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Eine Tafigura (Puma Energy) Tankstelle in Accra, Ghana | © Carl De Keyzer - Magnum

Schweizer Rohstoffhändler verschmutzen Afrikas Luft

  • Cécile Villiger
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Die Nichtregierungsorganisation Public Eye nimmt das Treibstoffgeschäft in Afrika genauer unter die Lupe und deckt unfassbaren Missstände auf: Schweizer Rohstoffhändler produzieren stark schwefelhaltigen Treibstoff, die in Europa längst verboten sind und liefern ihn in afrikanische Städte. Damit tragen sie massgeblich zu deren Luftverschmutzung bei, was eine gesundheitliche Gefahr für Millionen von Menschen darstellt. Public Eye fordert mit einer Petition, dass im weltweiten Treibstoffgeschäft europäische Standards eingeführt werden. 

Nach einer kürzlich veröffentlichten UNO-Studie  nimmt die Luftverschmutzung in Afrika’s Städten weltweit am stärksten zu. Schweizer Firmen beteiligen sich massgeblich. Sie verkaufen verdreckten Treibstoff nach Afrika. Die analysierten Dieselproben weisen einen bis zu 378 mal höheren Schwefelgehalt auf, als bei uns in Europa erlaubt ist. Ausserdem enthalten sie toxische Substanzen wie Benzol und bestimmte Kohlenwasserstoffe in Konzentrationen, die bei uns ebenfalls verboten sind. Diese Missstände hat Public Eye (ehemals Erklärung von Bern) in einer dreijährigen Recherchearbeit aufgedeckt. Besonders in Westafrika schlagen Vitol, Trafigura oder auch Addax & Oryx schamlos Profit aus schwachen staatlichen Regulierungen, wofür die urbane Bevölkerung dort mit ihrer Gesundheit zahlt. Viele westafrikanische Länder, die hochwertiges Rohöl nach Europa exportieren, erhalten von dort im Gegenzug den toxische Treibstoff zurück.

Die US-Organisation ICCT (International Council on Clean Transportation) schätzt, dass es im Jahr 2030 in Afrika drei Mal mehr durch verkehrsbedingte Feinstaubbelastung verursachte Todesfälle geben wird als in Europa, den USA und Japan zusammen. Atemwegserkrankungen sind heute schon ein grosses Problem und Dieselabgase können Lungenkrebs verursachen.

Zur Entschärfung dieser Zeitbombe müssten die Regierungen der betroffenen Länder gesetzlich striktere Standards verankern. Ausserdem müssten Schweizer Rohstoff-Firmen überall, wo sie tätig sind, die Menschenrechte respektieren – so wie es von den 2011 verabschiedeten UNO-Richtlinien für Wirtschaft und Menschenrechte eingefordert wird.

Damit der Verkauf von giftigen Treibstoffen gestoppt wird und europäische Standards auch in Afrika eingehalten werden, lanciert Public Eye eine Petition und fordert den Konzern Tafigura mit Sitz in Genf zur Verantwortung. Ausserdem fordert Public Eye mit der „Return to Sender-Kampagne“ Rohstoffhändler zum Handeln auf, dabei soll ein mit giftigen Luft gefüllter Container aus Ghana nach Genf zum Hauptsitz des Tafigura-Konzerns, geschickt werden.

 

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