar, Poulet aus der Schweiz ein. Momentan sind wir daran, mit unseren Lieferanten sicherzustellen, Ihnen zukünftig nur noch Geflügelprodukte aus der Schweiz und  EU anbieten zu können.

Wir möchten noch einmal erwähnen, dass generell alle Fleischprodukte, welche nicht aus der Schweiz kommen werden, vorher auf die Einhaltung der strengen Tierschutzvorgaben der CH geprüft werden. Es wird nur Ware von uns bezogen wird, die diese Standards nachweislich einhalten und umsetzen.

Noch einmal möchten wir Ihnen an dieser Stelle danken und hoffen, dass wir Ihnen mit unseren Angaben behilflich sein konnten.
Falls Sie noch weitere Fragen oder Anregungen an uns haben, zögern Sie bitte nicht uns zu kontaktieren.

Wow. Fast scheint es, als hätten wir da jemanden ein wenig aufgeschreckt (siehe Poulet aus der Schweiz). Natürlich antwortete der Ökolog umgehend, und zwar wie folgt:

Danke für Ihre ausführliche Antwort. Ihre Firma scheint sich sehr um die Herkunft des Fleisches / Fisches zu bemühen. Das freut mich. Bitte erlauben Sie mir jedoch, trotzdem nochmals darauf hinzuweisen, dass Pouletfleisch bei Ihnen gemäss der Deklaration allermeistens aus Brasilien stammt und Trutenfleisch oft aus Israel. Es fällt mir sehr schwer zu glauben, dass dieses Fleisch aus verantwortungsvollen Betrieben stammt und dass es nicht Fleisch aus näheren Quellen (Deutschland) bzw. aus der Schweiz gäbe (ich weiss, letzteres ist doppelt so teuer). Auch bei Fisch aus Vietnam habe ich weiterhin meine Fragezeichen, ob das wirklich MSC-Fisch ist.

Gerne rege ich hiermit noch an, bei der Deklaration des Fischs doch in Zukunft das MSC Label hinzuzufügen. Auf das RegioPur-Logo bin ich in Ihrem Betrieb übrigens noch nie gestossen.

Nun bedanke ich mich nochmals für Ihre Auskünfte und verbleibe mit freundlichen Grüssen.

War das nun eine zu kritische Rückantwort? Und: Haben Sie auch schon ähnliche Bemühungen unternommen? Schreiben Sie dem Ökolog davon.

Zahlreiche ähnlich kritische Mailwechsel mit Firmen finden Sie übrigens auf der formidablen Webseite www.montagsmailer.ch.

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