Achtung Glatteis! | © Claus Rebler [CC-BY-SA-2.0], via Flickr
Achtung Glatteis! | © Claus Rebler [CC-BY-SA-2.0], via Flickr

Welche Alternativen zum Streusalz gibt es?

  • Amanda Buol
  • 11

Endlich ist der langersehnte Schnee in der Schweiz angekommen. Mit ihm steigt aber auch das Glatteisrisko auf Strassen und Gehwege. Aber sind Streusalz und Kiessplitt wirklich die einzigen Möglichkeiten gegen Eisglätte oder gibt es da umweltschonende Alternativen?

Der Winter und die kühlen Temperaturen sind nun in der Schweiz angekommen. Zusammen mit der Kälte kommt auch das Glatteis. Dieses ist nicht nur für Autos ein Problem, sondern kann auch für Fussgänger zum Verhängnis werden. Um Unfälle zu vermeiden werden auf Strassen und Gehwegen Streusalz oder Kiessplitt eingesetzt.

Obwohl Salz und Kies zahlreiche Unfälle verhindern, haben sie auch einen negativen Aspekt. Die einheimischen Pflanzen vertragen, bis auf einzelne Salztolerante Arten, kein Salz im Boden. Mit dem Schmelzwasser gelangt das Streusalz in die Erde. Der Salzüberschuss führt zum absterben feiner Wurzelhaare und die Pflanze kann kein Wasser mehr aufnehmen. Sie trocknet aus. Auch Gewässer und ihre Ökosysteme werden durch die hohen Salzkonzentrationen beeinträchtigt.

Bei häufigem Wetterwechsel kann Kiessplitt die Wirkung verlieren und in die Kanäle gewaschen werden, die verstopfen. Bei der Entsorgung des Kies entstehen zusätzlich hohe Kosten, da es mit Schwermetalle und Gummiabrieb des Verkehrs verschmutzt ist und so zu Sondermüll deklariert wird.

Gibt es umweltschonende Alternativen?

Umweltfreundlichere Möglichkeiten wären zwar vorhanden, jedoch können sich diese nicht gegen Streusalz und Kiessplitt durchsetzen. Meist sind die Alternativen weniger Effizient oder übersteigen die Kosten. So können Holzschnitzel beispielsweise nur bei grossen Schneemengen angewendet werden. Nach dem Abtauen verstopfen sie dann die Kanäle. Zucker wirkt dagegen nur bei geringen Schneemengen oder mit in einer Salzmischung.

Wegen zu hoher Kosten wird Pottasche selten eingesetzt. Vielleicht wäre diese Investition sinnvoller, bedenkt man die Kosten der Sondermüllentsorgung des Kiessplitts oder den Ersatz der Pflanzen entlang der Strassen.

Eine aktive Massnahme zu all den Streumaterialen ist rasche Schneeräumung, die das Glatteisrisiko mindert ohne die Umwelt noch mehr zu belasten.

Was hilft Privat?

Auf privaten Gehwegen und Einfahrten gibt es bereits einfache, umweltschonende Alternativen. Mit schneeschaufeln kann das Risiko rutschiger Wege gemindert werden.

Die beste Methode gegen Unfälle auf Glatteis sind aber immer noch gut profilierte Schuhe anstelle von High Heels und Turnschuhe. Auf der Strasse gilt vor allem eine angemessene Geschwindigkeit und genug Abstand zum vorderen Fahrzeug.

 

Erstveröffentlichung Januar 2016, aktualisiert Januar 2017

11 Kommentare

  • Marc Hauser

    Ein grosser Nachteil von Kries ist die Entsorgung als Sondermüll. Zementwerke benötigen aber Kies als Rohstoff und können auch einen Anteil an Sondermüll im Drehrohrofen verbrennen. Wäre es möglichk, Kies aus Kalkstein auf unseren Strassen einzusetzen und danach in einem Zementwerk zu verwerten? Ich weiss nicht, ob Kalkstein die nötigen Eigenschaften aufweist und ob die Verwertung in einem Zementwerk auch praxistauglich ist. Ich frage mich aber ob die Frage schon untersucht wurde.

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  • Rene Studer

    Alle Jahre wieder die Gleichen Diskussionen über Streusalz Es gibt sehr gute Alternativen zum Streusalz !!.Diese Produkte sind umweltfreundlich, Biologisch abbaubar und eignen sich Besonderst für Nebenstraßen Gehwege Fahrradwege Parkplätze sowie Private Haus Besitzer und für Autobahn Brücken.
    Tatsche ist,das Grösste Problem sind wir alle, den ja die Umweltfreundlichen Produkte kosten um das 3-4 Fache mehr,nur müssen wir mahl Bedenken was für einen Immensen Schaden an der Natur,Umwelt und den Tieren Angerichtet wird, dies Tatsachen sollte uns doch die angeblichen Höheren Kosten für die Umweltfreundlichen Auftau Mittel es uns wirklich wert sein oder Nicht ? Man Bedenke, Streusalz wirkt nur ein Mahl pro Anwendung, Umweltfreundliche Auftau Mittel können um ein Vieles Längere anhaltende Aftauende Wirkung aufweißen.Diese Tasache Spart Geld Zeit und das wichtigste der Natur und der Umwelt zu liebe!!!!!!!!!! Eco Grip plus und ICE & Dust-AWY
    unter: http://www.vulkatec-schweiz .ch

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  • Andreas Diethelm

    Alle, die mit geeigneten Schuhen unterwegs sind, wissen: Auf Schnee geht man damit sicher, im Salzmatsch ist es dagegen gefährlich glitschig. Dasselbe gilt für Fahrzeuge aller Art. Salz verursacht erwiesenermassen auch zahlreiche Unfälle.
    Brod, H.-G. (1995). „Risiko-Abschätzung für den Einsatz von Tausalzen“ Berichte der Bundesanstalt für Straßenwesen – bast (Verkehrstechnik Heft V 21): 60 S.
    Die Hypothese, dass eine erhöhte Salzkonzentration im Bodenwasser die Wasseraufnahme osmotisch verhindert, und zu Trockenstress führt, wird kontrovers diskutiert. Hängt stark von der Bodenzusammensetzung ab. Jedenfalls wird das Chlorid wird sehr wohl von den Wurzeln aufgenommen. Chronische Salzwasserbelastung führt zu Nährstoffverarmung im Wurzelbereich und verändert die Bodenstruktur nachteilig. Dies führt zu Schädigung des Bodenlebens, Mikroorganismen und Mykorhizza (Pilzen, die symbiotisch den mit Wurzeln wachsen, d.h. mit dem Wurzelsystem für den Baum eine funktionelle Einheit bilden) was den Baum schwächt.
    Hier eine gute Übersicht der Streusalzthematik die teilweise auf meinen eigenen Recherchen beruht:
    http://www.vssg.ch/documents/B_StrB_Streusalz_Auswirkungen_Stadtbaeume_2013.pdf

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  • Christine Dobler Gross

    Es macht den Anschein, dass viele Facility-Teams nicht wissen, dass man mit Salz sparsam umgehen und nicht den Schnee damit schmelzen soll! Da werden hampfelnweise Salz auf verschneite Wege geworfen, ohne vorher eine Schaufel in die Hand genommen zu haben….Es sind dieselben, welche im Sommer den Garten mit Laubbläsern und Trimmern traktieren und auch über dessen negative Auswirkungen nicht Bescheid wissen.

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  • Ebinger Carole

    sehr guter beitrag von herr andreas diethelm
    freundliche grüsse
    carole ebinger

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  • Spaltenstein roger

    Ein jahr später hat sich noch nichts geändert und es bleibt leider beim alten………..
    Hr.Diethelm Danke für den Beitrag

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  • Karel Novinar

    Ich hatte gehofft, dass der Artikel neue Erkenntnisse bringt. Leider ist alles Geschriebene längst bekannt – und wird trotzdem nicht gemacht.

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  • MichaelBrandenberger

    Dass Kies die Kanäle verstopfen kann ist unschön. Jedoch sehe ich nicht ein, wieso es nicht wiederverwendet wird und nach nur einmaliger Anwendung als Sondermüll gelten soll.
    Mit dieser Logik müsste Meteowasser einen ganz separaten Kanal fliessen und wegen Schwermetallen und Gummiabrieb ebenfalls als Sondermüll entsorgt werden.
    Darum sehe ich als beste Variante Kies, welches sparsam verwendet wird (vor allem oberhalb Schächten) und dann auch wieder eingesammelt, eventuell mit Regenwasser gespült und eingelagert wird. Dreckiger als dreckig kann es und das Wasser nicht werden und eigentlich ist es egal, ob alter Strassenabfall auf der Strasse landet. Irgendwann wäre dieser Abfall – ohne den Umweg übers Kies – eh in der Kanalisation oder im Erdreich gelandet.
    Somit schont wiederverwendetes Kies Ressourcen und nützt Umwelt wie Mensch am Meisten.
    Liebe Grüsse

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    • Karel Novinar

      Splitt, der auf Strassen und Gehwegen eingesetzt wird, enthält nach kurzer Zeit Schwermetalle, die vom Gummiabrieb der Autopneus und anderen Schadstoffen aus Abgasen (Autos, Heizungen, etc.), die sich mit Schnee und Splitt verbinden, stammen. Deshalb gilt Splitt im Winter als Sonderabfall. Wenig verschmutzter Schnee aus Schneeräumungen muss aber nicht in Sonderdeponien entsorgt werden. Dazu haben die Städte und Gemeinden in der Regel mehrere Plätze, wo der Schnee auf bewachsenen Bodenflächen versickern kann (natürlich nicht bei Trinkwasserfassungen) oder in Fliessgewässer eingelassen und verdünnt wird. Splitt von privaten Gehwegen rund ums Haus würde ich im Garten auf einem Kiesweg, Kiesplatz oder einer Ruderalfläche verteilen.

    • Andreas Diethelm

      Streumitteleinsatz im Winterdienst – Fakten und Fazit

      Fakten:
      1. Die Wunderwaffe gegen den Winter gibt es nicht.
      Jedes der diskutierten Streumittel hat eine Reihe Vor- und Nachteile
      2. Chlorid-Salze als Taumittel (Kochsalz=Natriumchlorid, sowie Calciumchlorid und Magnesiumchlorid): Chloride starten einen elektrochemischen Angriff auf Metalle, insbesondere auf Armierungseisen, Fahrzeuge (Korrosion/Rost).
      CaCl2 produziert einen seifigen Belag (chemische Glätte).
      Folgen:
      Mobilität und Sicherheit: Die Unfallstatistik belegt: Schnee schmelzen mit Salz ist Unsinn. Die Fahrbahn erscheint sicher (schwarz geräumt), die zurückbleibende Schmierschicht führt aber zur Verdoppelung des Bremswegs. Sichtbare Umweltschäden: Tausende salzgeschädigter absterbender Alleebäume müssen Jahr für Jahr ersetzt werden. Kosten pro Baum: rund CHF 10’000.-
      Korrosionsschäden an Verkehrsinfrastruktur verursachen in der Schweiz jährlich direkte Kosten im Milliardenbereich.
      3. Kochsalz eignet sich zum Tauen von Glatteis auf Durchgangsstrassen und von Eisglätte an exponierten Stellen.
      4. Salz auf Schnee oder vor dem Schneefall macht Strassen nicht sicher, sondern gefährlich, es entsteht ein glitschiger Matsch. Schwarzräumung lädt die Strassenbenützer zu Fehleinschätzung und leichtsinniger Fahrweise ein.
      5. Strassensalz lockt Wildtiere auf die Fahrbahn, diesbezügliche Unfälle nehmen zu.
      6. Die Salzfracht im Abwasser verursacht zunehmend Funktionsstörungen in Kläranlagen und dadurch sekundäre Gewässerverschmutzungen.
      7. Sole (Salz wird verspritzt, statt gestreut) ist KEINE ökologische Alternative, sondern lediglich Stand der Technik. Das Gift ist dasselbe.
      8. Split ist WENIGER umweltbelastend als Chlorid-Salze. Split wird auf der Strasse NICHT zu Sondermüll. Er kann ohne weiteres ohne aufwändige Wäscherei wiederverwendet werden, er braucht nicht sauberer zu sein, als der Dreck rundherum.
      9. Das Argument Split verursache Feinstaub, ist nicht stichhaltig. Feinstaub kann bei Verwendung von Silikat (Quarz) entstehen, nicht aber bei Dolomit und Basalt, der ebenfalls in beliebiger Menge zur Verfügung steht. (Auf dem gleichen Niveau befände man sich mit der Empfehlung, Gries schade Zöliakie-Patienten, dies trifft für
      Weizen zu, nicht aber für Mais.)
      10. Bei Glätte auf Nebenstrassen eignen sich Split, auf Trottoirs ebenfalls und alternativ Sand und Ton (gebrannt: Ziegelschrot).
      11. Zuckermelasse wurde in der CH testweise nicht STATT Kochsalz eingesetzt, sondern ZUSÄTZLICH. Die Melasse ersetzte als Additiv für Temperaturen unter -8 ˚C lediglich das üblicherweise beigemischte Calciumchlorid, welches noch aggressiver
      ist als Natriumchlorid, dieses bleibt in der Brühe drin.
      12. Kaliumcarbonat (Pottasche) ist ein verträgliches alternatives Salz, geeignet für Alleen (ca. 4 Mal teurer im Einkauf, was durch Vermeidung der Folgeschäden sicherlich kompensiert wird). Aber stark basisch, daher nicht zugelassen.
      13. Calcium-Magnesium-Acetat (CMA) wird in USA seit den 80er Jahren als Alternative auf armierten Betonbautenwerken (Brücken, Hochstrassen, Tunnel, Parkings) eingesetzt, neuerdings in verschiedenen EU-Ländern, wie GB, DK, DE, AT, IT, ES
      (teuer im Einkauf, dafür keine Korrosionsschäden). Unter -12˚C: Wechsel auf Natriumacetat (NAAC).
      14. Eine seriöse Vergleichsstudie aufgrund einer umfassenden Ökobilanz nach DIN 14040/44 für die heute in Betracht gezogenen Streumittel existiert nicht. Die vielzitierte RUS-Studie (1998) hält keiner Überprüfung stand. Rückblickend muss von einem mit öffentlichen Geldern finanzierten Gefälligkeitsgutachten gesprochen
      werden, das benötigt wurde, um den Passus Anhang 4.6, Abs.32 a der ehemaligen Stoffverordnung („Auftaumittel dürfen im öffentlichen Winterdienst nur verwendet werden, wenn sich abstumpfende Mittel wie Splitt und Sand zur Bekämpfung
      von Glatteis und Schneeglätte nicht eignen“) aus dem neuen Chemikalienrecht zu kippen. Dies geschah 2005.
      15. Umwelt- und Konsumentenschutzverbände machten und machen einen grossen Bogen um dieses unattraktive Thema. Mit den Rheinsalinen und der angehängten Logistikkette „Winterdienst Schweiz“ betreibt der Staat ein mit viel Matsch geschmiertes
      Salz-Perpetuum-Mobile, da hält man Split und Sand gerne fern vom
      Getriebe, seien die Strassen noch so glitschig.
      16. Wenn der Staat als Betreiber der Salinen sich im Besitz dieser Waffe (s. Pkt 1) wähnt, mit der er den Strassenbenutzern (durch Schwarzräumung) im Winter Sommer vorgaukelt, handelt er kurzsichtig und fahrlässig (Einladung zu Leichtsinn, indem er eine generelle Mobilität und Sicherheit suggeriert, die er nicht gewährleisten kann).
      17. Bei der wiederbelebten Forderung nach Aufhebung des Salzmonopols geht es lediglich um Partikularinteressen. Eine Marktöffnung würde uns von einem umweltverträglichen und damit auch einem volkswirtschaftlich verantwortlichen Winterdienst noch weiter weg führen, einfach zu einem höheren Preis.

      Fazit:
       Winterdienstpraxis
      Der Salzaustrag muss auf allen Strassenklassen drastisch zurückgefahren werden.
      Standard: mechanische Räumung/Reinigung auf Stand der Technik
      Bei Glatteis/Eisglätte und Vereisungen exponierter Stellen: Streusalz,
      auf Alleen: chloridfreie Salze, auf Trottoirs: Split, Sand, Ziegelschrot, Holzpellets Bei Schneeglätte auf Nebenstrassen mit Neigung: Split
       Mobilität und Sicherheit
      Strassenverkehrsgesetz (Art. 29 und Art. 31-32) ist der Schlüssel zur Bewältigung winterlicher Verkehrserschwernisse (Fahrweise, Fahrzeugausrüstung). Dem wäre wieder Nachhaltung zu verschaffen.
       Ausbildung Strassenverkehr:
      Der Winter müsste in die Verkehrskunde und in die praktische Fahrausbildung Eingang finden. Den Strassenbenützern ist die Eigenverantwortung zurückzugeben.
       Gemeinden sind schlecht informiert (durch „Winterdienst Schweiz“/Salinen). Ihr Winterdienst beruht auf mangelhaften Grundlagen (keine Kostenwahrheit) und ist von Wunschdenken (betreffend Sicherheit) geleitet. Ein simpler Haftungsauschluss
      auf der Website (Bsp. Strasseninspektorat Kt. Zürich) ist unverantwortlich.
       Schäden
      Belebte Umwelt: Die Umweltfachstellen bei Bund und Kantonen müssten endlich das Dossier Streusalz aufschlagen (Strassenbäume, Abwasserreinigungsanlagen, Grundwasser).
      Gebaute Umwelt: Offenlegung der direkten und indirekten Kosten infolge Korrosionsschäden an Verkehrsinfrastruktur auf Kantons- und Bundesebene.

      8.12.2012
      © era_consulting – environmental risk assessment
      Badenerstr. 18, CH-8004 Zürich
      era__@web.de
      Andreas Diethelm, lic. phil. II, Biologe/Ökologe

  • Christine Dobler Gross

    Je mehr gesalzen wird – und das ist der zu beobachtende Trend – desto weniger sieht der Private sich dazu veranlasst, a) selber schneezuschaufeln vor seiner Haustür b) vernünftiges Schuhwerk anzuziehen, notfalls mit Spikes versehen c) dasTempo zu drosseln – dies zu Fuss oder im Fahrzeug. Das ist leider so, wir werden dazu erzogen, uns an schwarzgeräumte Strassen und Gehwege im Winter zu gewöhnen, man sieht es jeweils den Leserkommentaren bei Schneeunfällen an, wie solches bereits eingefordert wird.

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