Nordmann- oder Rottanne?
Nordmann- oder Rottanne?

Christbaum: Üppige Nordmann- oder ehrliche Rottanne?

  • Benjamin Kämpfen
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Die Nordmanntanne ist in den weihnachtlich dekorierten Stuben auf dem Vormarsch. Im Gegensatz dazu findet man die Rottanne immer seltener auf den Christbaummärkten. Dabei ist sie der viel ehrlichere Christbaum.

Auf Plätzen in der Innenstadt, auf Weihnachtsmärkten und auf Bauernhöfen: Überall werden momentan Christbäume angepriesen. Die Auswahl ist gross: Neben der beliebten Nordmanntanne werden Blautannen, Koreatannen, Korktannen und Nobilistannen verkauft. Bei genauerem Hinschauen entdeckt man – meistens etwas am Rand stehend – auch noch einige Rot- und Weisstannen. Es scheint, als ob die Rottanne heute nicht mehr gefragt ist.

Klar, im direkten Vergleich ist die Rottanne (oder Fichte) schon etwas mickriger als die üppige, nadelbepackte Nordmanntanne. Und zugegeben, während die Nordmanntanne wochenlang die Nadeln behält, verliert die Rottanne sie schon nach kurzer Zeit. Aber ganz ehrlich: Die abfallenden Nadeln sind doch auch ein Zeichen dafür, dass Weihnachten vorbei ist, und der Baum entsorgt gehört. Sonst könnte man sich ja gerade einen Plastikbaum in die Stube stellen.

Aber auch die Rottanne hat Vorzüge: Sie duftet kräftiger als ihre Konkurrentinnen. Und wenn es um den Preis geht, kann ihr sowieso kein anderer Christbaum etwas vormachen.

Eine wichtige Frage ist noch offen: Wie steht die Rottanne im Umweltvergleich da? Für umweltbewusste Käufer gibt es viele Labels und Informationen: FSC, Bio, Pro Montagna, Schweizer Holz, FairTrees und wie sie alle heissen. Unabhängig der Labels ist natürlich klar, dass es aus Umweltsicht ein Baum aus Schweizer Produktion sein sollte. Eine Ökobilanz zeigte übrigens auf, dass ein Plastik-Christbaum 17 Jahre lang verwendet werden muss, damit er einen echten Baum bezüglich Umweltbelastung schlagen kann.

Aber wie schneiden die verschiedenen Sorten ab? Wie würde die Rottanne im Umweltvergleich mit der Nordmanntanne dastehen? Vermutlich wäre sie in dieser Rangliste die Nummer eins. Als schnellwachsende Art kann sie bereits früher als andere Sorten geerntet werden und verbraucht somit weniger Platz. Und nicht zuletzt ist sie (wie auch die Weisstanne) eine einheimische Art, die auch sonst in unseren Wäldern wächst. Somit liegt die Vermutung nahe, dass die Rottannen während der Zeit in der Christbaumkultur einen wertvolleren und für mehr Tiere nutzbaren Lebensraum bilden als ihre exotischen Verwandten.

Kurzum: Die Rottanne ist einfach der ehrlichere Baum. Und gerade in der Weihnachtszeit sollte Ehrlichkeit doch gross geschrieben werden. So oder so wünschen wir allen Leserinnen und Lesern ganz schöne Festtage – ob mit Rot- oder Nordmanntanne oder ganz ohne Christbaum!

PS: Eine originelle Aktion hat der NABU Bremen vor einiger Zeit durchgeführt. In einem Waldstück, wo Eichen gefördert werden sollten, durfte die Bevölkerung gratis naturverjüngte Fichten schlagen und als Weihnachtsbaum nach Hause nehmen.

2 Kommentare

  • Ernst Leuenberger

    Da ich als ehemaliger Förster seinerzeit, viele Weihnachtsbäume verkaufte, hab ich das ganze Theater, Fichte, Tanne ,von Anfang an erlebt. Unsere Bäume stammten alle aus , z.T. Pflegeeingriffen, und z.T. aus Kulturen, welche unter elektr. Leitungen angelegt wurden. Plötzlich brachte der Handel die Nordmannstanne. Die hatten wir nicht sofort. Aber die Leute wollten die Nordmann für damals schon für Fr.30-40 . Dann mussten wir die Geschichten anhören – eben – die Nadeln halten länger etc.etc. Aber was stellte ich damals schon fest ? Die teuren „schöneren“ Bäume lagen am 26.12. schon an der Strasse. Also wegen den Bäumen sind die Menschen nicht friedlicher geworden,,,,

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