Pflegemassnahmen seitens der Gemeinde stossen bei Naturliebhabern auf Unverständnis. © via Naturschutzverein Horgen.
Pflegemassnahmen seitens der Gemeinde stossen bei Naturliebhabern auf Unverständnis. © via Naturschutzverein Horgen.

Petition: Naturschutz statt Naturputz

  • Stefanie Wermelinger
  • 7

Gerade im Herbst fällt es wieder auf: Die Waldwege sind sorgfältig vom Laub freigeräumt, die Waldrandböschung zurückgestutzt und ganze Borde im Millimeter Schnitt getrimmt. Braucht es das? Nein, findet der Naturschutzverein Horgen und lancierte eine Petition. Wir haben mit dem Mitinitianten der Petition gesprochen und Ihn zu seinen Beweggründen befragt.

In der Rubrik «Leserstimme» veröffentlichte naturschutz.ch vor kurzem einen Leserbeitrag zu dem Thema Laubbläser. Die Reaktionen waren emotional und vielfältig. Dabei kam die Sprache auch auf das penible Herausputzen der Natur. Beispielsweise, wenn Gemeinden Fadenschneider einsetzen, um beidseits der Wege die Borde grosszügig zu trimmen und dabei Flora und Fauna zerstören. Auch der Einsatz von schweren Maschinen entlang von Waldstrassen sorgen bei Naturliebhabern für rote Köpfe. Der Naturschutzverein Horgen reagiert nun und fordert mit seiner Petition «Naturschutz statt Naturputz» naturnahe Pflegemassnahmen von Grünflächen zur richtigen Zeit, um den Verlust an naturnahen Flächen zu stoppen. Dabei hoffen sie einen Stein ins Rollen zu bringen und auch andere Gemeinden zum Nachahmen zu bewegen.

Ein Bord vor und nach dem Eingriff seitens der Gemeinde. © via Naturschutzverein Horgen.
Ein Bord vor und nach dem Eingriff seitens der Gemeinde. © via Naturschutzverein Horgen.

Interview mit dem Mitinitianten: Das Problem des «Naturputzes» ist weit verbreitet

Wir haben mit dem Mitinitiant der Petition, Urs Länzlinger vom Naturschutzverein Horgen, gesprochen.

Was ist Ihre persönliche Motivation hinter der Petition?
Wir haben die Petition gestartet, weil immer wieder im öffentlichen Raum zum falschen Zeitpunkt mit schwerem Gerät natürliche Lebensräume massiv zurückstutzt und somit einiges an Artenvielfalt vernichtet wird.


Was sagen Sie zu der Aussage, dass das Freiräumen der Wege notwendig für eine sichere Benutzung ist? (Für Velofahrer, Jogger, Spaziergänger…)
Die sichere Benutzung der Wald- und Wiesenwege und das Recht auf Erholung sind durchaus berechtigte Anliegen, die aber nicht auf Kosten der Natur (und da meine ich auch Kleinstlebewesen sowie die Artenvielfalt) geschehen sollen. Mit einem guten Pflegeplan und entsprechender Weiterbildung der Werktätigen sollte das sicher zu bewerkstelligen sein.

Sind die Empfehlungen des Bundes und der Kantone nicht klar genug formuliert? Oder werden sie nicht befolgt?
Sicher gibt es dazu Empfehlungen des Bundes und der Kantone. Bloss braucht es dafür Interesse und der Wille, diese in der Gemeinde umzusetzen. Die beauftragten Gemeindeämter, -Werke und Gartenbaufirmen gewichten diese ganz anders und möglicherweise erscheinen ihnen diese zu kompliziert. Man kann z.B. eine Wiese nicht auf einmal mähen (sollte wenn möglich einige „Inseln“ zur Vernetzung stehen lassen, damit die Insekten dort Nahrung finden und Eiablagen möglich sind usw.).


Sehen Sie das Problem auch in anderen Gemeinden?
Ja, und an vielen anderen Orten im Bezirk und anderswo auch. Das hören wir auch von anderen Naturschutz-Organisatoren und Bewohnern sowie Leuten, die unsere Petition unterstützen.

Häufig wird zum falschen Zeitpunkt gemäht

Die Petition zeigt auf: Es sind nicht nur Wegränder von den Pflegemassnahmen betroffen, sondern oft auch Wiesenflächen, Bachgehölze oder Hecken, die vom Strasseninspektorat oder von beauftragten Gartenbaufirmen zum falschen Zeitpunkt gemäht oder massiv zurück­gestutzt werden. Für die Erhaltung der Artenvielfalt ist es wichtig, dass diese Flächen in den Sommer­­monaten als Rückzugsorte und Nahrungsgrundlage für verschiedene Tiere stehen­gelassen werden. Um eine naturnahe Pflege zu garantieren, wird in der Petition deshalb ein Pflegeplan gefordert, der von ausgebildeten Personen befolgt werden soll.

Hier gelangen Sie zu der Petition «Naturschutz statt Naturputz».

7 Kommentare

  • Christine Dobler Gross

    Gerade lese ich im neuen Ornis (Zeitschrift von Birdlife Schweiz), dass ungemähte Vegetation für Insekten AUCH IM WINTER! enorm wichtig ist: in stehengebliebenen Blütenköpfen, Fruchtständen, Stängeln und Blättern überwintern zahlreiche Tiere aus verschiedenen Insektengruppen. Das habe ich auch in meinem eigenen Naturgarten beobachtet.
    Eine neue Studie aus Tübingen bestätigt dies offenbar klar. Folglich in Gärten und Wiesen, entlang Strassen, Bächen usw. nicht alles wegräumen im Herbst. Hier noch die oben erwähnte Studie: https://biorisk.pensoft.net/article/22316/

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  • Eveline Nünlist

    Ich unterstütze diese Initiative von ganzem Herzen. Ich habe unerträgliche grobfahrlässige Eingriffe in die Natur beobachtet im Kanton Bern ind Kanton Freiburg an Waldränder, dass mir das Herz blutete. So zum Beispiel in der Bähe von Golaten, wo ehemals Seidelbast wuchs an den Waldrändern. Durch das Stutzen der Äste werden die Pflanzen verstümmelt und können sich nicht mehr gesund entfalten. Gerade der Seidelbast, der oft an Waldrändern vorgekommen ist , ist wohl deshalb fast völlig ausgerottet!
    Nur noch ( zu meiner riesigen Freude) auf dem Creux du Van kann ungstört wachsen und Mensch und Tier mit seinen fei duftenden Blüten betören.
    In der Gegend des Naturschutzgebiets Kleingümmenen entlang der Saane gabe ich vor Jahren wüst abgehackte Baumstämme entdeckt, abgstutzte Bäume bis auf ca 2m abgesägt, es sah so traurig aus, dass ich den Eindruck bekam, die Forstarbeiter seien ein Haufen unsensibler, grobschlächtiger Monstren. Oder gibt es irgendwelche Gründe für ein derartiges Abschlachten von Bäumen. Ich bin gegen jegliche Art von Radikalkuren und – eingriffen in der Natur. Dazu hat der Mensch kein Recht ausser der Eingriff dient zu einer Renaturierung. Die Natur kommt vor der nenschlichen , oft
    sinnlosen Ordnungsliebe.

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  • Hasn-Ueli Mettler

    Wird wirklich mehr geschnitten oder reagieren wir einfach sensibler? Ist der Steuerzahler dann auch bereit etwas mehr zu geben, dass eine „rücksichtsvollere“ Pflege machbar wäre? Also jährlich 2-3 Mal mehr den selben Ort aufsuchen um zu Pflegen und das von Hand?
    Der konventionelle Eingriff aus ökologischer Sicht möchte ich nicht bestreiten.

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  • Lisa Streuli

    Ja, die Machenschaften gegenüber der Natur sind nicht zu fassen. Ich wage mir jeweils fast nicht vorzustellen, wie es wäre, wenn im Umkehrtschluss die Natur dasselbe mit uns machen würde. Ein angemessener Respekt scheint immer mehr verloren zu gehen! Umso wichtiger, dass wir versuchen mit der Petition Gegensteuer zu geben.

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    • Hasn-Ueli Mettler

      Wird wirklich mehr geschnitten oder reagieren wir einfach sensibler? Ist der Steuerzahler dann auch bereit etwas mehr zu geben, dass eine „rücksichtsvollere“ Pflege machbar wäre? Also jährlich 2-3 Mal mehr den selben Ort aufsuchen um zu Pflegen und das von Hand?
      Der konventionelle Eingriff aus ökologischer Sicht möchte ich nicht bestreiten.

  • Annemarie Meier-Sollberger

    Diese Petition unterschreibe ich sofort. Ich habe so viel Frevel an der Natur beobachtet – es ist schrecklich. Mit schwerem Gerät werden auch Sträucher und Bäume geschnitten, sodass es wie eine Kriegszone aussieht. Habe erst gerade diese Woche in Rüfenach AG dies beobachtet und kann es auch mit Bildern dokumentieren.

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    • vera koller

      Ja, genau.
      Und im Frühjahr können dann die vielen Blüten an den Sträuchern nicht mehr üppig blühen, weil alles so abgefräst/abgehackt wird und wurde, anstelle zurück zu schneiden. Zudem gibt es dann kaum Nahrung für Bienen und andere Insekten, und es sieht so virtuel aus, unecht.
      Auch die Tellersensen sind ein Horror für alles was lebendig ist, also Insekten inkl. Heuschrecken, Igel und andere; bei uns wird teils gar bis auf den blanken Boden abgefräst. Kaum besser die Laubbläser.
      Änderungen sind dringend erforderlich – jährlich weniger Insekten! die braucht es genauso wie die Bienen.


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