Viele Tonnen Papier werfen Schweizer jedes Jahr fort. Ein Zehntel davon ist Werbung! © Wiado
Viele Tonnen Papier werfen Schweizer jedes Jahr fort. Ein Zehntel davon ist Werbung! © Wiado

Werbemüll vermeiden – Ressourcen schonen

  • Redaktion Naturschutz
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Es ist nicht nur der Plastikmüll, der immer grössere Ausmasse annimmt. Auch in Sachen Papier geschieht viel Verschwendung. Eine einfache, aber wirkungsvolle Massnahme für weniger Papiermüll ist der «Bitte keine Werbung»-Kleber am Briefkasten, gegen den die Post sich wehrt. Alle, die noch keinen solchen am Kasten kleben haben, können ihn hier kostenlos bestellen.

Geschrieben von Marcel Klitzsch, Advanco GmbH

Auch in der Schweiz ist nicht alles Gold, was glänzt. Im Gegenteil. Denn mit einer Menge von über 700 Kilogramm pro Kopf und Jahr ist die Schweiz der drittgrösste Müllproduzent Europas. Eine von Eurostat, dem Statistischen Amt der Europäischen Union, durchgeführte Studie brachte für das Jahr 2016 bemerkenswerte Ergebnisse hervor, wie folgende Grafik unterstreicht:

 

muell-ranking

Das «Schlusslicht» dieses Rankings bildet etwas überraschend Rumänien. Dort wird also europaweit der wenigste Müll pro Kopf produziert, während Nationen wie Dänemark, Norwegen und auch die Schweiz, die im entwicklungspolitischen Kontext oft eine Vorreiterrolle einnehmen, die Spitzenplätze belegen. In negativer Hinsicht allerdings.

Müllvermeidung statt Recycling

Zwar gilt die Schweiz mit einer Wiederverwertungsquote von über 50 Prozent als eine der führenden Recycling-Nationen weltweit (zum Vergleich: laut OECD liegt die Quote innerhalb Europas bei 40 Prozent), doch um Vermüllung endgültig einen Riegel vorzuschieben und den Schaden für die Umwelt so gering wie möglich zu halten – so sind sich die Experten einig – ist die tatsächliche Vermeidung von Müll die einzige Alternative.

Papiermüll – Zahlen und Fakten

Ein Blick auf den anfallenden Papiermüll in der Schweiz soll diese Problematik verdeutlichen. So zeigen die Zahlen des Bundesamts für Umwelt für das Jahr 2016, dass über 80 Prozent des Altpapiers recycelt wurden. Pro Kopf sind das über 150 Kilogramm (siehe BAFU). Rund 180 Kilogramm Papiermüll verursacht jeder Bürger also jährlich (zum Vergleich: der weltweite Durchschnitt für den Jahresverbrauch lag 2015 bei 57 Kilogramm). Diese Zahl ist zwar in der Schweiz seit Jahren rückläufig, 2012 waren es beispielsweise noch über 200 Kilogramm, jedoch steht bei rund 8 Millionen Einwohnern am Ende immer noch ein Berg aus Papier mit einem Gewicht von mehr als einer 1 Million Tonnen.

Ein Zehntel des Altpapiers ist Werbung

Laut Schätzungen des Bundesrates verteilt die Post jährlich rund 1,2 Milliarden Werbesendungen in Form von Flyern, Prospekten und weiteren Drucksachen. Von anderen Verteilern landet in etwa die gleiche Anzahl nochmals in Schweizer Briefkästen. Setzt man pro Sendung ein Gewicht von rund 40 Gramm an, beläuft sich das Gesamtgewicht der Werbung auf ungefähr 100’000 Tonnen.5 Und wie schnell wird aus Werbung Müll. Rund ein Zehntel des gesamten Papiermülls der Schweiz besteht also aus Werbesendungen.

Papiermüll, nein danke!

Immer mehr Menschen wollen ihren Papierkonsum verringern. © Wiado
Immer mehr Menschen wollen ihren Papierkonsum verringern. © Wiado

Glücklicherweise wehren sich viele Bürger – gerade vor dem Hintergrund, dass mehr als 40 Prozent des weltweit geschlagenen Holzes zu Papierprodukten verarbeitet werden (siehe WWF) – inzwischen dagegen. Schon fast jeder zweite Haushalt verweigert sich mittlerweile durch einen ‹Bitte keine Werbung!›-Aufkleber dem Einwurf von Briefkastenwerbung. 60 Prozent sind es gar in den Kantonen Basel-Stadt, Zürich und Zug (siehe Kassensturz) . Tendenz steigend. Die Gründe dafür liegen klar auf der Hand. Es ist zugleich

  • umweltschonend – schont Wasser- und Holzressourcen
  • zeitsparend – vereinfacht Mülltrennung und -entsorgung
  • ökonomisch – reduziert Konsumversuchung.

Reaktion der Post

Die Post versucht mit Gegenaktionen, wie der Verteilung von Gratisproben an alle Adressaten, die eben keinen solchen Aufkleber angebracht haben, die Menschen zu animieren, nicht adressierte Werbesendungen wieder zuzulassen. Auch den Aufklebern selbst sollte mit eigenen «Werbung OK!»-Stickern zu Leibe gerückt werden. Daneben können Kunden online auch ihre ‹Angebote auf Wunsch› auswählen und sich so ihre individuelle Werbung zusammenstellen. Die Auswahl kann ständig aktualisiert werden. Mitarbeiter sollen jetzt sogar das Gespräch mit Werbeverweigerern suchen und ihnen die Vorteile von Werbung im Briefkasten aufzeigen. Bislang mit äusserst geringem Erfolg.

Offizielles› landet dennoch im Briefkasten

Leider schützt der Aufkleber nur teilweise gegen den Einwurf nicht adressierter Prospekte. Die Post und ihre Mitarbeiter unterscheiden hier nämlich zwischen kommerziellen und offiziellen Sendungen. Während erstere bei entsprechendem Vermerk am Briefkasten nicht zugestellt werden, werden die offiziellen – dazu gehören beispielsweise Briefe von Behörden, amtliche Anzeiger oder Sendungen politischer Parteien – weiterhin eingeworfen (siehe Beobachter).

Adressierte Werbung vermeiden

Der Schweizer Dialogmarketing Verband (SDV) hat sich seit vielen Jahren den Schutz des Verbrauchers auf die Fahnen geschrieben. Mit einem Eintrag in die sogenannte Robinsonliste können Sie zumindest teilweise selbstregulieren, welche Werbung Sie zukünftig persönlich erhalten wollen. Bei adressierten Werbesendungen werden vor Zustellung die Adressen, die in der Liste vermerkt sind, herausgefiltert.

Digitale Alternativen

Das Anbringen eines Aufklebers muss natürlich nicht einen Komplettverzicht auf Werbung signalisieren, denn die digitalen Angebote, in Form von Apps oder Blätterkatalogen, sind mittlerweile zu echten Alternativen geworden. Daneben sind sie platzsparend und bieten teilweise sogar die Möglichkeit einen Einkaufszettel in digitaler Form gleich mit anzulegen. Neben weniger Müll verursachen Online-Prospekte auch weniger Kosten für die Werbetreibenden.

Gemeinsam stark

Grundsätzlich bleibt natürlich festzuhalten, dass das Anbringen eines Briefkastenaufklebers kein Allheilmittel ist. Die Zahl der Verweigerer müsste deutlich steigen, um bei Werbetreibenden ein Umdenken und damit eine Reduzierung der Prospektmenge zu erreichen. Die Reaktion der Post aber beispielsweise zeigt, dass hier auf jeden Fall ‹Gefahren-Potential› erkannt wird. Für jeden einzelnen Verbraucher sollte dies ein Mutmacher sein, dass gemeinsam tatsächlich etwas erreicht werden kann.

Jetzt Aufkleber bestellen

Der Aufkleber gegen Gratiswerbung spart Papier und schützt damit Bäume. © Wiado
Der Aufkleber gegen Gratiswerbung spart Papier und schützt damit Bäume. © Wiado

Wiado.de ist ein neues Familien- und Verbrauchermagazin, das regelmässig auf gesellschaftliche Zustände hinweisen möchte, die verbesserungswürdig sind. Die unbefriedigende Situation des Papiermülls und der damit verbundene rücksichtslose Umgang mit der Umwelt sind ein solches Thema.

Wiado möchte mit den Aufklebern zur Reduzierung des Papiermülls und Stärkung der Natur beitragen. Der Aufkleber ist:

  • kostenlos
  • selbstklebend
  • schliesst Handzettel, Wurfsendungen, kostenlose Zeitungen und Wochenblätter ein
  • lösemittelfrei
  • hervorragende Licht- und Alterungsbeständigkeit

Bei Interesse können Sie Ihr Postkartenexemplar mit 2 Aufklebern für Familie, Freunde, Nachbarn oder Bekannte gleich hier anfordern.

Mit Aktionen wie dem Briefkastenaufkleber sollen bestimmte Problematiken sowohl ins öffentliche Bewusstsein gerückt werden, wie auch gesellschaftliche Veränderungen aktiv mitangestossen werden.

 

1 Kommentar

  • G. Denoth

    Da ich so abgelegen wohne, bestelle ich mir ab und zu etwas online. Danach hat man ständig Kataloge im Briefkasten, die man meist nicht anschaut und gleich auf dem Altpapier landen. Nun habe ich angefangen die verschiedenen Firmen anzuschreiben, dass ich aus Umweltschutzgründen keine Kataloge möchte und sowieso alles online mache. Das hat hervorragend geklappt. Seit dem habe ich viel weniger Altpapier.

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