Die Gämse Alin der Alpen-Initiative schaut genau hin, welche Transporte Sinn machen und welche nicht. | © Diego Balli / Alpen-Initiative
Die Gämse Alin der Alpen-Initiative schaut genau hin, welche Transporte Sinn machen und welche nicht. | © Diego Balli / Alpen-Initiative

Stimmen Sie ab über absurde und sinnvolle Transporte

  • Redaktion Naturschutz
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Welche Transportwege sind völlig unnötig? Und welche Organisationen haben die besten Lösungen parat für eine enkeltaugliche Zukunft? Bei der Ausschreibung der Alpen-Initiative können Sie bis zum 20. August darüber abstimmen.

Die Alpen-Initiative nominiert dieses Jahr wiederum drei Schweizer Akteure für den «Teufelsstein»: die SBB, Landi und Proviande. Mit diesem Schmähpreis für besonders absurde Transporte will die Alpen-Initiative die Konsumenten sensibilisieren und die Unternehmen zum Handeln bewegen. Auch die Kandidaten für den «Bergkristall» stehen laut einer Mitteilung der Alpen-Initiative fest: Es sind der Cargo-bike-Hauslieferdienst Collectors, die Organisation Wasser für Wasser und das Label bioRe von Remei. Diese Projekte setzen auf lokale und transparente Lösungen. Mittels Online-Abstimmung kann die Öffentlichkeit ab sofort die absurdeste sowie die sinnvollste Transportpraktik auswählen.

«Waren über Tausende von Kilometer hin- und herzutransportieren ist absurd! Das ist nur möglich, weil diese Transporte nicht alle Kosten decken, die sie verursachen – den Preis bezahlt die Umwelt», sagt Jon Pult, Präsident der Alpen-Initiative. «Die Transport-Problematik hat ein unhaltbares Mass erreicht, es braucht unbedingt ein Umdenken: Nicht mehr, sondern weniger transportieren.»

Weckruf für mehr Verantwortung

Die Alpen-Initiative zeichnet mit dem «Teufelsstein» Unternehmen, Organisationen und Verbände aus, die auf besonders absurde Transportpraktiken setzen. Mit diesem Schmähpreis will die Alpen-Initiative die Öffentlichkeit aufrütteln und Unternehmen zeigen, dass sie Verantwortung übernehmen müssen.

Transporte sollen möglichst vermieden werden oder sonst auf der Schiene erfolgen. Auch braucht es mehr Transparenz über die effektiven Transportdistanzen, die ein Produkt von der Herstellung bis zum Verkaufsort zurücklegt.

Für den «Teufelsstein» sind 2018 nominiert

  • SBB: Fassade aus China für die Europaallee
    Die Fassade eines Prestigebaus der SBB in der Zürcher Europaallee wurde mit Steinen aus Deutschland gebaut, welche in China verarbeitet und montiert wurden. Gesamte Transportstrecke: 43‘120 Kilometer. Das bedeutet 20 Mal mehr CO2 als bei einer vor Ort produzierten Fassade.
  • Landi: Cheminéeholz aus Nord- und Osteuropa
    Die Holzbranche leidet unter dem tiefen Holzpreis: In unseren Wäldern gibt es zurzeit viel Holz, das zum Ernten bereit ist. Trotzdem setzt die Landi in ihre Läden insbesondere auf importiertes Brennholz. Gesamte Transportstrecke: 1525 Kilometer. Das importierte Holz verursacht acht Mal mehr CO2 als Holz aus Schweizer Wäldern.
  • Proviande: Wursthüllen «made in China»
    Die Schweinedärme für Schweizer Wursthüllen stammen zwar meist aus der Schweiz – sie werden aber nach China transportiert und dort verarbeitet. Gesamte Transportstrecke: 44‘315 Kilometer. Durch das Hin- und Hertransportieren wird 30 Mal mehr CO2 produziert, als wenn die Wursthüllen direkt in der Schweiz produziert würden.

Die Alpen-Initiative ist überzeugt, dass die Transportwelt durch unser Konsumverhalten verändert werden kann. Dass es auch anders geht, zeigen zahlreiche innovative Projekte, die auf lokale und transparente Lösungen setzen.

Für den «Bergkristall» sind 2018 nominiert

  • Collectors: Hauslieferdienst per Velo
    Ein Hauslieferdienst mit dem Cargo-Bike, der auf Wunsch auch Pet-Flaschen, Blech und Batterien entsorgt und Arbeitslosen den Wiedereinstieg in die Arbeitswelt erleichtert.
  •  Wasser für Wasser: Leitungs- statt Flaschenwasser
    Im Restaurant und im Büro Wasser aus dem Hahn statt aus der Flasche trinken: Mit diesem Projekt werden nicht nur Transporte eingespart – sondern auch Wasserprojekte in Sambia unterstützt.
  • bioRe von Remei: Transparente Transportwege in der Textilindustrie
    Ein Kleiderhersteller, der detailliert darüber informiert, woher die Rohstoffe stammen und wo diese verarbeitet werden. Diese Transparenz hilft mit, sinnvoll einzukaufen.

Jetzt mitmachen bei der Abstimmung

Das Publikum kann bis am 20. August 2018 per Post oder online unter www.alpeninitiative.ch abstimmen, wer dieses Jahr den «Teufelsstein» und den «Bergkristall» erhalten soll.

Der «Teufelsstein» wurde erstmals 2002 verliehen. Letztes Jahr ging der Schmähpreis an die Firma Trivarga: Sie importiert Wasser von den Fidschi-Inseln in die Schweiz. Der «Bergkristall» erhielt die Schulverpflegung der Stadt Lausanne, die 70 Prozent der Lebensmittel für ihre Gerichte innerhalb eines Radius von 70 Kilometern bezieht.

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