Die Geier-Hochburg Europas droht zu schwinden. Die Gefahr geht von einem Medikament aus, das in der Veterinärmedizin zum Einsatz kommt. | © Jean-Raphaël Guillaumin [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Die Geier-Hochburg Europas droht zu schwinden. Die Gefahr geht von einem Medikament aus, das in der Veterinärmedizin zum Einsatz kommt. | © Jean-Raphaël Guillaumin [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Retten Sie Europas Geier!

  • Mélanie Guillebeau
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Diclofenac: So heisst der Übeltäter, der die Geier in Spanien, und damit 80 Prozent der gesamten europäischen Geierpopulationen, bedroht. Mit einer Petition – die Sie mit Ihrer Unterschrift unterstützen können – verlangt BirdLife International ein Verbot für die umstrittene Tiermedizin.

Nach Angaben von BirdLife International sind auf dem indischen Subkontinent vor rund 25 Jahren 99 Prozent der Geierpopulationen verschwunden. Der Grund für den dramatischen Rückgang war schnell identifiziert: Diclofenac, ein Medikament, das in der Rindviehhaltung eingesetzt wird. Wenn sich Geier an Tierkadaver ernähren, die Medikamentenüberreste enthalten, nehmen sie die Substanz unweigerlich in ihren Kreislauf auf. Für Menschen und Rindvieh ist Diclofenac unbedenklich, für Geier jedoch ein tödliches Gift.

„Das Vorkommen von Diclofenac in 1 Prozent der auf den Feldern entsorgten Viehkadaver war genug, um die Geierpopulationen auf dem indischen Subkontinent auszumerzen.“ BirdLife International

Europas Geier-Hochburg in Gefahr

Wie es scheint, haben Behörden nicht die richtige Lehre aus den Vorfällen in Asien gezogen, denn in Spanien droht sich die Geschichte zu wiederholen. Dies ist besonders besorgniserregend, wenn man bedenkt, dass Spanien quasi Europas Hochburg der Geier ist: Mehr als 80 Prozent der europäischen Geier – darunter Mönchsgeier, Bartgeier und Gänsegeier – sind dort zu Hause. Für den Gänsegeier stellt Spanien gar das wichtigste Brutgebiet in Europa dar.

Auch Bartgeier - die in den Schweizer Alpen seit Längerem erfolgreich ausgewildert werden - sind vom starken Bestandsrückgängen betroffen. | © jayhem [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Auch Bartgeier – die in den Schweizer Alpen seit Längerem erfolgreich ausgewildert werden – sind von den Diclofenac-Vergiftungen in Spanien betroffen. | © jayhem [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Nützliche Aas-Entsorger

Und Geier erweisen, entgegen ihrem schlechten Ruf, der Natur und uns Menschen einen grossen Dienst. Sie räumen die Umgebung von Kadaverüberresten, die Krankheitserreger beherbergen können. Dies schützt nicht nur viele Tiere vor möglichen Infektionen, sondern macht die ordnungsgemässe Behandlung und Entsorgung von Tierkadavern – eine kostspielige Angelegenheit für Viehbauern – hinfällig.

Tierkadaver können wahre Infektionsherde sein und müssen dementprechend entsorgt werden - es sei denn, Geier übernehmen diese Arbeit. | © Rafael Vila [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Tierkadaver können wahre Infektionsherde sein und müssen dementsprechend entsorgt werden – es sei denn, Geier übernehmen diese Arbeit. | © Rafael Vila [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Diclofenac ist ersetzbar

Um den weiteren Rückgang der Geier-Bestände zu stoppen, muss ein Verbot für den Einsatz von Diclofenac bei Rindvieh ausgesprochen werden, wie es bereits in Indien, Pakistan, Nepal und Iran geschehen ist. Die Vorreiterstaaten sind auch das beste Beispiel dafür, dass die Massnahmen den gewünschten Erfolg bringen: Langsam, aber stetig erholen sich die Geierpopulationen auf dem indischen Subkontinent. Und angesichts der Tatsache, dass eine unbedenkliche, erschwingliche Alternative besteht, sollte dem Verbot eigentlich nichts mehr im Weg stehen.

Helfen Sie mit!

Zu diesem Zweck haben SEO/BirdLife (spanische Vertretung von BirdLife), der WWF Spanien sowie BirdLife Europa und Zentralasien zusammen mit weiteren Vogelschutzorganisationen eine Petition gestartet, die nach einem sofortigen Anwendungsverbot von Diclofenac in der Veterinärmedizin verlangt.

Möchten auch Sie die Aktion unterstützen und unsere europäischen Geier vor dem Aussterben bewahren? Auf der Website von BirdLife International können Sie die Petition unterschreiben.

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